Impfung in der Schwangerschaft: Säuglinge vor Pertussis schützen

Seit dem Frühjahr 2020 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) als Schutzmaßnahme für Säuglinge eine Impfung gegen Pertussis in der Schwangerschaft zu Beginn des dritten Trimesters (zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche (SSW)). Bei erhöhten Risiken für eine Frühgeburt sollte die Impfung schon im zweiten Trimester erfolgen.[1]

Anlässlich des FOKO 2021* plädierte Dr. med. Britta Gartner, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin vom medizinischen Fachbereich Impfstoffe bei GSK in München dafür, in der gynäkologischen Sprechstunde jeden Patientenkontakt zur Prüfung des Impfstatus zu nutzen und versäumte Impfungen gegebenenfalls nachzuholen.

Pertussis wird durch das Bakterium Bordetella Pertussis verursacht und durch Tröpfcheninfektion übertragen. Eine Erkrankung kann Wochen bis Monate andauern: es kommt oft zu sehr hartnäckigem, schmerzhaftem Husten, der die Lebensqualität stark beeinträchtigt und zu weiteren Komplikationen führen kann. Bei Säuglingen verläuft die Erkrankung oft atypisch, zum Beispiel mit Atemaussetzern und Atemstillstand, und kann potenziell lebensbedrohlich sein.

Eine randomisierte, multizentrische, Placebo-kontrollierte Phase IV-Studie mit 687 schwangeren Frauen hat gezeigt, dass eine Pertussis-Impfung mit Boostrix (Fertigspritze, 3-fach-Vakzine gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis) während der Schwangerschaft (27. bis 36. SSW) im Vergleich zu Placebo zu hohen Konzentrationen von Pertussis-Antikörpern im Nabelschnurblut führt. Die Impfung wurde dabei gut vertragen und zeigte ein akzeptables Sicherheitsprofil.2

Vermeidung von Pertussis-Erkrankungen und schweren Verläufen

Säuglinge mit Pertussis, deren Mütter während der Schwangerschaft gegen Pertussis geimpft wurden, haben ein signifikant geringeres Risiko für schwere Verläufe mit weniger Krankenhausaufenthalten und Intensivstationsaufnahmen sowie kürzere Krankenhausaufenthalte.Die Wirksamkeit einer Pertussis-Impfung zur Vermeidung von Todesfällen bei Säuglingen wird auf 95 % beziffert (95 % Konfidenzintervall, 79 %–100 %).4 Weitere Analysen zeigen, dass sich durch eine Impfung der Mutter während der Schwangerschaft zwischen 69 % und 93 % der Pertussiserkrankungen bei Neugeborenen vermeiden lassen.1

Der STIKO-Empfehlung zufolge sollten sich Schwangere unabhängig vom Abstand zur letzten Impfung in jeder Schwangerschaft erneut gegen Pertussis impfen lassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich im Blut der Mutter genug Antikörper befinden, wenn die Übertragung auf das Kind auch stattfindet.1

Insbesondere ab dem dritten Trimester (32. SSW) erfolgt ein aktiver (Pertussis)-Antikörper-Transfer (IgG-Transfer) über die Plazenta, sodass eine Impfung zwischen der 28. und 32. SSW ideal wäre, um die maxi­male IgG-Menge im Fötus zu erreichen, erläuterte Prof. Dr. med. Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Durch die Impfung der Mutter übertragen sich die schützenden Antikörper auf das noch ungeborene Kind und bauen einen Nestschutz auf, der ab der Geburt wirkt.

Laut weiteren Empfehlungen der STIKO sollten enge Kontaktpersonen, wie Eltern, Hebammen, Großeltern, Geschwister, Freunde sowie Betreuende (z. B. Tagesmütter, Babysitter) eines Neugeborenen spätestens vier Wochen vor Geburt des Kindes ebenfalls eine Pertussis-Auffrischung erhalten, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt.1

Fazit

Die Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft ist eine wichtige Strategie zur Verringerung der Morbidität und Mortalität von Säuglingen durch Pertussis, schlussfolgerte Prof. Louwen.


Dr. rer. nat. Christine Willen


* Digitales Symposium „Gynäkologie und Prävention: Der Gynäkologe als Impfarzt (nicht nur) der Frau“, 06.03.2021 im Rahmen des FOKO. Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
 

Literatur

1 RKI. Epidemiologisches Bulletin, 13/2020, 26. März 2020. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/13_20.pdf?__blob=publicationFile.

2 Perrett KP et al. Vaccine 2020;38:2095-2104.

3 Winter K, Cherry JD, Harriman K. Clin Infect Dis 2017; 64(1): 9-14.

4 Amirthalingam G et al. Clin Infect Dis 2016; 63: 236-43.


Mit freundlicher Unterstützung durch die GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG

 

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