Nachwuchs: Die meisten werden Hausärzte

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat ihre aktuelle Ärztestatistik 2019 veröffentlicht. Der Trend gibt Hoffnung.

Ein Trend verfestigt sich in der baden-württembergischen Ärzte­schaft: Erneut ist die Facharztprüfung zum/zur Allgemeinmediziner/in die am häufigsten absolvierte Prüfung aller Ärzte in Baden-Württemberg. Das geht aus der aktuellen Ärztestatistik 2019 der Landesärztekammer hervor, die im Juli veröffentlicht wurde. Insgesamt 234 Ärzte haben im Jahr 2019 die Facharztprüfung für Allgemeinmedizin abgelegt. Auf dem 2. Platz folgten die Facharztanerkennungen für Innere Medizin (223) und für Anästhesiologie (188) auf dem 3. Platz. Schon 2018 war die Facharztanerkennung für Allgemeinmedizin ganz vorn – damals waren es 238 Anerkennungen, ebenfalls gefolgt von Innerer Medizin (226) und Anästhesiologie (155). Noch 2017 hatte das Fachgebiet Innere Medizin die meisten Anerkennungen (217), Allgemeinmedizin belegte damals Platz 2 (198). 

"Der Beruf Hausarzt wird für junge Kolleginnen und Kollegen interessanter"

„Der Hausärztemangel ist immer noch ein akutes Problem – daran wird sich so schnell nichts ändern“, sagt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer. „Viele ältere Hausärztinnen und Hausärzte werden in den kommenden Jahren voraussichtlich in Ruhestand gehen, zumindest aber den Umfang ihrer Arbeit in der Versorgung altersbedingt reduzieren. Die Zahlen geben aber Grund zur Hoffnung. Denn der verstetigte Trend zeigt: Der Beruf Hausarzt wird für junge Kolleginnen und Kollegen interessanter.“

Dr. Miller verweist in diesem Zusammenhang auf die gemeinsamen und intensiven Bemühungen der Landesregierung, der Universitäten, der Landesärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenhausgesellschaft, der Berufsverbände und anderer, die Allgemeinmedizin für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiver zu machen. Dazu trägt aktuell neben der finanziellen Förderung der Weiterbildung angehender Hausärzte unter anderem auch die Einrichtungen von regionalen Weiterbildungsverbünden, einer Koordinierungsstelle sowie von Seminar- und Mentoringprogrammen bei. Mittel- bis langfristig wirken auch das Landärzteprogramm und die Erhöhung der Zahl von Medizin-Studienplätzen dem Hausärztemangel entgegen. „Das alles sorgt mit dafür, dass sich mehr Ärztinnen und Ärzte als bisher für die Weiterbildung Allgemeinmedizin und damit für eine hausärztliche Tätigkeit entscheiden“, sagt Dr. Miller.

Aktuell habe beispielsweise auch die Corona-Pandemie das Wirken der Hausärztinnen und Hausärzte sichtbar gemacht, so der Kammerpräsident. Völlig zu Recht hätten Medien und Politik die Hausarztpraxen im Pandemieverlauf wiederholt als „Schutzwall“ gegen die Ausbreitung des Virus bezeichnet und deren Rolle beim Verhindern einer Krankenhaus-Überlastung durch zu viele Patienten gewürdigt. Auch dies könne dazu beitragen, dass das Interesse an Allgemeinmedizin bei jungen Menschen gestärkt werde.

Entwicklung in den Kliniken, Frauenanteil, niedergelassen oder angestellt: Weitere Trends und Entwicklungen in der baden-württembergischen Ärzteschaft finden Sie hier.

ak

► Stand: Juli 2020

Quelle: Landesärztekammer Baden-­Württemberg