COVID-19: Hinweise zur Abrechnung und Kodierung von Fallkonstellationen

Hier finden Ärzte Hinweise zur Durchführung von Videosprechstunden, Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit und zur Abrechnung und Kodierung von beispielhaften Fallkonstellationen in Verbindung mit COVID-19.

AU-Bescheinigung per Telefon von 7 auf 14 Tage ausgeweitet

  • Auf einen BlickDie Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit per Telefon für maximal 14 Tage ist bei einer Erkrankung der oberen Atemwege möglich, wenn der Patient keine schwere Symptomatik vorweist.
  • Eine telefonische AU ist auch bei Verdachtsfällen möglich. Voraussetzung ist immer, dass es sich um leichte Beschwerden der oberen Atemwege handelt.

  • Sollte bei einem Patienten mit Infektionsverdacht eine Labordiagnostik (nach RKI-Kriterien) erforderlich sein, informiert der Arzt ihn darüber, wo er sich testen lassen kann.

Die Regelung gilt zunächst bis 23.06.2020.

Vertragsärzte dürfen Patienten ab sofort bis zu 14 Tage am Telefon krankschreiben, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilt. Voraussetzung ist, dass es sich um eine leichte Erkrankung der oberen Atemwege handelt. In solchen Fällen ist die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) auch möglich, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht.

Bereits seit etwa zwei Wochen dürfen Ärzte nach telefonischer Anamnese eine AU bzw. eine ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes für bis zu einer Woche ausstellen.

Telefonische AU auch im Verdachtsfall

Jetzt haben KBV und Krankenkassen die Regelung noch einmal erweitert. Neu neben der längeren Dauer von bis zu 14 Tagen ist, dass unter die Regelung auch Patienten fallen, bei denen ein Infektionsverdacht besteht. Voraussetzung ist immer, dass es sich um leichte Beschwerden der oberen Atemwege handelt.

Damit können Patienten im Verdachtsfall zu Hause bleiben und müssen nicht wegen der bloßen Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit extra in die Praxis kommen. Gleichzeitig soll das Risiko für eine Ausbreitung des Virus reduziert werden.

Arzt muss über Test informieren

Sollte bei einem Patienten mit Infektionsverdacht eine Labordiagnostik (nach RKI-Kriterien) erforderlich sein, informiert der Arzt ihn darüber, wo er sich testen lassen kann. In einigen KV-Bereichen benötigen Patienten für die Untersuchung eine Überweisung (Muster 10). In diesen Fällen schickt der Arzt die Überweisung dem Patienten per Post zu.

Der Arzt muss außerdem darauf hinweisen, dass der Patient unverzüglich einen Arzt aufsucht – nach telefonischer Anmeldung – falls es ihm gesundheitlich schlechter geht.

► Die Regelung zur telefonischen AU ist bis zum 23. Juni befristet.

Abrechnung Ausstellung AU-Bescheinigung

Das Ausstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung, Muster 1) ist Bestandteil der Versicherten- bzw. Grundpauschale. Dies gilt auch, wenn sie telefonisch ausgestellt wird. Voraussetzung für die Abrechnung der Pauschale ist jedoch, dass der Patient mindestens einmal in dem Quartal in der Praxis war oder einen Arzt-Kontakt per Videosprechstunde hatte. Ist das nicht der Fall, rechnet die Praxis für das Ausstellen der AU-Bescheinigung per Telefon die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 ab. Für das Porto kann die GOP 40122, bewertet mit 90 Cent, abgerechnet werden.

  • Versicherten- bzw. Grundpauschale plus GOP 40122 für das Porto (0,90 Euro): Der Patient war in dem Quartal mindestens einmal in der Praxis oder hatte einen Arzt-Kontakt per Videosprechstunde
  • Bereitschaftspauschale GOP 01435 (88 Punkte/9,67 Euro) plus GOP 40122 für das Porto (0,90 Euro): Der Patient war in dem Quartal weder in der Praxis noch in einer Videosprechstunde

AU: Verwendung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK)

Auch für die telefonische AU-Bescheinigung benötigen Ärzte für die Abrechnung die Versichertenstammdaten des Patienten. Hierbei gibt es folgende drei Konstellation:

  • Konstellation 1: Der Patient war in dem Quartal in der Praxis, die eGK wurde eingelesen: Die Versichertendaten liegen bereits vor.
  • Konstellation 2: Der Patient ist der Praxis bekannt, war in dem Quartal aber nicht da: Die Praxis übernimmt die Versichertendaten aus der Patientenakte.
  • Konstellation 3: Der Patient ist unbekannt, er war noch nicht in der Praxis. Das Praxispersonal erfragt am Telefon die Versichertendaten und pflegt sie händisch ein:
    • Name des Versicherten
    • Wohnort des Versicherten (PLZ)
    • Geburtsdatum des Versicherten
    • Krankenkasse
    • Versichertenart (Mitglied, Familienversichert, Rentner)

Regelungen gelten auch für Kinder

Alle Regelungen gelten auch für die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes (Muster 21).

Ärzte können seit 10. März 2020 Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege telefonisch eine AU-Bescheinigung bzw. eine ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindesfür bis zu einer Wocheausstellen.

Voraussetzung

Die Patienten hatten weder in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einer Person, bei der das neue Coronavirus nachgewiesen wurde, noch haben sich in einem Gebiet aufgehalten, in dem gehäuft COVID-19-Fälle auftreten.

► Stand: 16.03.2020

Hinweise zur Kodierung von COVID-19

Im Zusammenhang mit COVID-19 kodieren Ärzte die jeweiligen Erkrankungen oder Symptome und geben zusätzlich den Kode U07.1! an. Angaben zur Diagnosesicherheit erfolgen über

  • das Zusatzkennzeichen „V“ für Verdacht oder
  • das Zusatzkennzeichen „G“ für gesichert

Bei Patienten mit einer akuten Erkältung beispielsweise, bei denen der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht, verschlüsseln Ärzte sowohl die Erkältungskrankheit als auch COVID-19. Da es sich um einen Verdacht handelt, wird beim Kode U07.1! das Zusatzkennzeichen „V“ zugesetzt.

Krank und Kontakt zu COVID-19-Patient

Für Patienten, die Kontakt zu einem nachgewiesenen COVID-19-Fall oder einem COVID-19-Verdachtsfall hatten, wird zusätzlich die Kontaktsituation mit dem Kode Z20.8 verschlüsselt.

Wird der Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus labordiagnostisch bestätigt, ändert sich das Zusatzkennzeichen für den Kode U07.1!: Statt „V“ wird „G“ für gesichert zugesetzt.

COVID-19: Beispiele zum Kodieren

Die KBV hat Empfehlungen zur Kodierung mit Beispielen für die Praxis zusammengestellt:

Fallkonstellation 1: Akute Erkältungskrankheit bzw. -Symptome im Zusammenhang mit COVID-19/ggf. mit Veranlassung eines COVID-19-Labortests

Sie verschlüsseln die Erkrankung bzw. die Symptome und geben zusätzlich den Kode U07.1! an. Ob es sich um einen Verdachtsfall oder eine gesicherte Infektion mit COVID-19 handelt, kann über das Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit angegeben werden.

Beispiel: Ein Patient klagt über Fieber, Husten und allgemeines Krankheitsgefühl. Er hat sich innerhalb der letzten 14 Tage vor Symptombeginn in einem Risikogebiet aufgehalten. Ein COVID-19-Labortest ist medizinisch erforderlich und wird veranlasst.

Diagnosen:

ICD-10-CodeZusatzkennzeichenBezeichnung

J06.9

G

Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet

U07.1!

V

COVID-19

Bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung verwenden Sie bitte jeweils das Zusatzkennzeichen „G“:

ICD-10-Code

Zusatzkennzeichen

Bezeichnung

J06.9

G

Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet

U07.1!

G

COVID-19


Fallkonstellation 2: KrankheitszeichenundKontakt zu nachgewiesenem COVID-19-Fall oder COVID-19-Verdachtsfall/ gegebenenfalls mit Veranlassung eines COVID-19-Labortests

Sie verschlüsseln die Kontaktsituation in Ergänzung und geben zusätzlich den Kode U07.1! an. Ob es sich um einen Verdachtsfall oder eine gesicherte Infektion mit COVID-19 handelt, kann über das Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit angegeben werden.

Beispiel: Ein Patient hatte Kontakt zu einem gesicherten COVID-19-Fall. Es bestehen Krankheitsanzeichen in Form von Husten und allgemeinem Krankheitsgefühl. Ein COVID-19-Labortest wird für medizinisch notwendig erachtet und veranlasst.

Diagnosen:

ICD-10-Code

Zusatzkennzeichen

Bezeichnung

J06.9

G

Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet

Z20.8

G

Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten

U07.1!

V

COVID-19

Bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung verwenden Sie bitte jeweils das Zusatzkennzeichen „G“:

ICD-10-Code

Zusatzkennzeichen

Bezeichnung

J06.9

G

Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet

Z20.8

G

Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten

U07.1!

G

COVID-19


Extrabudgetäre Vergütung für alle COVID-19-Leistungen

Für die ambulante medizinische Versorgung von Coronavirus-Patienten wird zusätzliches Geld bereitgestellt. Alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind, werden seit 1. Februar 2020 in voller Höhe extrabudgetär bezahlt. Ärzte kennzeichnen die Fälle dazu mit der Ziffer 88240.  Dies gilt auch, wenn der Patient durch die Terminservicestelle (Patientenservice 116117) vermittelt wurde.

Auf die Vergütungsvereinbarung haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband geeinigt. Damit reagieren die Vertragspartner auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und den damit verbundenen steigenden Behandlungsbedarf in der Bevölkerung.

Begrenzungsregelungen für Videosprechstunde aufgehoben

  • Hinweise zur VergütungDie Videosprechstunde wird über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale vergütet. Die Pauschale nebst Zuschlägen wird in voller Höhe gezahlt, wenn im selben Quartal noch ein persönlicher Kontakt erfolgt. Ist dies nicht der Fall und der Kontakt erfolgt ausschließlich per Video, werden die Pauschale und ggf. die sich darauf beziehenden Zuschläge gekürzt.
  • Daneben können Ärzte und Psychotherapeuten Leistungen für Gespräche abrechnen, die per Videosprechstunde erfolgen. Außerdem erhalten sie eine Technikpauschale zur Finanzierung der Kosten.
  • Für den Mehraufwand bei der Authentifizierung neuer Patienten in der Videosprechstunde erhalten Arztpraxen einen Zuschlag zur Grund-, Versicherten- oder Konsiliarpauschale.
  • Außerdem erhalten Praxen als Anschubfinanzierung für bis zu 50 elektronische Visiten im Quartal 10€ je Sprechstunde zusätzlich –  insgesamt bis zu 500€. Voraussetzung für den Zuschlag ist, dass die Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt. 

Ärzte und Psychotherapeuten können ihren Patienten jetzt öfter eine Videosprechstunde anbieten, wie die KBV am 16. März mitgeteilt hat. Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben KBV und GKV-Spitzenverband die Begrenzungsregelungen aufgehoben. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge nicht limitiert. 

Normalerweise dürfen Ärzte und Psychotherapeuten pro Quartal maximal jeden fünften Patienten ausschließlich per Video behandeln, ohne dass dieser persönlich in die Praxis kommen muss. Auch die Menge der Leistungen, die in Videosprechstunden durchgeführt werden dürfen, ist auf 20% begrenzt. Für den Rest ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt (APK) erforderlich. 

Ohne Indikationsbindung und vorherigen persönlichen APK

Aufgrund der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV-2 wird empfohlen, dass Patienten nach Möglichkeit nur in medizinisch dringenden Fällen die Praxen aufsuchen. Eine Alternative für den persönlichen APK ist die Konsultation per Video. Sie ist bei allen Indikationen möglich und auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war. 

Psychotherapie per Video 

Auch ärztliche und psychologische Psychotherapeuten dürfen seit Herbst 2019 bestimmte Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie per Videosprechstunde durchführen und abrechnen.  Voraussetzung ist, dass ein persönlicher APK zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung vorausgegangen ist. Das schreibt das psychotherapeutische Berufsrecht und die Psychotherapie-Vereinbarung vor. 

Regelung gilt vorerst für das zweite Quartal 

Die Begrenzungsregelungen wurden zunächst für das zweite Quartal ausgesetzt. KBV und Krankenkassen werden spätestens zum 31. Mai prüfen, ob eine Verlängerung erforderlich ist. Für das laufende erste Quartal erfolgt keine Aussetzung, da beide Seiten davon ausgehen, dass die 20-%-Marke nicht erreicht wird.

► Stand: 25.03.2020

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung