Bei COPD ist eine Pertussis- Infektion besonders belastend – deshalb Impfen!

Das GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease)-Komitee hat mit dem Report „Diagnose, Management und Prävention von COPD 2021“ eine aktualisierte Version seiner Empfehlungen zur Optimierung von Diagnose und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) veröffentlicht.[1]

Dort wird im Abschnitt Impfstoffe jetzt auf die Tdap-­Impfung verwiesen.1 Darin empfiehlt die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) die Tdap-I­mpfung (dTaP/dTPa) bei COPD-Patientinnen und -Patienten zum Schutz vor Pertussis, Tetanus und Diphtherie bei Personen, die im Jugendalter nicht geimpft wurden. Die Ständige Impfkommission STIKO2 empfiehlt, dass alle Erwachsenen einmalig bei der nächsten regulären Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff auch gegen Pertussis geimpft werden.

Bei COPD gegen Pertussis impfen

Hierfür können beispielsweise die Impf­stoffe Boostrix oder Boostrix Polio verwendet werden.3 Ältere Erwachsene leiden bei einer Pertussis-Infektion oft an einem sehr lang andauernden, hartnäckigen, schmerzhaften Husten, der die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Bei rund 40 % der über 60-jährigen Patienten kommt es zu Komplikationen, etwa Pneumonien und Otitiden sowie Leisten- und Rippenbrüche oder Inkontinenz infolge der Hustenattacken.

Circa jeder zehnte ältere Patient – meist mit einer oder mehreren Grunderkrankungen – muss aufgrund einer Pertussis-­Infektion hospitalisiert werden.4 Dabei steigen auch die Kosten: Für eine Studie in England5 wurden die Daten von insgesamt 387.086 COPD-Betroffenen (älter 50 Jahre) von 2009 bis 2018 bezüglich eines neuen Pertussis-Ereignisses ausgewertet (retrospektives Kohortendesign). Bei 78 Personen wurde eine Pertussis-Infektion diagnostiziert, die in allen Fällen zu einem signifikanten Anstieg der Ressourcennutzung im Gesundheitswesen und der direkten medizinischen Kosten der Behandlung bei COPD-Patientinnen und -Patienten um das Keuchhustenereignis herum führte.5

- Pertussis-Impfung bei COPD
Kann den oft lang andauernden, hartnäckigen, schmerzhaften Husten verhindern.
- Kann Komplikationen, etwa Pneumonien und Otitiden sowie Leisten- und Rippenbrüche oder Inkontinenz infolge der Hustenattacken verhindern.
- Kann bei Patientinnen und Patienten mit COPD und Komorbiditäten eine Hospitalisierung aufgrund einer Pertussis-Infektion verhindern.

Prävalenz der Exposition gegenüber B. pertussis höher als vermutet

Obwohl gerade COPD-Patientinnen und -Patienten ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei Pertussis-Infektion haben, wird die Prävalenz von Pertussis-Infektionen bei Erwachsenen mit Grunderkrankungen unterdiagnostiziert und zu wenig berichtet. Zu diesem Schluss kamen Forschende in England nach Auswertung der Daten der prospektiven Beobachtungsstudie AERIS6 (Acute Exazerbation and Respiratory InfectionS in COPD). In die Studie wurden 104 Patientinnen und Patienten mit diagnostizierter mittelschwerer, schwerer oder sehr schwerer COPD im Alter von 40 bis 85 Jahren aufgenommen. Nach 12 und 24 Monaten wurde bei ihnen die Seroprävalenz von Anti-Pertussistoxin (PT)-Antikörpern mittels Enzyme-linked Immunosorbent Assay gemessen. Insgesamt 14 der 104 (13,5 %) Patientinnen und Patienten hatten nach 12 oder 24 Monaten eine Anti-PT-Konzentrationen von 50 I.E./ml, was auf eine Exposition gegenüber B. pertussis in den letzten 2 bis 3 Jahren hinweist. 6 der 104 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer (5,8 %) wiesen eine Anti-PT-Konzentration von 70 IE/ml, 3 von den 104 (2,9 %) eine Anti-PT-Konzentration von 120 IE/ml auf, was auf eine Exposition gegenüber B. pertussis innerhalb von 12 bzw. 6 Monaten hinweist. Diese Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Autoren eine hohe Zirkulation von B. pertussis (Beobachtungszeitraum 2012 und 2014). Die Prävalenz werde deutlich unterschätzt. Die Forschenden empfehlen aufgrund der Datenauswertung verstärkte Impfungen zur Vorbeugung von Pertussis-Infektionen bei solchen Patienten.

Wer kann impfen?

Mit der Änderung der Schutzimpfungsrichtlinie darf seit August 2020 jeder Arzt mit Impfvereinbarung zu Lasten der GKV impfen – unabhängig von der Facharztzugehörigkeit. Damit können beispielsweise auch Pneumologen ihre Risikopatienten und deren Familienmitglieder impfen und damit vor Pertussis schützen. Voraussetzung ist, dass der Arzt oder seine KV eine Impfvereinbarung mit den regionalen Krankenkassenverbänden abgeschlossen hat.7
 

Literatur

1 Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) 2021.
2 Epidemiologisches Bulletin 34/2020, 20.08.2020
3 Fachinformation Boostrix, Stand Oktober 2020; Fachinformation Boostrix Polio, Stand Oktober 2020
4 Mbayei SA et al. Clin Infect Dis 2019;69(2):218–226.
5 Aris E et al. Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, 18:2, 157-169.
6 Wilkinson T.M.A et al. COPD Journal of Chronic ­Obstructive Pulmonary Disease, 18:3, 341-348.
7 www.g-ba.de/richtlinien/60/


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