In 6 Schritten, die Wirtschaftlichkeit der Praxis ermitteln
Wo steht Ihre Praxis wirtschaftlich? Für eine Standortbestimmung der eigenen Praxis ist eine aussagekräftige Betriebswirtschaftliche Auswertung eine wichtige Informationsquelle. Aber erst mit den Praxisvergleichszahlen für die jeweilige Fachgruppe gibt sie Aufschluss darüber, ob die Praxis wirtschaftlich gesund ist.
19.05.2023
Teilen auf:
drucken
Gefällt mir
merken
Eine aussagekräftige Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) ist Grundvoraussetzung für jegliche Analysen der Wirtschaftlichkeit. Sie sollte die Einnahmen und Ausgaben der Praxis nach arztspezifischen Kriterien differenziert ausweisen.
1. Mehrjahres- und Vorjahresvergleich
Für eine Standortbestimmung der Praxis sollten die Zahlen mindestens einmal jährlich über einen Zeitraum der letzten fünf bis sechs Jahre betrachtet werden. Die Vergleichszahlen geben Aufschluss darüber, wie sich Umsatz, Kosten und Gewinn grundsätzlich und im Verhältnis zueinander entwickelt haben.
Mindestens zweimal im Jahr sollte ein vertiefender Vergleich mit den Vorjahreszahlen erfolgen. Für diesen Teil des internen Praxisvergleichs ist eine möglichst arztspezifisch aufgeschlüsselte Ausgabenseite ebenso wichtig. Daraus sollte ersichtlich sein, wie sich die einzelnen Posten zusammensetzen, z. B. die Personalkostenquote.
2. Externer Preisvergleich
Der Vergleich mit der Fachgruppe ist ein weiteres wichtiges Instrument, um die Stärken und Schwächen der eigenen Praxis erkennen zu können. Bei diesem Vergleich werden alle einzelnen Ausgabenpositionen (in % vom Umsatz) mit denen der Fachgruppe verglichen. Damit lässt sich leicht erkennen, ob die Ausgaben für einzelne Positionen normal sind, oder aber ob sie deutlich höher liegen (z. B. bei der Miete). Wenn die Ausgaben deutlich höher liegen als beim Fachgruppendurchschnitt, dann muss überlegt werden warum und wie gegengesteuert werden kann.
Einnahmen- und Ausgabenstruktur 2021
Die vorliegenden Fachgruppenvergleichszahlen beziehen sich auf das vollständige Kalenderjahr 2021 (s. Tab 1 und 2.). Als Grundlage dienen die insgesamt erwirtschafteten Praxiseinnahmen (Praxisumsatz = 100 %), zu denen die einzelnen Einnahmen- und Ausgabenpositionen prozentual ausgewiesen werden. Nach wie vor sind deutliche Unterschiede, insbesondere bei der Einnahmenstruktur, zwischen den Ost- und West-Bundesländern erkennbar, weshalb die Zahlen weiterhin getrennt erfasst und ausgewiesen werden.
Die erste wichtige Information aus der BWA ist, wie sich die Einnahmen (= Praxisumsatz) der Praxis zusammensetzen. Wie hoch ist z. B. der Kassenanteil und wie der Privatanteil am Gesamtumsatz der Praxis? Bestenfalls sollte nachvollziehbar sein, wie sich die Zahlungen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aus Abschlägen und Restzahlungen* zusammensetzen. Bei sehr niedrigen Abschlägen und hohen Restzahlungen kann es aufgrund des verzögerten Zahlungszuflusses von der KV schon bei leicht schwankendem Praxisumsatz zu starken Verschiebungen im Betriebsergebnis kommen – was die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation erschwert. — *zwei Restzahlungen fließen immer erst im Folgejahr zu
4. Umsatzrendite
Setzt man den Praxisgewinn ins Verhältnis zu den Praxiseinnahmen, erhält man die Umsatzrendite. Für 2021 liegt die Umsatzrendite in den allgemeinmedizinischen Praxen West bei 52,5 % ist also abermals im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und zwar mit 1,0 % deutlich stärker als in den Praxen Ost, in denen die Umsatzrendite zwar auch gesunken ist, aber lediglich um 0,1 % auf 60,9 % (s. Tab. 1).
Gleichzeitig sind die Umsätze der Ost-Praxen in absoluten Zahlen gestiegen und liegen nun annähernd auf gleichem Niveau mit den West-Praxen. Mit der um 8,4 % höheren Umsatzrendite bedeutet dies, dass der durchschnittliche Gewinn in den Ost-Praxen nunmehr höher liegt als in den Praxen West.
Wichtig: Mit der absoluten Zahl des Gewinns allein, kann keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit der Hausarztpraxis gemacht werden kann. Ein Gewinn von 185.000 € pro Jahr kann für eine Praxis gut oder schlecht sein – je nachdem, wieviel Umsatz sie erwirtschaftet. Liegt der Umsatz beispielsweise bei 450.000 €, dann beträgt der Gewinn gerade einmal 41 %. Das wäre für eine allgemeinmedizinische Praxis ein schlechtes Ergebnis und die Kostenstruktur dieser Praxis müsste dringend untersucht werden. Beträgt der Umsatz dieser Praxis jedoch 300.000 €, wäre die Praxis als betriebswirtschaftlich gesund zu bezeichnen, denn der Gewinnanteil bzw. die Umsatzrendite läge bei fast 62 %. Ein Ergebnis, das sogar noch besser ist als der Durchschnitt innerhalb der Fachgruppe.
5. Kostenquote
Die Kostenquote ist der Anteil der gesamten Praxisausgaben an den Praxiseinnahmen. In den allgemeinmedizinischen Praxen im Osten liegt die Kostenquote mit 39,1 % um 8,4 % niedriger als in den Praxen West mit 47,5 % (s. Tab. 1). Diese Differenz resultiert in erster Linie aus der unterschiedlich hohen Personalkostenquote (Differenz 4,7 %), sowie aus höheren Raumkosten (Differenz 1,6 %) und einem höheren Anteil der Kosten für Praxis- und Laborbedarf (Differenz 1,0 %).
Bei der Personalkostenquote ist zu beachten, dass auch die Gehälter von angestellten Ärztinnen und Ärzten zu den Personalkosten zählen. Weil immer mehr Praxen Ärztinnen und Ärzte anstellen, wurden die Daten für 2021 dahingehend erstmals differenziert erfasst und ausgewertet. Dabei konnte festgestellt werden, dass in den West-Praxen deutlich mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte tätig sind als in den Praxen Ost. Während der Anteil der Personalkosten für angestellte Ärztinnen und Ärzte in den Ost-Praxen 4,2 % der gesamten Personalkosten ausmacht, beträgt dieser Anteil in den West-Praxen 11,9 %. Dies dürfte wesentlich zu der hohen Abweichung bei der Personalkostenquote zwischen West und Ost beitragen.
Ebenfalls größere Abweichungen sind bei den Raumkosten der allgemeinmedizinischen Praxen erkennbar, die in den West-Praxen um 1,6 % höher liegen als in den Ost-Praxen. Bei den internistischen Praxen liegen die Raumkosten in den Praxen West niedriger, dagegen weichen die Kosten für Praxis- und Laborbedarf mit 4,2 % erheblich von denen der Ost-Praxen mit 1,5 % ab.
6. Welche Besonderheiten treffen auf Ihre Praxis zu?
Bei den Fachgruppenzahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Das heißt: Beim Vergleich der eigenen Zahlen mit denen der Fachgruppe müssen etwaige Praxisbesonderheiten berücksichtigt werden, die größere Abweichungen vom Durchschnitt erklären können. Wenn jedoch keine Besonderheiten vorliegen, müssen größere Abweichungen analysiert werden, um Fehlentwicklungen entgegenzusteuern.
Fazit
Vergleichen Sie Ihre eigenen Zahlen mit den Zahlen Ihrer Fachgruppe. Vermutlich werden sich daraus zunächst viele Fragen ergeben. Vielleicht benötigen Sie auch sachkundige betriebswirtschaftliche Unterstützung, um einzelne Zahlen richtig interpretieren zu können. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre BWA nicht ungelesen beiseitelegen. Denn nur wenn Sie wissen, wo Sie stehen, können Sie auch die Weichen für die Zukunft stellen.
Wir erheben und verarbeiten Ihre Daten auf dieser Website, um besser zu verstehen, wie sie verwendet wird. Wir holen hierfür immer Ihre Einwilligung ein. Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen hier ändern.
Sie haben noch kein Benutzerkonto?
Jetzt kostenlos registrieren und von Ihrem Mitgliedsstatus profitieren: