Naturheilkundliche Behandlung der Psoriasis

Bei der Psoriasis handelt es sich um eine Erkrankung, die sehr stark vom Lebensstil des Patienten beeinflusst wird. Dies birgt große Chancen für den behandelnden Arzt. Er kann die Situation seines Patienten mit Tipps für den Alltag erheblich verbessern und muss dadurch möglicherweise weniger auf medikamentöse Therapien zurückgreifen, die Nebenwirkungen mit sich bringen können. Dermatologin Dr. Yael Adler, Berlin, gibt dazu einen Einblick in naturheilkundliche Ansätze zur unterstützenden Behandlung der Schuppenflechte.


Welche ­Herausforderungen birgt die Therapie der Psoriasis?

Als erstes muss ich den Schweregrad der Psoriasis genau einschätzen. Tritt sie nur an einzelnen Stellen auf oder befällt sie die gesamte Haut? Ist der Patient sichtbar beeinträchtigt? Ist seine Lebensqualität eingeschränkt? Sind auch seine Nägel befallen oder sogar seine Gelenke?

Es ist immer sinnvoll, nicht nur zu ­Medikamenten zu greifen, sondern gerade bei der Behandlung der ­Schuppenflechte auch den Lebensstil des Patienten mit ­einzubeziehen.

Was kann der Patient in puncto Ernährung, Bewegung, Pflege und Psyche verbessern, um Medikamente einzusparen? Da eine medikamentöse Therapie oft nicht frei von Nebenwirkungen ist, gilt es abzuwägen, was ich meinem Patienten zumuten kann. Ist sein Leidensdruck so groß, dass eine schnelle Wirkung erzielt werden muss? Besteht gar die Gefahr, dass es zu einer chronischen Entzündung im Körper kommt, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht? Dann kommt eine schnell wirksame medikamentöse Therapie in Frage. Eine Änderung des Lebensstils hingegen erfordert etwas mehr Geduld, bis sich die positiven Effekte bemerkbar machen.


Was macht alternative Therapieoptionen für Arzt und Patienten so interessant?

Alternative Behandlungsmethoden sind wichtig, da Psoriasis durch zivilisatorische Einflüsse wie beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel oder Stress verschlechtert werden kann. Auch eine nicht ausgewogene Ernährung oder eine verschobene Darmflora können die Schuppenflechte negativ beeinflussen. Es kommt zu einem Mangel an Mikronährstoffen. Der Arzt sollte die Chance wahrnehmen, diese Aspekte gemeinsam mit seinem Patienten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Davon profitiert dann nicht nur die Haut, sondern der ganze Organismus.


In welchen Bereichen setzen alternative Behandlungs­methoden an?

Mikronährstoffe

Ernährung bei PsoriasisAntientzündliche Mikronährstoffe und eine gesunde Darmflora können die Psoriasis-Therapie unterstützen:

♦ Omega-3-Fettsäure-haltige Lebensmittel, z.B. fettreicher Fisch (Hering, Makrele, Lachs), Raps-, Walnuss-, Soja- und Leinöl
eiweißreiche Kost, z.B. Nüsse und Milchprodukte

♦ ballaststoffreiche Nahrung wie Vollkornprodukte, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Obst

♦ probiotische Lebensmittel, z.B. unpasteurisiertes Sauerkraut und griechischer oder bulgarischer Joghurt

Man weiß, dass ein Mangel an Vitamin D3 Schuppenflechte verstärkt, da die Entzündungsaktivität in der Haut gesteigert ist. Ein ausreichender Vitamin D3-Spiegel kann die Psoriasis also eindämmen. Außerdem spielen auch Omega-3-Fettsäuren eine entscheidende Rolle, da sie eine anti­entzündliche Wirkung entfalten. Omega­-6-Fettsäuren hingegen fördern Entzündungsreaktionen. Man nimmt an, dass in der Nahrung des Steinzeit-Menschen das Verhältnis von Omega-3- zu Omega­-6-Fettsäuren bei 1:1 lag. Heute liegt dieses eher bei 1:10 bis 1:20 – das Verhältnis hat sich also wesentlich zu Ungunsten der antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren verändert. Mit einer erhöhten Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren können die entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren verdrängt werden. Dies empfiehlt sich für Psoriasis-Patienten also ebenso wie eine Substitution mit Vitamin D3. Viele andere Mikronährstoffe wie die B-Vitamine, Selen, Eisen und sekundäre Pflanzenstoffe wirken ebenfalls antiinflamma­torisch und können das Krankheitsbild der Schuppenflechte verbessern. Es ist also essenziell, dass Psoriasis-Patienten diese genannten Mikronährstoffe ausreichend aufnehmen. Optimalerweise sollte man den Spiegel im Blut vor einer etwaigen Substitution bestimmen.

Fehlt dem Körper Zink, das an der Aktivität von über 300 Enzymen beteiligt ist, kann dies zu rauer Haut und Wundheilungsstörungen führen. Auch Aminosäuren spielen eine entscheidende Rolle, denn sie gehen durch den erhöhten Zellumsatz bei Psoriasis verloren. Eine eiweißreiche Kost kann diesem Verlust entgegenwirken. Insgesamt sollte die Ernährung pflanzen­basiert sein; Zucker, Alkohol, Weißmehl und Fastfood sind zu vermeiden.

Darmflora

Der Darm ist eng mit dem Immunsystem verbunden. Die Darmflora hilft dem Körper beispielsweise, Entzündungen zu bekämpfen. Verschiebt sich die Zusammensetzung der Mikroben im Darm, werden Toxine frei, die die Haut von innen reizen und die Schuppenflechte verschlimmern können. Molekulargenetische Stuhluntersuchungen ermöglichen eine Analyse des Bakteriengleichgewichts im Darm. Eine ballaststoffreiche Ernährung sowie probiotische Lebensmittel können die Darmflora positiv beeinflussen und das Immunsystem stärken.

Kann der Patient diese Ernährungsgewohnheiten nicht in den Alltag integrieren, lohnt es sich ihm Nahrungsergänzungsmittel mit Ballaststoffen oder Bakterienkulturen zu empfehlen. Jeder Mensch bringt zwar eine genetische Veranlagung für seine Darmflora mit, jedoch hat die alltägliche Ernährung einen zusätzlichen großen Einfluss. Es lohnt sich also, dort anzusetzen und den Fokus auf der Darmflora als eine Stütze der naturheilkundlichen Behandlung bei Psoriasis zu betrachten. Eine gesunde Darmflora beherbergt Bakterien, die Vitamine produzieren und bei der Resorption der Nahrung und damit der Versorgung mit wertvollen Mikronährstoffen unterstützen.

Hautpflege

Die Haut von Psoriasis-Patienten bedarf einer besonderen Pflege. Denn sie ist entzündet, verliert über die zerstörte Barriere viel Feuchtigkeit und neigt damit zur Austrocknung. Jeder Reiz, wie Austrocknung, bakterielle Infekte, aber auch Reibung, kann die Schuppenflechte verstärken. Daher ist es wichtig, die Haut nicht zu stark zu reinigen, am besten sogar nur mit Wasser anstelle von alkalischer Seife, die den Säureschutzmantel zerstören kann. Zum Reinigen schwitziger Stellen sollten ­Psoriasis-Patienten nur zu milden natürlichen Varianten wie Kokos- oder Zuckertensiden mit saurem pH-Wert greifen. Diese sind ohne Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe erhältlich und schäumen nicht. Fettcremes oder -­salben – gern auch mit Urea – schützen vor Austrocknung.

Die ayurvedische Medizin bietet interessante Produkte mit positiven Effekten auf die Schuppenflechte. So haben sich z. B. die Wirkstoffe Neem (Azadirachta indica), Kurkuma (Curcuma longa), Sweet Indrajao (Wrightia tinctoria) und Manjistha (Rubia cordifolia) bewährt. Durch Mischungen mit Kokosöl, Sheabutter oder Paraffin wird eine fettige Grundlage geschaffen, die diese Kräuterwirkstoffe tief in die Haut hineindrängen. Sie wirken anti­entzündlich, milieustabilisierend und zeigen damit bei vielen Patienten erstaunlich gute Wirkungen. Ich sehe darin sehr gute und verträgliche Alternativen zu Cortison und anderen rezeptpflichtigen Cremes.


Für wen sind die naturheil­kundlichen Ansätze geeignet?

Prinzipiell ist es bei jedem Psoriasis-­Patienten sinnvoll, ihn als Basis einer Therapie bei einem Lebensstil zu unterstützen, der sich positiv auf die Erkrankung auswirkt. Wichtig ist es dabei, die individuelle Ausprägung und Wahrnehmung der Erkrankung nicht aus den Augen zu verlieren. Ist er beispielsweise von Psoriasis-Arthritis betroffen, kann ich ihn auch mit Naturheilkunde langfristig sehr gut unterstützen. Um sein Leid kurzfristig zu mindern, kann es aber trotzdem sinnvoll sein, zu stärkeren medikamentösen Mitteln zu greifen.


Wie offen sind Ihre Patienten ­gegenüber alternativen Therapien?

Manchmal muss man in der Kommunikation viel Geduld aufbringen. Problematisch wird es vor allem, wenn sich der Patient gewisse Produkte nicht leisten kann. Denn in der Regel werden die hier genannten naturheilkundlichen Produkte nicht von der Krankenkasse bezahlt. Gerade Pflegemittel für Schuppenflechte sind oft sehr teuer.

Jeder Patient ist aber froh, wenn sein Arzt ihm einen Weg aufzeichnet, der ihm Leid nimmt und ihn dabei möglichst wenig belastet. Die naturheilkundliche Behandlung kann bei Psoriasis genau das leisten.


Interview: Dr. Katharina Thier


Buchtipp

Darüber spricht man nicht

Als Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten ist Yael Adler fast täglich mit Tabuthemen ihrer Patienten wie Inkontinenz, Erektions­störungen, Unfällen mit Sexspielzeug oder Körpergeräuschen konfrontiert. In ihrem neuen Buch erzählt sie unverkrampft, humor- und verständnisvoll von allen Tabuzonen und Tabuthemen des menschlichen Körpers. Ein Buch das informiert, unterhält und allen aus der Seele spricht.

Yael Adler, Darüber spricht man nicht, 368 Seiten, 16,99 Euro, ­ISBN: 978-3-426-27751-5, Droemer HC


Dr. med. Yael Adler
Dermatologin, Berlin

Privatpraxis für Dermato­logie, Phlebologie, Allergie-­Diagnostik und Therapie, Lasermedizin, Ernährungs­medizin (DGEM)
www.yael-adler.de