Frailty-Syndrom: Welche Ernährung hilft bei Altersgebrechlichkeit?
Gebrechlichkeit – medizinisch als Frailty bezeichnet – ist keine isolierte Erkrankung des Alters, sondern ein multifaktorielles Syndrom. Prof. Hans Georg Classen, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) rät, dass bei betroffenen Senioren auch auf den Status der Nährstoffe Vitamin B12 und D3 geachtet werden sollte.
In dem multifaktoriellen Therapieansatz des Frailty-Syndroms sollten nicht nur Beweglichkeit, Koordination, Muskel- und Körperkraft der Patientinnen und Patienten verbessert und ursächliche Alterskrankheiten behandelt werden. Auch die Aspekte Ernährung und Versorgung mit essenziellen Biofaktoren wie Vitaminen und Mineralstoffen sind zu berücksichtigen, wie die aktuelle Studienlage zeigt.
Die Prävalenz von Frailty bei älteren Menschen, die unterernährt sind, ist überproportional hoch. Mangelernährung und eine Unterversorgung mit essenziellen Biofaktoren – in geriatrischen Bevölkerungsgruppen beides weit verbreitet – gelten als wichtige Risikofaktoren für das Auftreten von Altersgebrechlichkeit. Unterernährte Patientinnen und Patienten sind laut Untersuchungen bis zu achtmal häufiger gebrechlich im Vergleich zu gut ernährten Patientinnen und Patienten.
Signifikante Unterschiede zwischen mangelernährten und gut ernährten Personen wurden vor allem im Hinblick auf die Aufnahme von Protein, den Vitaminen B12, D3, C und Folsäure sowie Magnesium und Kalium gefunden., Auch andere Untersuchungen konnten zeigen, dass eine geringere Aufnahme von Biofaktoren mit einem höheren Risiko für Gebrechlichkeit verbunden ist., Ein guter Ernährungszustand und der Ausgleich von Mangelzuständen sind daher sicherzustellen, um einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Altersgebrechlichkeit vorzubeugen, so die Kernaussagen verschiedener Studien.
Biofaktorenmangel vermeiden
„Vitamin D3, Vitamin E und Carotinoide könnten bei der Entstehung der Altersgebrechlichkeit von Bedeutung sein“, betont das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Menschen mit Frailty-Syndrom hätten zu wenig dieser Biofaktoren im Blut – so das Ergebnis der internationalen Forschungsinitiative FRAILOMIC an knapp 1.500 Probanden zwischen 65 und 104 Jahren zur Vorhersagbarkeit und Therapie des Frailty-Syndroms.,
Im Einzelnen konnten ein höherer Obst- und Gemüsekonsum und die Bevorzugung einer mediterranen Kost das Frailty-Risiko vermindern. Zudem war ein suboptimaler Status von Carotinoiden und den Vitaminen A und E mit einer höheren Prävalenz und einem höheren Risiko für Gebrechlichkeit verbunden. Auffällig war auch die Korrelation zwischen Vitamin-D3-Defizit und Schwäche, reduzierter Muskelmasse sowie verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit, was ebenfalls zu einer höheren Prävalenz und Inzidenz von Frailty führte.
Dass ein niedriger Vitamin-D3-Spiegel signifikant mit einem erhöhten Risiko für Altersgebrechlichkeit verbunden ist, konnte auch bereits in früheren Studien – teils in Meta-Analysen – dokumentiert werden. In diesem Zusammenhang gibt es Hinweise, dass der Biofaktor Vitamin D3 neben seinen endokrinen Wirkungen auf die Muskelfunktion auch direkt über den Vitamin-D-Rezeptor auf die Skelettmuskulatur einwirken, zu einer normalen Muskelstruktur und zu einem normalen Muskelstoffwechsel beitragen kann.
Nicht zuletzt ist bei Risikopatientinnen und -patienten auf den Vitamin-B12-Status zu achten. Laut Ergebnissen verschiedener Studien kann ein Vitamin-B12-Mangel mit Sarkopenie, kognitiven und muskuloskelettalen Störungen, neurologischen oder psychiatrischen Symptomen zusammenhängen, die eng mit der Altersgebrechlichkeit verbunden sind.
1 Artaza-Artabe I et al.: The relationship between nutrition and frailty: Effects of protein intake, nutritional supplementation, vitamin D and exercise on muscle metabolism in the elderly. A systematic review. Maturitas 2016 Nov; 93: 89-99
2 Moradell A et al.: Functional Frailty, Dietary Intake, and Risk of Malnutrition. Are Nutrients Involved in Muscle Synthesis the Key for Frailty Prevention? Nutrients 2021; 13(4): 1231
3 Soh Y et al.: Association between frailty and vitamin B12 in the older Korean population. Medicine (Baltimore) 2020 Oct 23; 99(43): e22327
4 Fletcher J: Low intake of vitamins B6, C, E and folate from dietary sources may lead to a higher risk of developing frailty in older adults. Evid Based Nurs 2019 Jul; 22(3): 88
5 Balboa-Castillo T et al.: Low vitamin intake is associated with risk of frailty in older adults. Age Ageing 2018 Nov 1; 47(6): 872-879
6 Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). (2019, Oktober). Obst und Gemüse gegen Altersgebrechlichkeit.
7 Kochlik B et al.: Associations of fat-soluble micronutrients and redox biomarkers with frailty status in the FRAILOMIC initiative. J Cachexia Sarcopenia Muscle 2019 Dec; 10(6): 1339-1346
8 Zhou J et al.: Association of vitamin D deficiency and frailty: A systematic review and meta-analysis. Maturitas 2016 Dec; 94: 70-76
9 Molina P et al.: Vitamin D, a modulator of musculoskeletal health in chronic kidney disease. J Cachexia Sarcopenia Muscle 2017 Oct; 8(5): 686-701
10 Pyrgioti E et al.: B12 levels and frailty syndrome. J Frailty Sarcopenia Falls 2022 Mar 1; 7(1): 32-37
Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern. Zusätzliche Informationen, auch zur Labordiagnostik und weiteren Einsatzgebieten von Biofaktoren finden Sie unter www.gf-biofaktoren.de.