Cross-Shaping - Eine Alternative zum Nordic Walking

„Cross-Shaper“ heißt das Trainingsgerät, das bei der an Nordic Walking erinnernden Ausdauersportart anstatt Stöcken eingesetzt wird. Es ist eine Weiterentwicklung des Walkens, das den Oberkörper effektiver in den Bewegungsablauf mit einbezieht.

Um beim Walken auch den Oberkörper effektiv einbeziehen zu können, hat der Orthopäde Dr. Georg Kaupe, Bonn, das Trainingsgerät Cross-Shaper entwickelt. „Bereits als Jugendlicher habe ich viel Skilanglauf und Sommerrollski betrieben. Die Erdung über drei Kontaktpunkte zum Boden empfand ich immer als sehr effektiv und vegetativ harmonisierend“, sagt Kaupe und ergänzt: „Bei einer Joggingrunde fragte ich mich, warum man eigentlich nicht auch die Kraft der Arme zum Laufantrieb einsetzt.“ Zu Hause angekommen bastelte er daraufhin einen ersten Prototyp mit Hilfe von biegsamen Spielzeugschienen. „Mit dieser eher ulkigen Konstruktion bin ich dann wieder losgelaufen und merkte: Die Kraft der Arme ließ sich nun in das Laufen integrieren und es war sofort eine Entlastung zu spüren“, so der Orthopäde.

Anschließend folgten in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern und Ingenieuren weitere 13 Prototypen, bis der Cross-Shaper in seiner heutigen Form in die Produktion ging.


Was ist Cross-Shaping?

Der Cross-Shaper besteht aus zwei ergonomisch geformten Sportstöcken mit Unterarmschalen und Rädern am unteren Ende. Zwischen Schale und Stock befinden sich einstellbare Gummi-Expander, die sowohl die Vorspannung als auch den Kraftanstieg beim Herunterdrücken der Armschale mit dem Ellbogen ermöglichen. Die Räder am unteren Ende des Sportgerätes erlauben den Freilauf nach vorne und blockieren nach hinten.

Das Gehen mit dem Cross-Shaper erfolgt im normalen Kreuzgang, das heißt Arm und kontralaterales Bein werden jeweils synchron vor- und zurückgeführt. Dabei ist der Körper im Gegensatz zum 2-Punkte-Gang beim Nordic Walking über drei Punkte permanent geerdet. Die Unterarmschalen helfen dabei, den gestreckten Arm in den rechten Winkel zu bringen und wirken unterstützend. Die Kraft des gesamten Armes wird so optimal übertragen, so dass auch der Oberkörper und die Rumpfmuskulatur effektiv mittrainiert werden. Cross-Shaping ist ein überwiegend aerobes Ausdauertraining gepaart mit einem dosierbaren Krafttraining. Der Übende erhält auf diese Weise die Vorteile der diagonalen Bewegungsmuster zusammen mit den Vorzügen eines Muskeltrainings.

„Beim Nordic Walking befindet sich die Stockspitze nah am Fuß. Die Stöcke beim Cross-Shaping sind wesentlich länger, das Stockende mit Rad befindet sich daher deutlich hinter dem Fuß. Nordic Walking verursacht Stöße und ist mit Stahlspitzen nicht gerade leise – das Cross-Shaping hingegen ist geräuschlos und fließend“, fasst Kaupe zusammen.


In der Vorführbewegung des Cross-Shapers wird die Armschale gegen die Kraft des Expanders aktiv gebeugt (Beugephase) und der Cross-Shaper wird der Armschwungbewegung folgend nach vorne gerollt. In der Rückführbewegung des Cross-Shapers (Streckphase) erfolgt aufgrund der nun blockierenden Räder ein aktiver Abdruck von der Unterarmschale über Oberarm und Schulter nach vorne-oben. Hierbei wird die Spannung des Expanders wieder freigegeben und der Abdruck kann durch eine zusätzliche Abdruckbewegung aktiv verstärkt werden.



Entlastung der Wirbelsäule

Die Konstruktion des Cross-Shapers ermöglicht in der Rückschwung- bzw. Abdruckphase durch die Auflage des Unterarmes auf der Armschale und ein nach hinten blockierendes Rad am Stockende eine effektive Übertragung der Kraft vom Arm auf den Boden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Nordic Walking. Die mit der direkten Kraftübertragung verbundene vermehrte Aufrichtung ebenso wie die vermehrte Vertikalbewegung erzeugen über die Anhebung der Schulter eine Entlastung und Mobilisierung der Wirbelsäule.

Dies konnte in einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Jöllenbeck vom Institut für Biomechanik in Bad Sassendorf bestätigt werden.1 Dort untersuchten die Forscher den gesundheitlichen Effekt des Cross-Shapers hinsichtlich einer möglichen Gelenkentlastung im Rahmen einer biomechanischen Feldstudie. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass der Abdruck im Vergleich zum Nordic Walking erheblich effektiver, aber zugleich deutlich stoßreduziert ist, der Oberkörper wird vermehrt aufgerichtet und die Wirbelsäule effektiv entlastet und mobilisiert. Weite Teile der Muskulatur der oberen und unteren Extremitäten werden physiologisch gleichermaßen trainiert.


Positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System

Zudem zeigte die Studie, dass die kardiale Belastung höher ist als beim Nordic Walking. Dies könne mit dem intensiven Einsatz zusätzlicher Muskelgruppen des Oberkörpers zusammenhängen und stehe in enger Übereinstimmung mit einer Studie, die zudem einen gesteigerten Energieverbrauch und eine erhöhte metabolische Reaktion durch das Training mit dem Cross-Shaper im Vergleich zum Walking bestimmt hatte.2

„Die biomechanisch präventive Wirkung auf den menschlichen Körper konnte so durch zwei wissenschaftlichen Studien belastbar untermauert werden“, so Kaupe.


Die richtige Technik

Wie auch beim Nordic Walking, kommt es beim Cross-Shaper auf die richtige Technik an und es bedarf einer Erklärung und Einweisung durch einen Trainer. „Voraussetzung ist eine gute Körperwahrnehmung und es dürfen keine sensomotorischen oder kognitiven Defizite vorliegen. Wer in der Lage ist, problemlos Nordic Walking zu betreiben, ist auch für das Cross-Shaping geeignet“, so Kaupe. Langjährige Nordic Walker seien laut des Experten erfahrungsgemäß jedoch oft schwieriger auf Cross-Shaping „umzuprogrammieren“.

Da die Geräte individuell auf Körpergröße und durch die verschiedenen Expander auch auf die Belastung einstellbar sind, ist Cross-­Shaping grundsätzlich für jeden ab dem 16. Lebensjahr geeignet, der etwas für seine körperliche Fitness an der frischen Luft tun möchte.

„Cross-Shaping empfehle ich als Ganzkörpersportart vielen Patienten präventiv und additiv zur Physio­therapie (orthopädisch, kardiologisch) nach Absprache mit Arzt und Therapeut. Optimal ist es für Patienten mit haltungsbedingten Rückenbeschwerden, z. B. verursacht durch zu vieles Sitzen. Eine Dysbalance der Rumpfmuskulatur lässt sich hiermit gut erkennen und korrigieren“, so der Orthopäde. Viele Kunstgelenkträger (Hüft-, Knie-TEP) halten sich laut Kaupe bereits mit Cross-Shaping fit. Die Bewegungsabläufe seien bei guter Einweisung und korrektem Gebrauch biomechanisch unkritisch und fördern Kondition und Koordination. Die nachgewiesene biomechanische Entlastung für Wirbelsäule, Knie- und Hüftgelenke sei hier besonders vorteilhaft.

Präventionssport Nordic-Crosstraining

„Cross-Shaping wird bald nur noch Nordic-Crosstraining heißen und rückt als Präventionssport immer mehr in den Fokus der Kranken­kassen“, sagt Kaupe. Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten und Gymnastiklehrer sollen zukünftig in speziellen Ausbildungen für diesen Ausdauersport die Kriterien für „§ 20 SGB V Primäre Prävention und Gesundheitsförderung“ erfüllen können. Das heißt, bis zu 80 Prozent der Gebühren für diese Kurse können zukünftig von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Es gibt breits über ganz Deutschland verteilt ausgebildete Trainer bzw. Kurse. „Zum Beispiel bietet die Europäische Sport­akademie Brandenburg ESAB Nordic-Crosstraining Kurse für qualifizierte Trainer und Therapeuten an.“

1 T Jöllenbeck et al. Sports. Orthop. Traumatol. 30, 352-358 (2014). DOI: https://doi.org/10.1016/j.orthtr.2014.09.002

2 IMP - Institute of Medical Physics, Wirkung des Cross-Shapers auf die Herzfrequenz, die Sauerstoffaufnahme und den Energieverbrauch beim Walking. Unveröffentlichte Studie, Universität Erlangen (2012). www.cross-shaping.com/downloads/Querschnittsstudie_Cross-Shaper.pdf, Zugriff 10.2018.

Dr. Daniela Busse