Bei mit Opioiden therapierten Schmerzpatienten an OIC denken

Die Opioid-induzierte Obstipation (OIC) ist eine schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkung der Opioid-Therapie, von der rund 87 % aller Schmerzpatienten betroffen sind. Das kürzlich veröffentlichte Thesenpapier der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) zum Umgang mit OIC weist deshalb darauf hin, dass Behandler grundsätzlich bei allen mit Opioiden therapierten Schmerzpatienten an diese Nebenwirkung denken sollten.[1] Da eine konventionelle Laxanzientherapie bei Patienten mit OIC in der Regel zu keinem Erfolg führt, sollte die Therapie bereits nach ein oder zwei Wochen auf einen ­zielgerichteten, peripher wirkenden Opioidantagonisten (Peripherally Acting μ-Opioid-Receptor Antagonist = PAMORA) wie Naloxegol (Moventig®) umgestellt werden.

Opioide sind ein fester Baustein in der Therapie chronischer nicht-tumorbedingter Schmerzen.2 Obwohl sie vielen Patienten effektiv Schmerzlinderung verschaffen, haben sie weitreichende Auswirkungen auf den Gastrointestinaltrakt. Dabei ist es unerheblich, in welcher Darreichung oder Dosierung Opioide appliziert werden – jedes Opioid kann potenziell eine Opioid-­induzierte Obstipation verursachen.1 Bei der OIC handelt es sich um eine besondere Form der Verstopfung, die durch die Aktivierung von peripheren µ-­Opioidrezeptoren im Darm verursacht wird. So ist es nicht verwunderlich, dass die OIC weit verbreitet ist: 87 % der Patienten sind von ihr betroffen.1 Je länger eine Opioid­therapie andauert, umso wahrscheinlicher tritt eine OIC auf.3,4 Es handelt sich jedoch keineswegs um eine Befindlichkeitsstörung, denn die Lebensqualität der Betroffenen wird in erheblichem Maße beeinträchtigt.5 Viele Patienten brechen ihre Schmerz­behandlung aufgrund des hohen Leidensdruckes ab und nehmen eher massive Schmerzen in Kauf.6,7


OIC ist keine Befindlichkeits­störung

Die OIC ist dabei nur die Spitze des Eisbergs: Hinzu kommen zahlreiche Begleitsymptome, wie abdominelle Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, aber auch eine verschlechterte Aufnahme oral applizierter Arzneimittel.8 Maßgeblich ist die differentialdiagnostische Abgrenzung der OIC von der habi­tuellen – also nicht durch Opioide verursachten – Obstipation. Da die OIC immer im zeitlichen Zusammenhang mit Beginn oder Veränderung einer Opioid-Behandlung steht, sollten Behandler stets das Stuhlverhalten ihrer Patienten im Blick behalten.1 Insbesondere zu Beginn einer Therapie mit ­Opioiden oder bei Änderung derselbigen sollten Behandler wachsam sein. Der Bowel Function Index (BFI) kann hierbei als einfaches, valides und zuverlässiges Dia­gnostik-Tool dienen.


Mit PAMORA eine kausale Kontrolle der OIC erreichen

Als effektiv und verträglich in der Therapie der OIC haben sich die zielgerichteten, peripher wirkenden Opioid-Antagonisten (Peripherally Acting μ-Opioid-­Receptor Antagonist = PAMORA) wie ­Naloxegol (Moventig®)* erwiesen. Naloxegol greift bei nur einmal täglicher oraler Einnahme kausal in die OIC-Pathophysiologie ein und verhilft zu einer Normalisierung der ­Darmmotorik.9

Konventionelle Laxanzien sind bei OIC wenig hilfreich, heisst es in einem kürzlich veröffentlichten Thesenpapier der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS). Aufgrund der gegenwärtigen Zulassungssituation müsse die OIC zwar initial mit konventionellen Laxanzien behandelt werden. Bleibt die Therapie jedoch erfolglos, sollte bereits nach ein bis zwei Wochen auf PAMORA gewechselt werden, heißt es darin.1 Auch ein EU Consensus-Papier8 und die PraxisLeitlinie der DGS10 empfehlen einen frühzeitigen Einsatz der ­PAMORA.


*Moventig® ist indiziert zur Behandlung von durch stark schmerzstillende Mittel, sogenannte Opioide, hervorgerufener Obstipation bei Erwachsenen. Es wird bei Patienten angewendet, die unzureichend auf ein oder mehrere Laxanzien angesprochen haben.9

1 Überall MA, Horlemann. J Schmerzmedizin 2019; 6:52-54.
2 Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen – „LONTS”, Stand: 29.09.2014, derzeit in Überarbeitung.
3 Lawson R et al. Adv Ther 2016;33:1331-1346.
4 Wirz S. Z Gastroenterol 2017;55:394-400.
5 Storr M et al. Thieme Praxis Report 2017;9(11):1-12.
6 Camilleri M et al. Neurogastroenterol Motil 2014; 26:1386-1395.
7 Häuser W et al. Dtsch Ärztebl Int 2014;111:732-740.
8 Farmer AD et al. UEG Journal 2019;7:7-20.
9 Fachinformation Moventig®. Kyowa Kirin. Stand September 2019
10 Überall MA. DGS-PraxisLeitlinie „Opioidinduzierte Obstipation V2.0“, Stand 2019; URL: https://www.dgs-praxisleitlinien.de/index.php/leitlinien/oic (letzter Zugriff: 28.02.2020)

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