Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Restless-Legs-Syndrom

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt. Die höhere Prävalenz bei Frauen ist unter anderem durch Schwangerschaft und Parität bedingt, die Risikofaktoren für RLS darstellen. Eine Studie von österreichischen Wissenschaftlern untersuchte jetzt, welche weiteren Geschlechtsunterschiede im klinischen Erscheinungsbild, in Laborwerten und anhand der Polysomnographie festgestellt werden können.

Für die retrospektive Analyse wurden Daten von 42 Frauen und 42 Männern aus der RLS-Datenbank des Schlaflabors der Univ.-Klinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Innsbruck herangezogen, die in Alter und Therapieform übereinstimmten. Bei diesen Patienten wurden der Schweregrad der RLS anhand verschiedener Skalen bewertet (IRLS, RLS-6 und CGI) und Laborparameter zur Bestimmung des Eisenstatus (u. a. Ferritin) gemessen. Bei allen Patienten wurde eine Polysomnographie (PSG) durchgeführt und periodische Beinbewegungen während des Schlafs (PLMS-Index) bewertet.

„Wir fanden bei Frauen einen höheren Schweregrad der RLS-Beschwerden und  niedrigere Ferritinwerte als bei Männern. Die Männer zeigten hingegen höhere periodische Beinbewegungen im Schlaf“, fasste Dr. Ambra Stefani, Schlaflabor Univ.-Klinik für Neurologie, die Ergebnisse der Studie zusammen (Details siehe Kasten).

Die Ergebnisse weisen auf einen Geschlechtsunterschied in der klinischen Manifestation von RLS-Beschwerden hin. Frauen scheinen vorwiegend sensorische Symptome aufzuweisen, die sich in höheren IRLS-Schweregraden widerspiegeln. Männer scheinen vorwiegend motorische Symptome aufzuweisen, die durch einen höhern PLMS-Index angezeigt werden.

„Die Hypothese soll nun in prospektiven Studien mit einer größeren Fallzahl von Patienten untersucht werden,“ so Stefani. 


Eisen und RLS-Schweregrad

Es soll auch geklärt werden, ob ein Eisen­mangel bei Frauen eine Erklärung für den höheren RLS-Schweregrad darstellen könnte. Obwohl viele Frauen einen Eisenmangel aufwiesen, konnte in der Studie keine Korrelation zwischen RLS-Schweregrad und Ferritinwerten gefunden werden. Es ist jedoch bekannt, dass ein Eisenmangel (im ZNS) eine große Rolle in der Pathogenese von RLS spielt, aber ein peripherer Eisen­mangel (oder ein niedriger Ferritinwert) oft nicht nachweisbar ist. Möglicherweise stellt Serumferritin hier nicht den geeigneten Biomarker dar.

 

Ergebnisse der Gender-Studie zu RLSRLS und RLS-6 zeigten schwerwiegendere Symptome bei Frauen:
IRLS-Median (Bereich): ♀ 17,5 (0–35) vs. ♂ 13,5 (0–32), p = 0,028
RLS-6-Median (Bereich): ♀ 18 (0–39) vs. ♂ 12 (1–42), p = 0,014

Frauen wiesen niedrigere Ferritinspiegel auf als Männer:
Median (Bereich) in μg/l: ♀ 74 (9–346) vs. ♂ 167 (15–389), p <0,001
22 Frauen und 8 Männer (53,7 % gegenüber 22,2 %, p = 0,003) hatten Ferritinwerte unter 75 μg /l

Die periodischen Beinbewegungen während der Schlafs waren bei Frauen signifikant niedriger als bei Männern:
Median (Bereich) der Anzahl der PLMS pro Stunde Schlafzeit: 
♀ 11,4 (0–62,5) vs. ♂ 40 (0–154), p = 0,004 für Nacht I
♀ 12,6 (0–58,5) vs. ♂ 40 ( 0,5–208), p = 0,002 für Nacht II 

Die Polysomnographie wurde gemäß den Richtlinien der American ­Academy of Sleep Medicine (AASM) durchgeführt, und periodische ­Beinbewegungen während des Schlafs wurden gemäß den AASM-Kriterien bewertet.

IRLS: International RLS Severity Scale, RLS-6: Restless Legs Syndrome-6 Scale, PLMS: Periodic Leg Movements in Sleep

 

Quelle: Holzknecht E. et al., Gender differences in clinical, laboratory and polysomnographic features of restless legs syndrome, J Sleep Res. 2019 Jun 4:e12875. doi: 10.1111/jsr.12875. 

db