Achtung! Biofaktoren-Mangel im Alter (Teil 1)

Laut wissenschaftlichen Daten wird bei vielen Senioren durch Fehl­ernährung, Resorptionsstörungen oder Krankheiten die empfohlene ­Vitamin- und Mineralstoffzufuhr nicht erreicht. Ein Mangel an lebenswichtigen Biofaktoren wiederum kann Erkrankungen innerer Organe sowie neurologische und psychiatrische Beschwerden beim älteren Menschen hervorrufen.

 

Im März finden Sie hier den zweiten Teil:
"Neurologische und psychiatrische Krankheiten im Alter. Welche Biofaktoren spielen eine Rolle? "

 

Jeder zehnte Pflegeheimbewohner in Deutschland ab 65 Jahren gilt als mangelernährt, so die Ergebnisse der ErnSTES-Studie1, einer Ernährungserhebung in Pflegeeinrichtungen. Demnach wird die Hälfte der untersuchten 800 Senioren als mangelernährt und 11 % als manifest mangelernährt eingestuft. Damit einhergehend entsteht häufig eine Unterversorgung an Biofaktoren, die wiederum das Risiko für die Entwicklung zahlreicher chronischer Krankheiten erhöht.2 
„Die reduzierte Durst- und Geschmackswahrnehmung, Kau- und Schluckstörungen, mentale Störungen, chronische Erkrankungen sowie Arzneimittelinteraktionen begünstigen einen Biofaktoren-Mangel bei älteren Menschen und resultieren in gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten“, bestätigte auch Frau Prof. Dr. med. Marija Djukic, Fachärztin für Neurologie, Neurologische Geriatrie und leitende Oberärztin Geriatrie des Evangelischen Krankenhauses in Göttingen auf dem Symposium der Gesellschaft für Biofaktoren (GfB) im November letzten Jahres. Im Zuge des Alterungsprozesses nimmt zudem die Leistungsfähigkeit des Magen-Darm-Trakts ab, wodurch Biofaktoren aus der Nahrung schlechter vom Körper resorbiert werden können. Wissenschaftlichen Studien zufolge liegt die Zufuhr der meisten Biofaktoren bei Senioren unterhalb der D-A-CH-Referenzwerte.3
 

Biofaktoren-Mangel kann zu zahlreichen Erkrankungen führen

Der Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen kann neurologische und psychiatrische Beschwerden sowie Erkrankungen innerer Organe beim älteren Menschen hervorrufen. „Insbesondere Herzrhythmusstörungen und andere Herz-Kreislauf­erkrankungen, Osteoporose, Polyneuropathie, Depressionen sowie neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer-Demenz oder Morbus Parkinson stehen laut aktueller Studienlage mit einer Unterversorgung an Biofaktoren in Zusammenhang“, warnte Djukic. Besteht der Verdacht auf einen Biofaktoren-Mangel, sollte dieser durch eine Blutuntersuchung überprüft und bei nachgewiesenem Mangel durch gezielte Supplementierung ausgeglichen werden, da nach länger bestehendem Mangel die eingetretenen Schäden häufig irreversibel sind. 

Bei Hypertonie und Herz­rhythmusstörungen

Im kardiovaskulären System ist ­Magnesium an zahlreichen Aufgaben beteiligt. So reguliert der Biofaktor die Aktivität der Ionenkanäle in den Herzmuskelzellen. Zudem beeinflusst Magnesium die intrazelluläre Calciumhomöostase und reguliert so die myokardiale Kontraktilität.4 Magnesium spielt demnach eine wichtige Rolle für die Leistung des Herzmuskels, es normalisiert die Herzfrequenz und schützt das Herzmuskelgewebe. Bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Hypertonie, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sowie Arteriosklerose, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus wird häufig ein Magnesium-Mangel festgestellt. Insbesondere die Auswirkungen eines Magnesium-Mangels auf Blut­hochdruck haben in den letzten Jahren zunehmende Aufmerksamkeit erregt.5 „Zahlreiche Studien zeigten, dass eine Magnesium-Substitution einen positiven Einfluss auf Bluthochdruck ausübt. Die Untersuchungen belegen einen senkenden Effekt auf den systolischen und diastolischen Blutdruck“, erläuterte Prof. Dr. med. Klaus Kisters, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, St. Anna Hospital in Herne und einer der wissenschaftlichen Experten der GfB. 

Hinsichtlich der Bedeutung eines ­Magnesium-Mangels für die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen hat die Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. basierend auf dem derzeitigen Kenntnisstand Diagnostik- und Therapieempfehlungen erarbeitet. Bei jedem Patienten mit Herzrhythmusstörungen (ICD: 147. – 149.9) sollte der Magnesiumstatus neben der Bestimmung von anderen Elektrolyten erfasst werden. Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen sollte auf eine magnesiumreiche Kost geachtet werden. Bei Vorliegen eines Magnesiummangels aufgrund von erhöhten Magnesiumverlusten, zum Beispiel durch Diuretika, oder bei Resorptionsstörungen ist die ­alleinige diätetische Zufuhr nicht ausreichend und eine zusätzliche Magnesium-Supplementierung (240 bis 480 mg) notwendig.

Magnesium-Therapie wirkt sich positiv bei Herzinsuffizienz aus 

Bei der Supplementierung ist zu berücksichtigen, dass sich organische im Vergleich zu anorganischen Verbindungen durch eine höhere Bioverfügbarkeit auszeichnen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass bei Herzinsuffizienz Lebensqualität und Lebenserwartung betroffener Patienten unter einer oralen Therapie mit Magnesium­orotat steigen. Weiterhin wird die Inzidenz schwerer Herzrhythmusstörungen durch eine Kombination von Magnesium und Kalium signifikant gesenkt.7
 

Vitamin D und Magnesium wirken synergistisch 

Ältere Menschen sind in Bezug auf  eine Vitamin-­D-Unterversorgung besonders gefährdet, da die Synthese des „Sonnen-­Vitamins“ D in der Haut mit zunehmendem Alter abnimmt. Zudem halten sich ältere Menschen häufig weniger im ­Freien auf als jüngere Personen. Für die Resorption des fettlöslichen Vitamin D aus dem Darm werden Nahrungsfette benötigt. Deshalb kann es bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn, die mit einer Malabsorption von Fetten einhergehen, oder auch bei Teil-Resektionen des Darms, zu einem Vitamin-D-Mangel kommen.
Vitamin D benötigt Magnesium für seine Umwandlung in den aktiven Metaboliten Calcitriol. Auch unterstützt Vitamin D die ­Resorption von Magnesium im Dünndarm. Eine hohe Magnesiumzufuhr ist mit einem signifikant niedrigeren Risiko für einen Vitamin D-Mangel verknüpft.8 Insbesondere in puncto kardiovaskulärer Gesundheit macht sich der Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D bemerkbar. So kann bei Patienten mit Hypertonie und Herzinsuffizienz, aber auch beim Metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus häufig ein kombinierter Magnesium- und Vitamin-D-Mangel festgestellt werden. Zudem ist im Hinblick auf den Knochenstoffwechsel und das erhöhte Osteoporose-Risiko älterer Menschen neben dem Vitamin-D- auch der Magnesium-Status zu berücksichtigen. Rund 60 % des im Organismus enthaltenen Magnesiums sind in den Knochen eingelagert. Das entspricht einer Gesamtmenge von 20–25 g. Im Zusammenspiel mit Calcium und Vitamin D ist Magnesium für gesunde und stabile Knochen unerlässlich. 

Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern. Die GfB e.V. wird von Wörwag Pharma unterstützt.

www.gf-biofaktoren.de
 

Biofaktoren für starke Knochen

Anhand einer Studie wurde nachgewiesen, dass eine Einnahme von täglich 792 bis 2.000 IE Vitamin D das Risiko für Hüftfrakturen bei über 65-Jährigen um 30 % reduziert. Auch für andere Frakturen konnten ähnlich positive Ergebnisse beobachtet werden. Außerdem ­reduzierte die Vitamin D-Supplementierung die Frakturrate unabhängig von Geschlecht, Alter und Wohnsituation, das heißt auch ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen profitierten von einer Vitamin D-Substitution. 
Daher muss im Rahmen einer Osteoporosebehandlung auf eine ausreichende Zufuhr an Vitamin D geachtet werden. Da Magnesium ebenfalls eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel spielt, sollte auch der Magnesiumgehalt betroffener Patienten überprüft werden. 
 

 

1 Heseker H et al. ErnSTES-Studie, in DGE: Ernährungsbericht 2008, 157-204.
2 Max Rubner-Institut (MRI): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, 2008.
   https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf, S. 123-124.
3 D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 1. Ausgabe 2015. www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
4 Tangvoraphonkchai K. Magnesium and cardiovascular disease. Adv Chronic Kidney Dis 2018;25(3):251-260.
5 Zhang X et al. Effects of magnesium supplementation on blood pressure. A meta-analysis of randomized double-blind placebo-controlled
   trials. Hypertension 2016.
6 Vierling W. Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen.
   Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e. V.. Dtsch Med Wochenschr 2013,138:1165-1171.
7 Kisters K et al. Positive effect of magnesiumorotate therapy in hypertensive heart disease. Metabolomics: Open Access. 2017;7:3.
8 Gröber U, Schmidt J, Kisters K. Magnesium in prevention and therapy. Nutrients 2015, 7: 8199-8226.
9 Bischoff-Ferrari HA et al. A Pooled Analysis of Vitamin D Dose Requirements for Fracture Prevention. NEJM 2012,367:40-49.

Quelle: Gesellschaft für Biofaktoren e.V.