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Dermatologie, Medizin Dermatologie Dermatologie, HAUT
HAUT 1/23

Calciumhydroxylapatit als Langzeitfiller

Calciumhydroxylapatit (CaHa) hat sich neben Hyaluronsäure und Poly-L-Milchsäure als Filler zur Behandlung von Alterselastose und Volumenverlust etabliert. Es eignet sich zur Volumenaugmentation im Bereich von Wangen, Kinn und Handrücken sowie zur Behandlung moderater und stark ausgeprägter Gesichtsfalten wie Naso­labial- und Marionettenfalten, aber auch auch in verdünnter Form zur Verjüngung der Dermis. Der Wirkmechanismus umfasst einen Soforteffekt durch die Gel-Matrix und einen langanhaltenden Effekt durch den CaHA-induzierten Kollegenaufbau.


14.02.2023
M. Montanari
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Zitierweise: HAUT 2023;34(1):32-33.

Calciumhydroxylapatit: Unterschiede zu anderen bio­synthetischen Fillern

Calciumhydroxylapatit ist eine synthetisch hergestellte mineralische Substanz. Sie setzt sich aus Calcium- und Phosphationen zusammen, die auch natürlicherweise im Körper vorkommen. Die winzigen Mikrosphären, die sich in einem Trägergel befinden, bewirken in der Haut eine Aktivierung der Fibroblasten, welche dazu angeregt werden, neues Kollagen und Elastin zu produzieren. Das Trägergel und die Mikrosphären werden dabei vom Körper nach und nach wieder abgebaut. Das neu gebildete Kollagen und Elastin halten allerdings deutlich länger vor und sind lediglich der normalen Hautalterung unterworfen. Dadurch sind die Ergebnisse sehr viel nachhaltiger als die mit Hyaluronsäure-Fillern (6 bis 12 Monate nach Erstinjektion), da der Körper keine speziellen Enzyme zum Abbau (wie für die Hyaluronsäure) bereithält. Calciumhydroxylapatit wird seit über 20 Jahren in verschieden Körpergeweben eingesetzt. 2004 erfolgte die offizielle Zulassung in der EU und 2006 in den USA durch die FDA. Es ist verfügbar mit oder ohne Zusatz von Lidocain.

Calciumhydroxylapatit in Reinform und verdünnt: Einsatzgebiete und Unterschiede

In unverdünnter Form ist Calciumhydroxyl­apatit besonders geeignet für den genetisch oder alterungsbedingten Volumenverlust an Jochbein, Wangen, Kinn und Augenbrauen, außerdem für das Auffüllen von tiefen Falten wie Nasolabial- und Marionetten­falten. Aber auch die Wiederherstellung von Gesichts- und Körperkonturen (Unter­kiefer, Kinn, Defekte des Nasenrückens) sowie eine Behandlung des Handrückens sind mit CaHa möglich.

Je nach behandelter Region können die Injektionen mit traumatischer oder atraumatischer Kanüle streng supraperiostal oder tief dermal injiziert werden. Das CaHA kann zum Teil als Depot gesetzt werden, muss dann aber durch manuelle Massage verteilt werden. In unverdünnter Form ist eine einmalige Behandlung ausreichend. Die Haltbarkeit wird vom Hersteller mit 12 bis18 Monaten angegeben, was sich in der Praxis bestätigen lässt.

In verdünnter (1:1) oder auch stark verdünnter Form (1:2 oder 1:3) kann CaHa für die Kollagensynthese zur Verbesserung der Hautqualität eingesetzt werden1-4. Zur Verdünnung sind NaCl oder ein Lokal­anästhetikum geeignet.

Wird CaHa großflächig in die Dermis injiziert, profitieren die Behandelten von gleich zwei Effekten: Aufgrund des Trägergels entsteht ein sofort sichtbarer Effekt mit mehr Fülle und durch die Aktivierung der Fibroblasten und der damit einhergehenden Kollagensynthese stellt sich ein Langzeit­effekt ein. Der verdünnte Filler wird mittels atraumatischer Kanüle großflächig injiziert, meist subdermal retrograd. Dort entfaltet der Filler dann seine Langzeitwirkung: Das Bindegewebe wird dauerhaft stabilisiert und sichtbar unterfüttert, die Haut wird besser durchfeuchtet – gerade an zu Pergamenthaut neigenden Hautpartien wie Oberarm­innenseiten, Oberschenkelvorderseiten, am Bauch, an den Knien, den Oberschenkeln, am Hals, auf dem Dekolleté und an den Händen.

Je nach Stärke des Verdünnungsgrades sind für ein besonders langanhaltendes Ergebnis zwei bis drei Behandlungen im Abstand von je einem Monat angeraten.

Es ist zu beachten, dass CaHa derzeit zur Behandlung von Hals und Dekolleté sowie zur Verbesserung der Hautqualität noch nicht zugelassen ist und damit einen Off-label-Use darstellt. Die Zulassung dazu wird allerdings erwartet.

Bereits 2018 und 2019 sind allerdings Konsensusempfehlungen von internati­onalen Expertenkomitees für die Anwendung von verdünntem CaHa zur Haut­straffung und Verbesserung der Haut­qualität publiziert worden5,6.

Wirkung und Risiken

Durch die angeregte Kollagensynthese zählt Calciumhydroxylapatit zu den nachhaltigsten Fillern bei der Therapie der Alters­elastose. Abhängig von der natürlichen Hautalterung halten die Ergebnisse bei der unverdünnten Injektion bis zu zwei Jahre an und in verdünnter Form – abhängig von der Injektionshäufigkeit – zwei Jahre und sogar länger.

Da es sich hierbei um eine Injektions­therapie handelt, sind vorrübergehende Nebenwirkungen wie kleine Hämatome, moderater Druckschmerz und leichte Schwellungen möglich. 

Schwerwiegende Risiken wie Gefäß­verschlüsse und Nekrosen sind bei sachgerechter Injektion mit vorhergehender Aspiration vermeidbar. Hier ist besondere Vorsicht durch die Behandler geboten, da CaHa nicht – wie die Hyaluronsäure mit Hyaluronidase – wieder aufgelöst werden kann. Deshalb gehört dieser Filler stets in gut geschulte Hände.

Fazit

Wie bei allen Füllsubstanzen können nach der Injektion von CaHa Nebenwirkungen auftreten. Daher ist eine sorgfältig geplante Behandlung mit geeigneten Behandlungsarealen und passender Injektionstechnik wichtig, um die Risiken zu minimieren. Die Anwendung von CaHa in der Glabellafalte (Lippen und Nase) ist kontraindiziert.

Die Sicherheit und Verträglichkeit von CaHa konnte in zahlreichen klinischen Studien gezeigt werden.

Die Injektion von verdünntem CaHa stimuliert die Kollagenneogenese entsprechend dem Remodelling der Extrazellulärmatrix. Sie führt zu einer signifikanten Zunahme der Elastin-Expression und ist assoziiert mit einer Dickenzunahme der Dermis und einer Verbesserung der mechanischen Eigenschaften der Haut, z. B. der Elastizität. Zudem wird die Neoangiogenese gefördert, als Zeichen einer verbesserten Durchblutung und Nährstoffversorgung im Behandlungsareal.

Interessenkonflikt

Die Autorin gibt an, dass keine Interessenkonflikte bestehen und dass sie für diesen Beitrag keine finanzielle Unterstützung von Firmen erhalten hat.

Literatur

1. Silvers SL et al. Plast Reconstr Surg. 2006;118(3):34-45. 
2. Yutskovskaya Y et al. J Drugs Dermatol. 2014 Sep;13(9):1047-52.
3. Courderot-Masuyer C et al. J Cosmet Dermatol. 2016 Sep;15(3):260-8. 
4. Yutskovskaya YA, Kogan EA. J Drugs Dermatol. 2017 Jan;16(1):68-74. 
5. Goldie K. et al. Dermatol Surg 2018;44 Suppl 1:S32-s41.
6. de Almeida et al. Plast Reconstr Surg Glob Open 2019;7:e2160

Korrespondenzadresse

Dr. med. Michaela Montanari
Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Fachärztin für Chirurgie
Privatpraxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Humboldtstr. 70, 44787 Bochum
E-Mail: praxis(ett)dr-montanari.de