Weniger Schlaganfälle durch TAVI-Eingriffe

Neue Studienergebnisse zeigen nachdrücklich, dass die kathetergestützte Therapie der Aortenklappenstenose (TAVI) nun auch für Patienten mit niedrigem Operationsrisiko der Goldstandard ist. Viele Komplikationen – vor allem Schlaganfälle – treten nach TAVI signifikant seltener auf als nach einem chirurgischen Aortenklappenersatz.

 

Seit über 13 Jahren setzen Kardiologen Aortenklappen per Katheter ein und haben das Verfahren über die Jahre stetig optimiert. Was zu Beginn noch als einzige und letzte Lösung für Patienten galt, die ein zu hohes Risiko für eine Operation am offenen Herzen hatten, ist inzwischen zur Standardprozedur für Patienten mit mittlerem und hohem Risikoprofil geworden. Bei Kongress des American College of Cardiology wurden die lange erwarteten Ergebnisse des Evolut Low Risk Trials und der PARTNER 3-Studie präsentiert.

Tod, Schlaganfall und Rehospitalisierung um fast 50 % gesenkt

Die Ergebnisse sind eindeutig, vor allem in der PARTNER 3-Studie, die den Marktführer unter den von Kardiologen eingesetzten Transkatheterklappen, die Sapien 3-Prothese, untersuchte. Als primärer Endpunkt galt in der Studie eine Kombination aus Tod, Schlaganfall oder Rehospitalisierung nach 12 Monaten. Der Endpunkt trat nur bei 8,5 % der TAVI-Patienten ein, jedoch bei 15,1 % der Patienten, die einer chirurgischen Prozedur unterzogen wurden. Dies bedeutete ein um 46 % geringeres Risiko für die TAVI-Gruppe, dass eines der im Endpunkt formulierten Ereignisse eintrat.


„Wenn bei einem Patienten in der Frühphase nach dem Eingriff so harte Endpunkte wie Schlaganfall oder Tod signifikant selten eintreten, ist das ein mehr als überzeugendes Argument für die TAVI-Methode der Kardiologen“, sagt Prof. Dr. Helge Möllmann, stellvertretender Sprecher der DGK-Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie (AGIK).


Nicht mehr Schrittmacherimplantationen

Die PARTNER 3-Studie liefert zudem ein überraschendes Ergebnis, das für die kardiologische Methode des Aortenklappenersatzes spricht: Es zeigte sich im Vergleich zwischen TAVI und AKE kein statistisch signifikanter Unterscheid in der Rate der nach dem Eingriff erforderlichen Schrittmacherimplantationen. Dieser Wert war zwar im Evolut Low Risk Trial bei TAVI erhöht, jedoch ging dies nicht mit einer Zunahme von behindernden Schlaganfällen oder mit mehr Todesfällen einher.

Keine Hinweise auf kürzere Haltbarkeiten der TAVI-Klappen

Als Argument gegen TAVI als Verfahren der Wahl wird immer wieder vorgebracht, dass die bei diesem Verfahren implantierten Klappenprothesen weniger lang haltbar seien als chirurgisch eingesetzte Klappen. Doch diesen Verdacht kann Prof. Möllmann ausräumen: „Es existieren belastbare Langzeitdaten, die bis zu zehn Jahre zurückreichen. Sie zeigen nicht den kleinsten Anhaltspunkt für eine frühzeitigere Degeneration der Klappen.“1

Richtlinie anpassen

Die neuen Daten bestätigen ohnehin, was in Deutschland längst Versorgungsrealität ist. Ein nicht unerheblicher Teil der mit TAVI behandelten Patienten sind schon jetzt der Niedrig-Risiko-Gruppe zuzuordnen, wie eine Auswertung des Deutschen Aortenklappenregisters GARY zeigt.


„Es gibt viele Faktoren, die nicht in die üblichen, standardisierten Risiko-Scores einberechnet werden können, in den lokalen Herzteams aber die Entscheidung zugunsten einer TAVI ausfallen lassen, beispielsweise, wenn ein Patient vorgealtert ist. Die Daten spiegeln also wider, was wir im klinischen Alltag schon erleben“, 
erklärt Prof. Möllmann.


Für die Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses zu TAVI sollten sich daraus folgende Änderungen ergeben: Zum einen müssten die Altersgrenzen kritisch hinterfragt werden. Es ist aufgrund der belastbaren und brandaktuellen Daten naheliegend, die Altersgrenze von momentan 75 Jahren auf 70 zu senken. Außerdem sollte die TAVI, sofern Sie anatomisch gut durchführbar ist, als Standardbehandlung erwogen und der chirurgische Klappenersatz bei Patienten ab 70 nur als Alternative in Erwägung gezogen werden.

1. Blackman et al, J Am Coll Cardiol. 2019 Feb 12;73(5):537-545.

Quelle: Pressetext DGK 04/2019