Zitierweise: HAUT 2022;33(5):289-290.
Ungewöhnlich deswegen, weil der Marktplatz der wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht altruistisch geprägt ist, sondern ein Oligopol aus wenigen wissenschaftlichen Verlagen. Teilweise mit absurden Preisen wie 25 Euro für die 48-Stunden-Nutzung eines Artikels in PDF-Form. Doch Corona brachte mit sich, dass wissenschaftliche Verlage ihre Artikel zum Lesen freigaben, ohne dass hierfür Geld gezahlt werden musste. Ihr Ziel: Forschungsergebnisse zur Pandemie schnell und unkompliziert zur Verfügung zu stellen. Eine enorme Menge an wissenschaftlichem Wissen war auf einmal für alle mit einem Internetanschluss frei verfügbar.
Mittlerweile sind fast alle Corona-Schutzmaßnahmen wieder abgeräumt und auch die Bezahlschranken der Verlage wieder hochgefahren. Ab jetzt gilt wieder: Nur wer es sich leisten kann und will, der darf auch wissenschaftliche Artikel lesen. Da ist es verständlich, dass selbst Ärzte, besonders wenn sie nicht im wissenschaftlichen Umfeld tätig sind, sich nicht jeden neuen Artikel zu einem Thema anschauen. Dabei gibt es ein Publikationsmodell, das jedem den Zugriff auf wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglicht und das immer häufiger genutzt wird: Open Access (offener Zugang).
Freier, kostenloser Zugang zu Publikationen
Open Access meint, der sogenannten Budapester Erklärung von 2002 folgend, dass derartige Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können – ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internetzugang selbst verbunden sind. Oder verkürzt gesagt: Open Access meint den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet für jeden.
Die beiden wichtigsten Publikationswege bei Open Access werden auch als goldener und als grüner Weg bezeichnet: die Erstveröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit und die Zweitveröffentlichung, beispielsweise in Repositorien. Mit blau, gelb, grau, weiß und neuerdings auch Platin/ Diamant gibt es mittlerweile einen ganzen Regenbogen an weiteren Open-Access-Modellen. Da diese Farbpalette vor allem für die Nachverwertung von Artikeln interessant ist, nicht aber für das reine Lesen, wird sie an dieser Stelle auch nicht weiter behandelt. Auch soll nur kurz angerissen werden, dass es natürlich auch in den Zeiten von Open Access nicht ohne Geld geht: Nur fließt dies eben nicht mehr von den Lesern zu den Verlagen, sondern von den Autoren zu den Verlagen.
In der Folge sind neben der klassischen Fachzeitschrift, bei der man für jeden Artikel zahlen muss, besonders zwei Journal-Modelle entstanden:
- Open-Access-Journals: Zeitschriften, die alle Artikel mit Open Access veröffentlichen. Der Zugriff ist allgemein frei.
- Hybrid-Journals: Zeitschriften, die ihre Artikel in der Regel nicht mit Open Access zur Verfügung stellen. Jedoch können die Autoren entscheiden, ihren Artikel gegen eine zusätzliche Gebühr mit Open Access zu veröffentlichen. Nur der Zugriff auf diese Artikel ist dann allgemein frei.
Die Übersicht darüber zu behalten, ist nicht einfach und erfordert selbst in einigen dermatologischen Forschungsinstituten mit jährlich vielen Veröffentlichungen mitunter eine eigene Publikationsverwaltung.