Sterben Arthrose-Patienten früher?

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Arthrose mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert sein könnte. Umso wichtiger ist es daher Risikofaktoren, wie Bewegungsmangel und unnötigen Schmerzmittelgebrauch, so gering wie möglich zu halten. Bewegung, die richtige Ernährung und alternative Therapieoptionen können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Arthrose ist an sich keine lebensbedrohliche Erkrankung. Jedoch haben vor allem Patienten mit einer Kniearthrose im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Die häufigste Todesursache dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie eine epidemiologische Studie von fast 470.000 Menschen aus Schweden ergab.1 Demnach steigt bei Knie-Arthrose das Herztod-Risiko um fast 20 %. Auch bei Hüftgelenks­erkrankungen liegt das Sterberisiko um 13 % höher. 

Möglicherweise schadet die chronische Entzündung in den Gelenken auch dem Gefäßsystem, vermuten die schwedischen Wissenschaftler. Eine mögliche Ursache wird auch darin gesehen, dass sich Betroffene aufgrund der durch die Arthrose hervorgerufenen Schmerzen zunehmend weniger bewegen. Durch die Bewegungsarmut droht zudem ein fortschreitender Knorpelabbau, da seine Ernährung durch die mangelnde Bewegung gefährdet ist. Darüber hinaus droht eine Gewichtszunahme, die dann wiederum mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. Um die Mortalität der Arthrose-Patienten durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, sollte die Aufrechterhaltung oder Steigerung der körperlichen Aktivität verbessert werden, schlussfolgern die Autoren.

Zusätzliche Gefahr durch Schmerzmittel

Eine zusätzliche Gefahr droht durch die Nebenwirkungen der Schmerzmittel, auf die viele Arthrose-Patienten zurückgreifen. Zur wichtigsten Medikamentengruppe der Schmerzmittel gehören die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Die am häufigsten verordneten Wirkstoffe sind Diclofenac und Ibuprofen. Aber sie haben ihre Nebenwirkungen, insbesondere für Ältere, u. a. mit erhöhtem Risiko für Magen-Darmblutungen. In Europa liegt die Letalität bei 1/1220 Anwendern bei einer Einnahme über mehr als zwei Monate.2 Um das Risiko für derartige Blutungen zu senken, werden Magenschutzmittel (Protonenpumpenhemmer) eingesetzt. Leider haben diese Protonenpumpenhemmer selbst wiederum Nebenwirkungen, die sich in einem negativen Effekt auf unseren Knochenstoffwechsel äußern. 

50 % höher liegt einer Studie3 zufolge die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands bei Patienten, die Diclofenac einnehmen, im Vergleich zu Patienten, die keine Schmerzmittel zu sich nehmen. Bei Einnahme von Ibuprofen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands um 31 %. Nicht verwunderlich also, dass viele einen anderen Weg aus diesem Dilemma suchen, um ihren Körper weniger zu belasten. Es bleibt die Frage nach einer geeigneten, möglichst nebenwirkungsarmen Schmerztherapie. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bewegung.

Bewegung hält die Gelenke fit und lindert Schmerzen

Generell führt eine unzureichende Belastung der Gelenke zur Abnahme der Muskulatur und langfristig zur Schädigung des Gelenkknorpels. Sportliche Betätigung wirkt dem entgegen und hat somit auch einen positiven Effekt auf den Verlauf einer Arthrose. Die Ernährung des Gelenkknorpels wird verbessert, die das Gelenk stabilisierende Muskulatur gestärkt. Der bei Arthrose typischen „Gelenkeinsteifung“ wird entgegengewirkt.

Gefahr durch Muskelabbau

Mit zunehmendem Alter verlieren wir immer mehr an Muskelmasse. Weniger Bewegung, nicht zuletzt der Arthrose geschuldet, geringere Eiweißzufuhr, die Verlangsamung unserer Stoffwechselvorgänge und die zunehmende Übersäuerung, durch die nachlassende Nierentätigkeit bedingt, führen zwangsläufig zur Abnahme der aktiven Muskelmasse. Wir benötigen aber zeitlebens eine möglichst kräftige Muskelmasse zur Stabilisierung unserer Gelenke. Der Verlust beginnt schon etwa ab dem 30. Lebensjahr und ist zunächst gering. Er beträgt bis zum 50. Lebensjahr circa 5–10 Prozent. Bis zum 70. Lebensjahr können wir bis zu 40 % unserer Muskelmasse verloren haben. 

Was hilft gegen drohenden Muskelabbau? 

Wer eine kräftige stabile Muskulatur haben möchte, der braucht genügend Eiweiß (s. Kasten). Das ist die Grundvoraussetzung. Je höher die zugeführte Eiweißmenge, umso mehr Aminosäuren stehen zur Verfügung und werden zu körpereigenem Muskeleiweiß umgebaut. Einfach nur Eiweiß essen, um kräftige Muskeln zu bekommen, reicht jedoch nicht.  Ohne Bewegung funktioniert es nicht. Der Muskel will gefordert und beansprucht werden, sonst wächst er nicht und wird nicht gestärkt. 

Es ist nie zu spät, mit dem Kraftsport zu beginnen

Krafttraining hilft uns dem ab 50  Jahren zunehmenden Muskelabbau entgegen zu wirken. Krafttraining hilft uns uns vor Stürzen zu bewahren und Knochenbrüche zu verhindern. War Krafttraining noch vor wenigen Jahren verpönt und für viele mit Bodybuilding gleichgesetzt, hat sich diese Ansicht inzwischen komplett verändert. Eine kräftige Muskulatur sorgt auch für ein stabil geführtes Gelenk.

Wie viel Eiweiß benötigen wir täglich? 

 
  • 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht (g/kgKG) empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene bis 65 Jahre, ab dem 65. Lebensjahr 1,0 g/kgKG. Dieser Referenzwert gilt für gesunde Menschen. 
  • 1,0 bis 1,2 g/kg KG Eiweiß lautet die Empfehlung für Senioren zur Erhaltung der Muskelfunktion einer internationalen Arbeitsgruppe von Geriatern.6 Bei schwerer Krankheit und ausgeprägter Mangelernährung könnten unter Umständen sogar bis zu 2,0 g/kgKG täglich notwendig sein. 
  • 1,0 bis 1,2 g/kg KG ­Eiweiß à 30 g Protein pro Mahlzeit in Kombination mit physischer Aktivität/Krafttraining stimuliere die Muskelproteinsynthese optimal, so die Empfehlung von Osteologen.
 


Welche nebenwirkungsarmen und -freien Alternativen gibt es?

Neben der Bewegung und Kräftigung können sich auch weitere alternative Therapieoptionen positiv auf die Arthrose auswirken. Heutzutage besteht ein wachsendes Bedürfnis nach Naturheilkunde und auch in der Orthopädie sind Naturheilmittel immer mehr gefragt. Gerade bei unfallbedingten, entzündlichen und verschleißbedingten Prozessen des Stütz- und Bewegungsapparates bestehen gute Erfahrungen. Auch im Leistungssport lernt man, um nicht gegen Dopingrichtlinien zu verstoßen, mit homöopathischen oder naturheilkundlichen Mitteln zu agieren. Hier sind einige Beispiele aufgelistet:

Chondroitin und Glukosamin

Die europäische Rheumaliga (EULAR) stufte Chondroitin und Glukosamin mit dem höchsten Evidenzgrad 1A bei Kniearthrose ein.4 Durch die Therapie kann nicht nur der Knorpelstoffwechsel unterstützt, sondern auch der Schmerzmittel­bedarf reduziert werden. 

Kollagen-Hydrolysat

Ein reines Eiweiß, das für die Stabilität und den Aufbau des Knorpels von Bedeutung ist. Im Gegensatz zur normalen Gelatine ist Kollagen-Hydrolysat wasserlöslich. In Studien reduziert es bei Arthrose die Schmerzen und den Schmerzmittelbedarf. 

Vitalpilze

Vitalpilze zählen zu den ältesten Naturarzneien der Menschheit. Zur Arthrose- und Arthritisbehandlung eignen sich insbesondere die Vitalpilze Maitake, Shiitake, Reishi, Cordyceps sinensis, Agaricus blazei Murrill, Polyporus umbellatus, Pleurotus ostreatus und Hericium erinaceus. Sie enthalten für die Gelenkstruktur wichtige Vitamine, Mineralstoffe und lebensnotwendige Spurenelemente, helfen Schmerzen fast ohne Nebenwirkungen zu lindern, Schwellungen zu mindern und schmerzhafte Muskelverspannungen zu lösen.

Hyaluronsäure

Durch die intraartikuläre Injektion wird die Hyaluronsäure unmittelbar an den „Ort des Geschehens“ gespritzt und kann dort, wo sie benötigt wird, ihre Wirkung als Schmier- und Gleitmittel entfalten und die stoßdämpfende Eigenschaft des Gelenkknorpels fördern. Die Gelenk­beweglichkeit wird verbessert und der Knorpel bei Belastung geschützt. Es hemmt zudem die Aktivität der knorpelabbauenden Enzyme. Studien zeigen, dass der Einsatz von Hyaluronsäure eine Operation hinauszögern oder sogar verhindern kann. 

Kernspinresonanztherapie

Bei der konservativen Therapie hat sich inzwischen auch die schmerzfreie und nicht-invasive Kern­spinresonanztherapie (Multi-Bio-­Signal-Therapie) etabliert. Das Therapiesystem wurde entwickelt, um eine gezielte Energieübertragung in erkrankte oder geschädigte Zellen bzw. biologische Geweben zu ermöglichen. Durch diese molekulare biophysikalische Stimulation werden einerseits die Verschleiß­prozesse aufgehalten und andererseits Reparatur- und Regenerations-Prozesse erneut stimuliert. In der Folge können Schmerzen gelindert und die Bewegungsfähigkeit deutlich verbessert werden und das ohne bekannte Neben- und Wechselwirkungen.


Fazit

Durch eine gezielte sportliche Aktivität und eine Ernährungsumstellung unter Berücksichtigung einer ausreichenden Eiweißzufuhr kann eine wirksame Schmerzbekämpfung der Arthrose und ihrer Folgen erreicht werden. Der Gelenkknorpel besitzt weder Nervenzellen noch Blut­gefäße, deshalb kann er sich nicht direkt ernähren und ist auf die Diffusion von Nährstoffen angewiesen. Diese geschieht durch ein Wechselspiel von Belastung und Entlastung. Somit ist Bewegung für den Stoffwechsel des Knorpels unentbehrlich. Und so ganz nebenbei wird auch noch das Herz-Kreislaufsystem trainiert und gestärkt. Vergessen Sie nicht: 30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall.5


1 Turkiewicz A et al. Osteoarthr Cartil 2019. 27(6): 848–854. 
2 Tramer MR et al. Pain 85(1–2): 169–182.
3 Sondergaard KB et al. Eur Heart J. 2017 Jun 14;38(23):1788-1789.
4 Jordan KM, et al. Ann Rheum Dis 2003; 62:1145-55. 
5 Lancet. 2017 Dec 16;390(10113):2643-2654.
6 Bauer J et al. J Am Med Dir Assoc 2013;14:542-559.

Dr. med. Peter Krapf
Facharzt für Orthopädie, Trier
ambulantes osteologisches Schwerpunktzentrum und Naturheilverfahren, Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin BDEM
www.krapf-kaltenkirchen.de