Migränetherapie beim Hausarzt: Nicht-medikamentös geht vor

Kopfschmerzen sind heutzutage eines der Hauptthemen in der Hausarztpraxis, weshalb PatientInnen medizinischen Rat suchen. Dabei ist wichtig, dass es „normale” Kopfschmerzen nicht gibt, eine diagnostische Abklärung somit nötig wird. Neben dem sogenannten Clusterkopfschmerz ist vor allem die Migräne weit verbreitet.

Bei der Migräne wird die episodische Migräne von der chronischen Form unterschieden. Episodisch ist die Migräne immer dann, wenn es sich um mindestens fünf Episoden handelt, bei denen die Kopfschmerzattacken unbehandelt oder erfolglos behandelt zwischen 4 und 72 Stunden andauern. Der Migränekopfschmerz ist zudem häufig einseitig lokalisiert und von pulsierendem Charakter. Übelkeit und Erbrechen können auftreten, zusätzlich besteht in einigen Fällen eine Photo- und Phonophobie.

Davon abzugrenzen ist die chronische Migräne, bei der der Kopfschmerz an mehr als fünfzehn Tagen über drei Monate hinweg auftritt und die mit Aura-Erscheinungen verbunden sein kann.

Diagnostisch ist bei der überwiegenden Zahl der Migräne-PatientInnen das Kopfschmerzprotokoll hinreichend zielführend. Eine gesonderte Bildgebung wird zudem lediglich empfohlen bei einem auffälligen neurologischen Befund, bei Risikofaktoren (Tumorerkrankung, HIV-Infektion, wiederholtes Schädeltrauma, Meningitis) sowie bei einem plötzlich auftretenden oder sich immer weiter verstärkenden Kopfschmerz.

Therapieoptionen bei Migräne

„In der Akutphase der Migräne sollten Hausärztinnen und Hausärzte zwei wesentliche Grundsätze beachten”, so Frau Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Kopfschmerz- und Schwindelzentrums an der Klinik für Neurologie des Essener Universätatsklinikums anlässlich des Hausarzt-Tages 2019 am 14. August in Frankfurt, „Zum einen stehen nicht-medikamentöse Ansätze, wie z. B. die Lärmvermeidung, Stressreduktion oder das Sich-Hinlegen, je nach Möglichkeit an erster Stelle der Therapieauswahl. Zum anderen haben Opiate als Schmerzmittel in der Akuttherapie der Migräne nichts verloren.”

Den Erfolg der Akuttherapie messen PatientInnen anhand einer schnellen Schmerzstillung, Erwartungen, die sich nicht immer erfüllen lassen. Doch als eine Faustregel gilt, dass mittelschwere bis schwere Kopfschmerzen innerhalb von zwei Stunden kupiert oder zumindest zu einem leichten Kopfschmerz abgemildert worden sein sollen. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Ansprechrate für die Akutmedikation lediglich bei etwa 50-80% liegt.Dies bedeutet, dass Sie nicht allen PatientInnen in der Akutsituation werden helfen können.

Bewährte Schmerzmedikamente in der Migräne-Akuttherapie sind beispielsweise die Triptane. Diese wirken sehr spezifisch in der Schmerzstillung bei Migräne, sind aber dennoch kein Diagnostikum. Darüber hinaus sind Triptane nicht ohne Nebenwirkungen, welche sich z. B. in Form von Benommenheit oder Müdigkeit zudem nur schlecht von Migränesymptomen abgrenzen lassen.

Wichtig: Insofern nach Erstgabe eines Triptans keine Besserung des initialen Schmerzes eintritt, ist eine zweite Dosis des Medikaments nicht sinnvoll.

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  • Münster, 14. September 2019

  • Hamburg, 21. September 2019

  • Stuttgart, 28. September 2019

  • Leipzig, 20. November 2019

  • Potsdam, 30. November 2019

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Rolle der Migräne-Prophylaxe

Da Akutmedikamente in der Migränebehandlung bei übermäßiger Anwendung auch selbst Kopfschmerzen hervorrufen können, sollte im Sinne der PatientInnen zuerst ein nicht-medikamentöser Therapieansatz angewendet und nur, wenn dieser nicht ausreicht, auf Medikamente zurückgegriffen werden.

Daneben ist gemeinsam mit den betroffenen Migräne-PatientInnen über die Möglichkeit der Prophylaxe zu sprechen. Als Grundsätze hierfür haben sich in der Praxis bewährt:

  • Die Prophylaxe gilt als wirksam, wenn die Anzahl der Migräneattacken mindestens um 50% reduziert wurde.
  • Prophylaxemaßnahmen wirken frühestens nach sechs Wochen.
  • Prophylaxe ist nicht nebenwirkungsfrei.
  • Die richtige Dosierung zur Migräneprophylaxe ist langsam aufzutitrieren.

Die medikamentöse Migräneprophylaxe ist beispielsweise indiziert, wenn:

  • PatientInnen unter mehr als drei Attacken pro Monat leiden,
  • die Dauer einer Attacke stets länger als 72 Stunden ist,
  • die Akuttherapie versagt,
  • an mehr als 10 Tagen pro Monat Akutmedikamente eingenommen werden müssen,
  • die Schmerzattacken gemeinsam mit schweren oder lang anhaltenden Auren auftreten.

Wichtig: Eine medikamentöse Prophylaxe ist kein Heilungsansatz bei Migräne und sollte auch keine Dauerbehandlung sein, sondern zeitlich begrenzt, denn es treten auch in der prophylaktischen Migränetherapie Nebenwirkungen auf.

Das Wichtigste kurz

  • Denken Sie bei Kopfschmerzen immer auch an symptomatische Ursachen, die sogenannten „geistigen Red flags”, denn diese bedingen in der Differenzialdiagnose auch eine Bildgebung.
  • Die Basis einer jeden guten Migränebehandlung ist und bleibt der nicht-medikamentöse Ansatz.
  • PatientInnen, die zu häufig auf die Akutmedikation zurückgreifen, haben ein höheres Risiko für einen medikamentenbedingten Kopfschmerz.
  • Da ebenso eine medikamentöse Prophylaxe Nebenwirkungen verursacht, erfolgt die Auswahl des geeignetsten Medikamentes immer anhand der zu erwartenden Nebenwirkungen und möglichen Kontraindikationen.

 

Dr. rer. nat. Marcus Mau

Quelle: Dagny Holle-Lee. Migränebehandlung in der Hausarztpraxis. Hausarzt-Tag 2019, Frankfurt

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