Die wohl gravierendste Veränderung innerhalb der jungen Zielgruppe ist im Bereich der Lippenkorrekturen und bei Botulinumbehandlungen festzustellen. Botulinum rutscht von Platz 8 mit 5,3 % (2022) auf Platz 16 mit 2,3 % (2023). Die Lippenkorrekturen sind auf Platz 20 mit 2,0 % zu finden. Im Vorjahr lagen diese auf Platz 7 mit 5,9 %. „Das zeigt uns sehr klar, dass die Abwanderung zu den Beautyketten, vermeintlich günstigeren Anbietern und nicht fachärztlich geführten Praxen und Kliniken weiter steigt“, so die Schlussfolgerung von Prof. Detlev Hebebrand, Präsident der VDÄPC (Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen).
Intimchirurgie bei jungen Singles sehr beliebt
Besonders auffällig ist zudem die Intimchirurgie, die mit 7,8 % bei den Singles unter 30 Platz 5 belegt, was ein Indiz dafür sein kann, dass viele junge Single-Frauen sich in ihrer Sexualität beeinträchtigt fühlen, weil sie an einer angeborenen Fehlbildung leiden oder ihren Intimbereich als unzulänglich empfinden. Unter den Liierten unter 30-Jährigen ist die Intimchirurgie mit nur 2,1 % auf Platz 18 zu finden.
Altersdurchschnitt steigt kontinuierlich
Im Jahr 2023 ist der Verlauf der Altersstruktur im Großen und Ganzen nahezu identisch mit dem des vergangenen Jahres. Dennoch ist ein Anstieg in der Zielgruppe 61 bis 70 Jahre um 1,6 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Betrachtet man den Altersdurchschnitt im Verlauf der letzten 10 Jahre, so ist dieser um 3,7 Jahre angestiegen (Abb. 5).
Beeinflussung durch Social Media weiterhin stark ausgeprägt
Auch 2023 zeigt sich die starke Beeinflussung der jungen Zielgruppe durch die sozialen Medien. Aufgrund der veränderten Mediennutzung über die letzten Jahre ist davon auszugehen, dass sich die Beeinflussung sogar noch weiter steigert. Neben der Frage über die Beeinflussung ist eine weitere Zahl besonders auffällig. Mit 33,9 % geht mehr als ein Drittel der Befragten unter 30 davon aus, einen realistischen Eindruck von Risiken ästhetisch-plastischer Eingriffe über Ärzteprofile bei Social Media vermittelt zu bekommen.
Gesellschaften fordern Kennzeichnungspflicht für bearbeitete Bilder
Die Zahlen geben den drei großen Facharztgesellschaften Anlass, zu handeln. „Man muss schon viel früher damit beginnen, heranwachsende Jugendliche zu schützen. Das beginnt lange, bevor sie nach ihrer Volljährigkeit den Weg zum Beratungsgespräch finden“, mahnt Dr. Hilpert.
Die DGÄPC, die DGPRÄC (Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie) und die VDÄPC werden Anfang 2024 eine offizielle Petition an den deutschen Bundestag richten. Mit der Petition wird gefordert, in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht für digital bearbeitetes und KI-generiertes Bildmaterial gesetzlich zu regeln – ähnlich wie in Norwegen, Israel und Frankreich.
„Wir beobachten nun schon seit ein paar Jahren, wie gerade immer mehr junge Menschen mit teils absurden Vorstellungen zu ihrem Aussehen zu uns kommen. Deshalb haben wir uns entschlossen, gemeinsam an den Bundesstaat heranzutreten und eine gesetzliche Regelung zu erwirken“, so Prof. Hebebrand.
Die jährliche Patientenbefragung der DGÄPC
Die Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) ist eine der bundesweit größten repräsentativen Erhebungen der Interessen und Wünsche von Patientinnen und Patienten im Bereich ästhetisch-plastischer Behandlungen und Operationen, sowohl solche, denen eine medizinische Indikation zugrunde liegt, als auch solche, die rein ästhetischer Natur sind.
Bereits seit 15 Jahren führen die Mitglieder der DGÄPC diese Befragung unter ihren Patientinnen und Patienten durch. Der Zeitraum der Erhebung umfasst dabei jeweils ein Jahr.
Die komplette DGÄPC Statistik mit allen Zahlen finden Sie hier: https://www.dgaepc.de/aktuelles/dgaepc-statistik/dgaepc-statistik-2023/
Quelle: Franziska Bartel, DGÄPC.