Der Gedanke der Nachhaltigkeit und die Tendenz zu eigenregenerativen Ansätzen in der Ästhetik nimmt unter den heutigen aufgeklärten und selbstbestimmten Patientinnen und Patienten* einen immer höheren Stellenwert ein. Der Wunsch nach individualisierten, harmonischen Ergebnissen steht hierbei oft in starkem Kontrast zu medial propagierter Stereotypisierung.
* Zur besseren Lesbarkeit kann in Texten das generische Maskulinum verwendet werden. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.
Besonders hochvolumige, periodisch wiederholte Fillerbehandlungen über mehrere Jahre scheinen ein langjähriger, sicherlich medial banalisierter Trend zu sein, doch sie können im Langzeitverlauf klinisch zu dysmorphen, unbalancierten Ergebnissen führen.
Mehr und mehr Patientinnen und Patienten möchten sich von ihren Fillerdepots trennen, auf der Suche nach mehr Natürlichkeit und individueller Balance. Viele Betroffene möchten dies jedoch ohne einen kompletten Volumenverlust und ohne die damit einhergehenden weiteren ästhetischen Dysbalancen akzeptieren zu müssen. So werden Hyaluronfiller-Eigenfett-Konversionen zunehmend in meinem klinischen Alltag angefragt.
Ich selbst arbeite seit drei Jahren nur noch marginal mit artifiziellen Fillern und habe mich auf die Behandlungen mit Makro-, Mikro- und Nanofett in Kombination mit feinchirurgischen operativen und laserbasierten Behandlungskonzepten fokussiert.
Im Folgenden möchte ich dieses Konzept anhand einer meiner Patientinnen illustrieren. Sie hat sich über sechs Jahre bei mehreren Anwendern mehrfach Unterspritzungen mit Hyaluronprodukten verschiedener Hersteller unterzogen.
Im Verlauf haben sich hier Akkumulationen und Dysbalancen des Hautbilds, des Volumens und der gesamten Mimik ergeben, die ich durch ein mehrschrittiges Therapiekonzept aus enzymatischer und operativer Filler-Reduktion sowie operativer anatomischer Reposition der Oberlippe in Kombination mit Laser- und Eigenfett-basierter Geweberestitution behandelt habe.
Meiner Erfahrung nach sind hier gewisse Strukturen und Volumina allein durch den allseits bekannten Off-Label-Use von Hyaluronidase oft nicht vollständig von artifiziellen Hyalurondepots zu bereinigen. Zudem ergeben sich nach „high volume“-Fillergebrauch und dessen enzymatischer Auflösung oft starke und auch ungleichmäßige Volumenreduktionen, die einen „deflated look“, also einen eingefallenen Eindruck, produzieren (Abb. 3).
Nach initialer enzymatischer Fillerreduktion und mittels operativer Entfernung des restlichen Fillers und gleichzeitiger anatomischer Reposition der Oberlippe durch die Technik des Deep-Plane-Liplifts konnte bereits eine gewisse Restitution erreicht werden.
Dyschromien und oberflächliche strukturelle Zeichen der Hautalterung ging ich hierbei simultan an, mittels individuell konzeptionierten begleitenden Laser- und IPL-Behandlungen sowie mit entsprechend angepassten Hautpflegekonzepten.
Zur weiteren Revoluminisierung sowie zur langfristigen Verbesserung der Hautvitalität nutze ich Mikro- und Nanofett, welches nachweislich nicht nur dezente revoluminisierende Effekte schaffen soll, sondern durch u. a. Fett-Stammzell-Aktivität wissenschaftlich erwiesene Effekte auf die langfristige Hautverjüngung hat.
Dies ist meiner klinischen Erfahrung der letzten drei Jahre nach – in Kombination mit fraktioniert ablativen Verfahren – ein absoluter „Gamechanger“ in den klinischen Resultaten, besonders im Langzeit Follow-up.
Fraktionierte ablative Verfahren kombiniere ich hierbei mittlerweile standardisiert mit der Laser-assisted Drug Delivery von Platelet-rich Plasma (PRP), wie in diesem Beispiel (Abb. 6), sowie mit weiteren topisch laserassistiert applizierten Stoffen wie Botulinumtoxin A, Tranexamsäure und SVF (stromal vascular fraction).
Hierbei geht es um mehrschrittige Kombinationsbehandlungen. Diese werden im Rahmen erster Beratungsgespräche detailliert geplant und ziehen sich dann über Behandlungszeiträume von 3 bis 6 Monaten hin.
Ergebnisse von Mikrofett-Transfers werte ich hier ab einem Zeitraum von 3 Monaten als stabil. Bei allgemein sehr guten Einheilungsraten führe ich etwaige Zweittransfers zur weiteren Feindefinition und Konturierung je nach Ansprechen frühestens 2 Monate nach dem Ersttransfer durch.
Vorzügliche Donorregionen (für die wie hier durch Liposuktion nach Coleman gewonnenen Fettmengen) sind Oberschenkel-Außenseiten und die Unterpofalte. Diese haben sich in meinem klinischen Alltag auch bei sehr schlanken Patientinnen als zuverlässige Fatharvesting-Zones erwiesen.
Hier lassen sich durch gezieltes Absaugen minimaler Mengen (60 bis100 ml) meist zusätzliche dezente Kontureffekte erzielen. Diese sind – je nach Patientenwunsch und lokaler Physiognomie – jedoch durchaus auch ohne nennenswerte Konturierungseffekte durchführbar, als sehr effektive reine Fatharvestings.
Aufbereitung und Injektion
Durch mechanische Mikrofiltration und Zentrifugation wird aus dem abgesaugten Fett Mikro-, Nano- und SVF prozessiert. Dieses verwende ich je nach Entität zum Transfer mittels stumpfer Kanüle (subkutane und periosteale Anwendung) oder zu scharfer intradermaler Injektion (sogenannte SNIF-Technik).
Fazit
Die Effekte von Synergien aus Laser und Mikro- und Nanofett-Transfer zur Hautverjüngung und Revoluminisierung zeigen sich voll ausgereift im Verlauf nach etwa 3 bis 6 Monaten.
Dies hat sich als langfristige, harmonisierende Lösung für viele Patientinnen und Patienten erwiesen.
Interessenkonflikte und Mitgliedschaften
Sprecherin der Komission Laser & Energy Based Devices, DGPRÄC e.V. (Deutsche Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie). – Key Opinion Leader: Alma Lasers Deutschland, Alma Lasers Int. (bis Januar 2023); Mentor: Expert Council Member Europe, Johnson & Johnson
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in: Hoffmann A (2022) Rebalancing the overfilled face. Plastische Chirurgie 22:176-179. Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Dr. R. Kaden Verlags, Mannheim.
Korrespondenzadresse
Dr. med. (Univ. Semmelweis) Alexia Hoffmann Dr. med. (Univ. Semmelweis) Hoffmann & Dr. Mohamed Cheikh-Alfraj Praxis für plastische Chirurgie, moderne Lasermedizin und regenerative Ästhetik Hohenzolllerndamm 28 A, 10173 Berlin E-Mail: plastischechirurgiehoffmann(ett)gmail.com www.alexiahoffmann.de SocialMedia: @dr.alexiahoffmann @lipsbalance @laserleidenschaft
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