ZITIERWEISE: VASOMED 2023; 35(5): 152-153
Beide Erkrankungen werden auch durch die erhöhte Expression von Adhäsionsmolekülen, Chemokinen und Zytokinen beeinflusst und sind durch das Vorliegen einer Gefäßhypertonie gekennzeichnet. Ödeme und Hautveränderungen treten daher häufig bei beiden Entitäten auf und das Risiko für sie steigt, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig vorkommen.
Die Therapiestrategien sollten das gleichzeitige Vorliegen von CVI und diabetischer Mikroangiopathie berücksichtigen. Eine Kompressionstherapie empfiehlt sich z. B. bei entzündlichen Erkrankungen mit Ödemkomponente, wie sie bei beiden Krankheitsbildern zu beobachten ist. Ödeme und trophische Veränderungen in den unteren Extremitäten sind vorherrschend bei Patienten mit T2DM (2). Ebenso sind Ödeme bei CVI das erste Anzeichen einer Mikroangiopathie (3). Beide Patientenpopulationen sind anfällig für lokale Gewebehypoxie und Beinulzera aufgrund der Veränderung der Immunfunktion sowie struktureller Veränderungen von Kollagen und Bindegewebe und evtl. gleichzeitiger Erkrankung an pAVK und autonomer Neuropathie (4).
Unabhängig von der Ursache gehen alle Beinulzera mit einer verminderten Durchblutung, einer Verdickung der Gefäßwände, einer reduzierten Durchblutung der Haut und des Weichteilgewebes, Ödemen, Ischämie und daraus folgender Nekrose einher (5). Sowohl bei CVI als auch bei T2DM umfasst der Mechanismus der Ulkusbildung eine Abfolge pathophysiologischer Schritte, zu denen vermutlich eine Verringerung des Gefäßdurchflusses aufgrund von Obstruktion und/oder Reflux, anhaltende Gefäßhypertonie und eine anschließende erhöhte Kapillarfiltration und interstitielle Flüssigkeitsbelastung gehören (5). Darüber hinaus liegt häufig eine lymphatische Dysfunktion vor, bei der die Flüssigkeitsbelastung die Lymphkapazität übersteigt, wodurch sich interstitielle Flüssigkeit, Makromoleküle und Zytokine ansammeln, was zu Ödemen, Abbau von Subkutangewebe und Ulkusentstehung führt (6).
Kompression hat eine entzündungshemmende Wirkung und wird bei entzündlichen Erkrankungen mit Ödemkomponente empfohlen (7). Die lokale Durchblutung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effiziente Wundheilung und sorgt für eine ausreichende Sauerstoff- und Nährstoffversorgung. Der kontrollierte äußere Druck durch Kompressionstherapie fördert die lokale Durchblutung, indem er die Vasodilatation stimuliert und venöse Stauungen und Ödeme reduziert. Aktuelle Leitlinien für die CVI-Behandlung empfehlen für Patienten mit Ödemen eine Kompressionsbehandlung mit elastischen Unterschenkel-Kompressionsstrümpfen, unelastischen Bandagen oder medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK), die einen Druck von 20–40 mmHg am Knöchel ausüben, um Ödeme zu reduzieren (8). Kompression verbessert die Pumpfunktion und die Mikrozirkulation und steigert den venösen Fluss (8).
Beinulzera und chronische Beinödeme sind häufige Komplikationen, die sowohl bei CVI als auch bei T2DM auftreten (1). In den Leitlinien wird betont, dass eine geeignete Kompressionstherapie entscheidend für die Therapie von Patienten mit Beinulzera ist (8) und es wird festgestellt, dass durch sie auch die Heilung von diabetischen Beingeschwüren verbessert wird (9).
Literatur
1. Gastaldi G, Pannier F, Roztočil K et al. Chronic venous disease and diabetic microangiopathy: pathophysiology and commonalities. Int Angiol. 2021;40(6):457-69.
2. Shlyakova AA, Strongin LG, Kudykin MN et al. Clinical and pathogenetic features of lesions of the lower extremities in patients with type 2 diabetes mellitus and chronic venous insufficiency. Diabetes Mellit. 2016;19:212–20.
3. Florea I, Stoica LE, Tolea I. Chronic Venous Insufficiency - Clinical-Evolutional Aspects. Curr Health Sci J. 2011;(1):21–5.
4. Fejfarová V, Roztocil K, Svedínková A et al. The relationship between chronic venous insufficiency and diabetes mellitus. Int Angiol J Int Union Angiol. 2017;36(1):90–1.
5. Singer AJ, Tassiopoulos A, Kirsner RS. Evaluation and Management of Lower-Extremity Ulcers. N Engl J Med. 2017;377(16):1559–67.
6. Rasmussen JC, Aldrich MB, Tan I-C et al. Lymphatic transport in patients with chronic venous insufficiency and venous leg ulcers following sequential pneumatic compression. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord. 2016;4(1):9–17.
7. Rabe E, Partsch H, Hafner J et al. Indications for medical compression stockings in venous and lymphatic disorders: An evidence-based consensus statement. Phlebology. 2018;33(3):163–84.
8. De Maeseneer MG, Kakkos SK, Aherne T et al. Editor's Choice - European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2022;63(2):184-267.
9. Compression Therapy in Diabetic Foot Ulcer Management: A Review of Clinical Effectiveness, Cost-effectiveness and Guidelines [Internet]. Ottawa (ON): Canadian Agency for Drugs and Technologies in Health; 2014 [cited 2021 Aug 4]. (CADTH Rapid Response Reports). Available from: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK253654/
Autoren
M. J. E. van Rijn1, G. Gastaldi2, F. Pannier3, K. Roztocil4, M. Lugli5, A. Mansilha6,, H. Haller7, E. Rabe3
1 Erasmus University Medical Center, Rotterdam, Niederlande; 2 Hirslanden Clinique des Grangettes, Genf, Schweiz; 3 Praxis für Dermatologie & Phlebologie, Bonn, Deutschland; 4 Institute for Clinical and Experimental Medicine (IKEM), Universität Prag, Tschechien; 5 Fleboxan Vein Clinic, Modena, Italien; 6 Department of Angiology and Vascular Surgery, São João University Hospital, Porto, Portugal; 7 Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, MMH, Hannover, Deutschland