Personalisierte Prävention mithilfe digitaler Tools

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheitsförderung auszubauen und die Prävention zu stärken. Hierfür ist 2015 das Präventionsgesetz in Kraft getreten. Ärzte sind aufgrund ihrer Qualifikation und des vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses besonders geeignet eine primärpräventiv orientierte Begleitung ihrer Patienten zu leisten. Medizinische Fachgesellschaften sehen Potenzial in digitalen Anwendungen, damit sich Prävention künftig am individuellen Risiko des Patienten orientieren und Präventionsforschung systematisch betrieben werden kann.

 

Die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten ist individuell sehr unterschiedlich. „Aktuell tragen wir bei Fragen der Prävention viel zu wenig der Tatsache Rechnung, dass das Risiko für die Entwicklung gerade der vielen ernährungsabhängigen Krankheiten von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist“, sagte Prof. Dr. med. Frank Lammert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Ein Beispiel dafür, dass Genvarianten das individuelle Erkrankungsrisiko eines Patienten codieren, ist die Wirkung von Alkohol. Es bestehe individuell eine unterschiedliche Veranlagung, ab welcher Menge und in welchem Ausmaß es zu alkoholbedingten Organschäden komme, erläuterte Prof. Dr. med. Christian Trautwein, Mediensprecher der DGVS.

Um Prävention gezielt einzusetzen, sei es zentral, das Risiko des einzelnen Patienten genauer zu beziffern und individualisierte Risikoprofile auf Basis molekularer Erkenntnisse zu erstellen. Das würde auch die Motivation der Patienten für Präventionsmaßnahmen erhöhen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur personalisierten Prävention sei die digitale Patientenakte, die medizinische Daten des Patienten umfasst. „Der Datenschutz muss von der Politik im Sinne der Bürger, heutiger und künftiger Patienten weiterentwickelt werden“, so Lammert.

Mustererkennung von Diabetes-Subtypen

Um die gesundheitsrelevanten Daten jedoch sinnvoll nutzen zu können, möchte das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) die Erkrankung Diabetes in einer neuen Dimension erforschen. Wertvolle Patientendaten aus Multicenterstudien, Kohorten, präklinischen Daten und epidemiologischen Langzeitstudien sollen mithilfe neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wie Artificial Intelligence und Machine Learning analysiert werden. So sollen in den Gesundheitsdaten Muster erkannt werden, wie Diabetes-Subtypen, um künftig geeignete personalisierte Präventions- und Therapiemaßnahmen anbieten zu können. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht 2017 des DZD hervor.

Barrierefreie Apps

Der Digitalisierung gehört auch in der Augenheilkunde die Zukunft. Der Patient wird dabei eine aktive Rolle spielen, indem er etwa Apps für Untersuchungszwecke oder zur Behandlungskontrolle nutzt. Damit auch sehbehinderte Menschen davon profitieren können, fordern die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. Barrierefreiheit für diese Anwendungen. Wichtig für Patienten seien unter anderem die richtige Schrift­art, eine verstellbare Schriftgröße und ein ausreichender Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund.

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e. V.
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft