Alternative Therapie bei Osteoporose (Teil 4)

Alternative Therapieoptionen wie Nahrungsergänzungen können bei einer Osteoporose sehr hilfreich sein. Auch regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu einer effektiven Osteo­porose-Therapie und kann die Knochenmineraldichte erhöhen oder zumindest erhalten.

Ich erinnere mich an meine ehemaligen Nachbarn, unverwüstliche Weinbauern. Der Sohn ging einer Volltagstätigkeit in einer Sektkellerei nach. In der verbliebenen Zeit betrieb er seinen eigenen Weinbaubetrieb. Tatkräftig unterstützt von seinen noch rüstigen Eltern. Beide schon lange im Rentenalter. Schon frühmorgens auf dem Weg in meine Praxis, sah ich beide mit dem Trecker auf dem Weg in die Weinberge fahren. Abends auf der Heimfahrt begegneten sie mir wieder.

Oder jener 91-Jährige, der mich regelmäßig wegen Knieproblemen aufsuchte. Geistig und körperlich noch topfit, legte er den – nicht gerade kurzen – Weg mit dem eigenen Fahrrad zurück.

Aber es gibt auch jene, die mit 40 schon so unbeweglich sind, dass sie es nicht schaffen ohne zu schnaufen und nach Luft zu schnappen auch nur eine Treppe zu bewältigen.


Was lernen wir daraus?


Bewegung und Sport sorgen für starke Muskeln und stabile Knochen. Sport, körperliche Aktivität im Alter, das schließt sich nicht aus. Im Gegenteil: Bewegung hilft, fit zu bleiben oder fit zu werden.



Muskel, Knochen, Blutdruck, Schwindel – Wie hängt das zusammen?

Generell führt eine unzureichende Belastung der Gelenke und Knochen zur Abnahme der Muskulatur. Sportliche Betätigung wirkt dem entgegen. Bewegung hilft nicht nur unsere Muskeln fit zu halten, sondern stärkt auch unsere Knochen. Eine gut ausgebildete Muskulatur stabilisiert die Gelenke und hilft Stürze zu vermeiden. Aktivität stabilisiert aber auch unseren Blutdruck und trägt dazu bei, die gerade im Alter häufiger auftretenden Schwindelattacken, die nicht selten zu Stürzen führen, zu vermindern.


Frühzeitig den Grundstein legen

Da die maximale Knochenmasse bis zum 30. Lebensjahr aufgebaut wird, sollte gerade in diesen Jahren ein knochenfreundlicher Lebensstil angestrebt werden. Hierzu gehört regelmäßige körperliche Aktivität sowie eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Kalzium und Vitamin D, womit bereits in der frühesten Jugend begonnen werden sollte. Hier sind Eltern, Lehrer und Erzieher gefragt, die sportlichen Aktivitäten zu fördern. Empfehlenswert ist dabei zum Beispiel Fußballspielen, damit die Kinder aktiv sind und gleichzeitig an der frischen Luft der natürlichen Quelle für Vitamin D, der Sonne, ausgesetzt sind.

Männer schlecht versorgt
Dass bei Herz-/Kreislauferkrankungen Frauen schlechter versorgt werden ist bekannt. Bei Osteoporose ist das genau umgekehrt. Hier erfahren die Männer seltener eine adäquate Behandlung und das, obwohl die Therapieansätze identisch sind. Vielleicht auch deshalb, weil Osteoporose immer noch als reine „Frauenkrankheit“ angesehen wird. Ein Grund ist sicherlich auch das häufigere Auftreten einer sekundären Osteoporose, beispielsweise aufgrund des höheren Alkoholkonsums bei Männern.


Bewegung und Sport – bei Osteoporose unverzichtbar

Gerade denen, die unter Osteoporose leiden, sei Sport ans Herz gelegt. Wer keinen Sport treibt, verliert mit steigendem Alter zunehmend Muskel- und Knochenmasse und erhöht damit die Sturz- und Knochenbruchgefahr. Kraft und Beweglichkeit sind gut, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination zumindest noch recht gut bis ins hohe Alter trainierbar.

Knochen brauchen Reize für die Stärkung der Belastbarkeit. Zu einer effektiven Osteoporose-Therapie gehört daher regelmäßige körperliche Aktivität. Hierdurch lässt sich die Knochenmineraldichte erhöhen oder zumindest erhalten (siehe Fallbeispiel).


Welche Sportart ist die Richtige?

Es sollten Sportarten betrieben werden, die den Einsatz von möglichst vielen Muskeln erfordern. Sport sollte regelmäßig ausgeübt werden. Wichtig ist es, die geeignete Sportart zu finden. Bei Osteoporose-­Patienten, die bereits einen Wirbel-, Arm- oder Beinbruch erlitten haben, steht zunächst die Sturzvermeidung mit Koordinations- und Gleich­gewichtstraining im Vordergrund. Ziel ist hier der Erhalt von Mobilität und Selbstständigkeit.

Geeignet sind Sportarten, bei denen keine größere Sturzgefahr besteht. Hierzu gehören:

  • Wandern
  • (Nordic-)Walking
  • Schwimmen
  • Radfahren (Ergometer)
  • Ski-Langlauf

Weitere Informationen zu Nordic-Walking und Radfahren finden Sie hier ►

Ausdauersport führt nicht nur zur Muskelstärkung, sondern aktiviert auch den gesamten Organismus. Am bedeutsamsten ist jedoch das medizinische Krafttraining, das zunächst unter der Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten erfolgen sollte. Krafttraining dient sowohl dem Knochen- als auch dem Muskelaufbau. Der Besuch einer Rückenschule hilft zudem, die Belastungen der Wirbelsäule zu reduzieren.

Fallbeispiel
Mineralstoffe, Vitamin D und Kraftsport stärken die Knochen

 

Die Bedeutung von Vitamin D und Kraftsport kann an einem Fallbeispiel verdeutlicht werden:

  • 54-jähriger Patient
  • Vitamin D-Wert: 8 ng/ml
  • Knochendichtemessung T-Werte: L1-L4: -4,1; linker Femur: -2,0; rechter Femur: -2,8
  • Diagnose: therapiebedürftige Osteoporose

Der Patient begann direkt nach der Diagnose dagegen anzusteuern. Es erfolgte zunächst eine Umstellung der Lebensweise: Er achtete auf eine eiweißreiche Ernährung, trank regelmäßig ein calciumreiches (≈ 170 mg/l) und zugleich magnesiumreiches (≈ 240 mg/l) Mineralwasser und bevorzugte Vollkornprodukte. Zudem substituierte er Vitamin D und begann mit regelmäßigem Krafttraining. Hatte er zu Beginn seiner Umstellung noch einen schweren Vitamin-D-Mangel und sehr geringe T-Werte änderte sich dies binnen eines Jahres:

  • Vitamin D-Wert: 22,1 ng/ml
  • Knochendichtemessung T-Werte: L1-L4: -3,2; linker Femur: -1,6; rechter Femur: -2,3

Der T-Wert besserte sich sowohl an der Wirbelsäule als auch an beiden Hüftgelenken. Eine zusätzliche spezifische Therapie war ein Jahr später nicht mehr erforderlich.

 


Es ist nie zu spät, mit dem Kraftsport zu beginnen

War Krafttraining noch vor wenigen Jahren verpönt und für viele mit Bodybuilding gleichgesetzt, hat sich diese Ansicht inzwischen komplett verändert. Krafttraining ...

  • ist gerade im Alter wichtig.
  • hilft uns dem zunehmenden Muskelabbau entgegenzuwirken.
  • hilft uns vor Stürzen zu bewahren und Knochenbrüche zu verhindern.
  • stabilisiert (richtig durchgeführt)unser Herz-Kreislauf-System.
  • beugt Rückenschmerzen vor.
  • hilft Gewicht abzubauen.


Muskelabbau im Alter

Bekanntermaßen verlieren wir mit zunehmendem Alter an Muskelmasse. Zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr beträgt der Verlust lediglich 5 bis 10 Prozent, um dann drastisch anzusteigen. Ab dem 50. Lebensjahr beträgt er dann bis zum 80. Lebensjahr 30 bis 40 Prozent. Dieser Muskelschwund führt zu einem zunehmenden Verlust an Muskelkraft und Muskelleistung.


Was hat unsere Muskulatur mit unserem Knochen zu tun?

Knochen ist fest und stabil, aber keine „tote“ Matrix, sondern ein lebendes sich seiner Umgebung anpassendes Gewebe. Hierbei führen über die Muskulatur übertragene auf den Knochen einwirkende Maximalkräfte zu Anpassungen und stabilisierenden Veränderungen des Knochens. Kräftige Muskeln haben daher direkte Auswirkungen auf den Knochen. Sie haben osteoanabole Effekte und sorgen dadurch für eine bessere Knochenqualität. Knochen­gesundheit bedeutet demnach körper­liche Aktivität. Ohne Betätigung keine kräftige Muskeln. Ohne kräftige Muskeln kein stabiler Knochen. Bei nachlassender Aktivität schwindet auch die Muskulatur. Die Festigkeit des Knochens lässt nach. Studien belegen, dass selbst über 80-Jährige noch davon profitieren.

Eine kräftige Muskulatur hat noch einen weiteren wichtigen Effekt. Sie sorgt auch für ein stabil geführtes Gelenk. Dies ist Voraussetzung für Bewegungssicherheit. Kräftige Muskeln schützen uns vor Stürzen und ihren Folgen. Sie helfen Stürze abzufangen oder ihre Folgen zu mindern. So kann vermieden werden, dass durch den Sturz verursacht, zu hohe Kräfte auf den Knochen einwirken. Die Gefahr eines Knochenbruchs ist geringer.

Wer sich regelmäßig bewegt, verlängert seine Lebenserwartung um bis zu fünf Jahre.


Ausdauertraining vs. Krafttraining

Eine kräftige Muskulatur setzt eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß voraus. Aber eine kräftige, gelenkstabilisierende Muskulatur alleine durch eiweißreiche Kost ist nicht möglich. Körperliche Aktivität und Training ist für die Umsetzung erforderlich.

Ziel des Ausdauertrainings ist es nicht den Knochen zu stärken, sondern die allgemeine Leistungsfähigkeit zu verbessern. Hier steht die Stärkung des Herz-, Kreislaufsystems, mit Senkung des Ruhepulses, sowie der Lungenfunktion, mit dem Ziel der Vergrößerung des Atemvolumens im Vordergrund. Regelmäßiges Ausdauertraining fördert den Kalorienverbrauch und stabilisiert das Gewicht. Ausdauertraining hilft uns auch im Alltag beim Einkaufen, den Haushalt zu führen und länger fit zu sein.

Im Gegensatz zum Ausdauertraining zielt Krafttraining nicht auf die allgemeine Fitness, sondern hat die Kräftigung des Knochens zum Ziel. Wird beim Gerätetraining mit einem hohen Gewicht gearbeitet, so dass dieses nur einige wenige Male bewältigt werden kann, trainiert man die so genannte Maximalkraft. Hierbei wird am Knochenansatz ein besonderer Reiz am Knochen ausgeübt, der zum Knochenaufbau führt oder zumindest den Knochenabbau hemmt.

Dr. med. Peter Krapf

Facharzt für Orthopädie, Trier
www.krapf-kaltenkirchen.de