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Urologie: Praxisvergleich 2018

Wo steht Ihre Praxis wirtschaftlich?

Für eine Standortbestimmung der eigenen Praxis ist eine aussagekräftige Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) eine wichtige Informationsquelle. Aber erst mit den Praxisvergleichszahlen für die jeweilige Fachgruppe gibt eine BWA Aufschluss darüber, ob die Praxis im Einnahme- und Ausgabenbereich Auffälligkeiten gegenüber der entsprechenden Fachgruppe aufweist. 


23.01.2020
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Eine aussagekräftige BWA ist die Grundvoraussetzung für jegliche Analysen. Die BWA sollte die Einnahmen und Ausgaben der Praxis nach arztspezifischen Kriterien differenziert ausweisen.

Praxisumsatz

Die erste wichtige Information ist, wie sich die Einnahmen (= Praxisumsatz) der Praxis zusammensetzen:

  • Wie hoch ist der Kassenanteil am Gesamtumsatz der Praxis und wie hoch der Privatanteil?
  • Gibt es weitere Praxiseinnahmen aus Gutachten, IGeL, von der Berufsgenossenschaft etc.?
  • Welchen Anteil haben die sonstigen Einnahmen am Gesamtumsatz?

KV-Honorare aufschlüsseln

Bestenfalls sollte auch erkennbar und nachvollziehbar sein, wie sich die Zahlungen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aus Abschlägen und Restzahlungen zusammensetzen. Bei sehr niedrigen Abschlägen und hohen Restzahlungen kann es aufgrund des verzögerten Zahlungszuflusses von der KV* schon bei leicht schwankendem Praxisumsatz zu starken Verschiebungen im Betriebsergebnis kommen – was die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation erschwert.

*zwei Restzahlungen fließen immer erst im Folgejahr zu

Mehrjahresvergleich

Daher sollten für eine Standortbestimmung der eigenen Praxis zunächst immer mehrere Jahre betrachtet werden. Auch können Erkenntnisse gewonnen werden, wie sich die KV- und Privateinnahmen insgesamt und im Verhältnis zueinander entwickelt haben.

Der Mehrjahresvergleich ist ein wichtiges Instrument zur Kontrolle der wirtschaftlichen Entwicklung der Praxis. Er ist Teil des internen Praxisvergleichs, der mindestens einmal jährlich erfolgen sollte.

Vergleich mit den Vorjahreszahlen

Regelmäßig, mindestens jedoch zweimal im Jahr sollte auf Basis der BWA per Juni und Dezember ein vertiefender Vergleich mit den Vorjahreszahlen erfolgen. Für diesen Teil des internen Praxisvergleichs ist es ebenso wichtig, in der BWA eine detaillierte und möglichst arztspezifisch aufgeschlüsselte Ausgabenseite vorzufinden.

Wie haben sich die Personalkosten zusammengesetzt?

Aus der Ausgabenseite sollten beispielsweise nicht nur die Personalkosten in einer Summe hervorgehen, sondern auch, wie sich die Personalkosten zusammensetzen. Denn auch die Kosten eines angestellten Arztes oder die Kosten für einen Praxisvertreter verbergen sich hinter dieser Position. Um die Personalkostenquote (= Anteil der Personalkosten am Gesamtumsatz) der eigenen Praxis ermitteln zu können, müssen die Kosten um diese Positionen bereinigt

Sind außerordentliche Kosten angefallen?

Wenn ja, werden sie das Ergebnis des laufenden Jahres verschlechtern, sind aber für die Beurteilung der regelmäßigen Kostenquote (= Anteil der Praxisausgaben am Gesamtumsatz) gesondert zu betrachten.

Auch muss hinterfragt werden, ob im Vergleichszeitraum außerordentliche Kosten entstanden sind, die ebenfalls bereinigt werden müssen, zum Beispiel:

  • Sind die Praxisräume renoviert worden? Sind größere Reparaturen angefallen?
  • Sind einmalige Kosten für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur entstanden, die nicht von der Pauschale abgedeckt worden sind?
  • Sind einmalige Kosten für die Einrichtung einer neuen Webseite entstanden?

Aussagen über Wirtschaftlichkeit treffen

Warum  ist beim Praxisvergleich die Betrachtung der prozentualen Werte so wichtig? Weil mit der absoluten Zahl des Gewinns keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit einer Praxis gemacht werden kann. Ein Gewinn von 200.000 € pro Jahr kann für eine Praxis gut oder schlecht sein - je nachdem, wieviel Umsatz diese Praxis erwirtschaftet. Liegt der Umsatz zum Beispiel bei 500.000 €, dann beträgt der Gewinn gerade einmal 40 %.

Das wäre für eine urologische Praxis ein schlechtes Ergebnis und die Kostenstruktur dieser Praxis müsste dringend untersucht werden. Beträgt der Umsatz dieser Praxis jedoch 350.000 €, wäre die Praxis betriebswirtschaftlich als gesund zu bezeichnen, denn der Gewinnanteil – auch Umsatzrendite genannt – läge über 57 %. Ein Ergebnis, das sogar noch besser ist als der Durchschnitt innerhalb der Fachgruppe. 

Externer Praxisvergleich

Der Vergleich mit der Fachgruppe ist ein weiteres wichtiges Instrument, um die Stärken und Schwächen der eigenen Praxis erkennen zu können. Bei diesem externen Preisvergleich werden alle einzelnen Ausgabenpositionen (immer in % vom Umsatz) mit denen der Fachgruppe verglichen. Damit lässt sich leicht erkennen, ob die Ausgaben für einzelne Positionen normal sind, also dem Fachgruppendurchschnitt entsprechen, oder aber ob sie deutlich höher liegen.

Zum Beispiel:

  • Sind die Personalkosten der eigenen Praxis zu hoch oder liegen sie noch im Rahmen des Fachgruppendurchschnitts?
  • Ist die Miete gemessen am Umsatz zu hoch – respektive sind die Räumlichkeiten gegebenenfalls überdimensioniert?
  • Sind die Ausgaben für Praxis- und Laborbedarf, für Geräte- und Einrichtungskosten, für Versicherungen und Verwaltungskosten etc. normal?

Wenn die Ausgaben deutlich höher liegen als beim Fachgruppendurchschnitt, dann muss überlegt werden warum und ob und wenn ja, was dagegen unternommen werden kann.

Einnahmen- und Ausgaben­struktur für die Urologie 2018

Die aktuell vorliegenden Fachgruppenvergleichszahlen beziehen sich auf das letzte vollständige Kalenderjahr 2018. Als Grundlage dienen die insgesamt erwirtschafteten Praxiseinnahmen (Praxisumsatz = 100 %), zu denen die einzelnen Einnahmen- und Ausgabenpositionen prozentual ausgewiesen werden (siehe Tab. 1).

Unterschiede zwischen Ost und West

Nach wie vor sind deutliche Unterschiede – insbesondere bei der Einnahmenstruktur – zwischen den Ost- und West-Bundesländern erkennbar, weshalb die Zahlen weiterhin getrennt erfasst und ausgewiesen werden. So liegt bei fast allen Fachgruppen der Anteil der KV-Honorare an den Gesamteinnahmen in den Ost-Praxen deutlich höher als in den West-Praxen, was bedeutet, dass der Anteil der Privatpatienten und/oder IGeL-Leistungen in den Ost-Bundesländern noch immer sehr viel niedriger liegt als in den West-Bundesländern. So beträgt bei den urologischen Praxen West der Anteil des KV-Umsatzes 55,9 % des Gesamtumsatzes, dagegen liegt dieser Anteil in den Praxen Ost bei 77,5 %.

Umsatzrendite

Setzt man den Praxisgewinn ins Verhältnis zu den Praxiseinnahmen, erhält man die sogenannte Umsatzrendite. Diese Kennziffer zeigt auf, wieviel Gewinn von 100 € Einnahmen nach Abzug der Praxisausgaben übrigbleibt. Für 2018 liegt dieser Anteil in den Praxen der West-Bundesländer bei 49,2 %, in den Praxen der Ost-Bundesländer bei 56,3 %, also deutlich höher. Dieses bessere Ergebnis relativiert sich jedoch, wenn man die absoluten Zahlen hinzuzieht, da die Umsätze in den Praxen der Ost-Bundesländer noch immer unter denen der West-Bundesländer liegen – auch wenn sich dieser Unterschied in den letzten Jahren deutlich verringert hat (siehe Beispielkasten).

Beispiel aus einer allgemeinmedizinischen Praxis

Während der durchschnittliche Umsatz einer allgemeinmedizinischen Einzelpraxis West bei etwa 340.200 € liegt, beträgt dieser bei der Einzelpraxis Ost etwa 294.200 €, also 46.000 € weniger pro Jahr.

Bei einer Umsatzrendite von 59,4 % (Ost) beläuft sich der durchschnittliche Gewinn auf rund 174.750 €, bei einer Umsatzrendite von 53,0 % (West) beläuft sich der durchschnittliche Gewinn auf rund 180.300 € – mithin also nur noch ein Unterschied von 5.550 € pro Jahr beim Gewinn.

Kostenquote

Das Gegenstück zur Umsatzrendite ist die Kostenquote, also der Anteil der gesamten Praxisausgaben an den Praxiseinnahmen. Bei den Urologen im Osten liegt die Kostenquote mit 43,7 % niedriger als in den Praxen der West-Bundesländer (50,8 %), wobei eine Differenz von 2,5 % bei den Personalkosten auffällt. Der Anteil der Personalkosten liegt in den Ost-Praxen bei 20,9 %, in den West-Praxen höher bei 23,4 %. Allen gemeinsam ist ein deutlicher Anstieg der Personalkostenquote, was bedeutet, dass die Gehälter stärker gestiegen sind als die Umsätze in den Praxen.

Während in fast allen anderen Fachgebieten ein genereller Anstieg der Personalkostenquote in den letzten vier Jahren festzustellen ist, ist sie bei den Urologen tendenziell eher gleichbleibend und in 2018 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht rückläufig. In den West-Praxen reduzierte sich die Personalkostenquote um 0,8 %, in den Ost-Praxen um 0,5 % Das bedeutet, dass die Umsätze urologischer Praxen stärker gestiegen sind als die Gehälter – trotz der Erhöhung und bundesweiten Anpassung der Gehaltstarife, an denen sich viele Arztpraxen orientieren.

Praxisbesonderheiten

Bei den Fachgruppenzahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Selbstverständlich müssen bei dem Vergleich der eigenen Zahlen mit denen der Fachgruppe etwaige Praxisbesonderheiten berücksichtigt werden, die größere Abweichungen vom Durchschnitt erklären können.

So liegen zwangsläufig die Personalkosten in den Praxen höher, in denen angestellte Ärzte arbeiten. Sie werden in den Praxen niedriger liegen, in denen der Ehepartner als Mini-Jobber tatkräftig mitarbeitet und vielleicht eine Vollzeitkraft in der Verwaltung erspart.

Abweichungen prüfen

Wenn jedoch keine Besonderheiten vorliegen, müssen größere Abweichungen analysiert werden, um Fehlentwicklungen entgegenzusteuern. Gleichzeitig können mit dem Fachgruppenvergleich aber auch Hinweise auf Optimierungspotenziale gefunden werden oder aber der aktuelle Kurs bestätigt werden.

Fazit

In jeden Fall ist es sinnvoll, sich mit den Zahlen der eigenen Praxis auseinanderzusetzen. Vergleichen Sie Ihre eigenen Zahlen mit den Zahlen Ihrer Fachgruppe. Vermutlich werden sich daraus zunächst viele Fragen ergeben, die möglicherweise nicht von heute auf morgen zu beantworten sind. Vielleicht benötigen Sie auch sachkundige betriebswirtschaftliche Unterstützung, um einzelne Zahlen richtig interpretieren zu können. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre BWA nicht beiseitelegen. Denn nur wenn Sie wissen, wo Sie stehen, können Sie auch die Weichen für die Zukunft stellen.

Kontakt
Porträt der Autorin Christiane Krefeld


Christiane Krefeld
Geschäftsführerin 
nilaplan Hannover • Magdeburg
Unternehmensberatung für Heilberufe GmbH
05130 377057
www.nilaplan-hannover.de