Ja, es gibt berechtigte Kritik:
Was wir kritisieren, ist die strukturelle Asymmetrie: Während niedergelassene Praxen ab Herbst zur Befüllung verpflichtet sind, bleibt die technische Umsetzung in vielen Krankenhäusern weiterhin lückenhaft. Sanktionen greifen dort erst deutlich später. Solche Schieflagen werden in der öffentlichen Debatte kaum thematisiert. Dabei sind gerade Klinikberichte und Entlassdokumente für die ePA essenziell – insbesondere bei komplexen Krankheitsverläufen.
Auch der häufig formulierte Vorwurf mangelnder Patientenaufklärung greift aus unserer Sicht zu kurz. Selbstverständlich können Krankenkassen mehr tun. Aber wir Ärztinnen und Ärzte genießen in Deutschland das höchste Vertrauen. Wenn wir selbst verstehen, wie die ePA funktioniert, können wir sie unseren Patientinnen und Patienten verständlich erklären – und gemeinsam nutzen.
Geduld, Gestaltung und der Blick nach vorn:
Eine Reise nach Rom und der Blick auf das traditionsreiche Krankenhaus „Fatebenefratelli“ inspirierte uns zu folgenden Gedanken: Medizin ist ein langfristiger Prozess – sie baut auf Vertrauen, Erfahrung und ständiger Weiterentwicklung. Und so wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, ist auch die ePA ein Prozess. Sie wird mit jedem Beitrag besser. Wir Ärztinnen und Ärzte sind jetzt gefragt, diesen Weg mitzugestalten.
Für uns ist die ePA kein abgeschlossenes System, sondern eine Infrastruktur im Aufbau – und damit eine Gestaltungsaufgabe für die gesamte Ärzteschaft. Wir können weiter darüber sprechen, was nicht funktioniert. Oder wir können dafür sorgen, dass es funktioniert. Wir haben uns entschieden.
Ihre
Julia und Stefan Spieren
Arztpraxis Spieren & Kollegen, Wenden
Ärztliche Leitung des Digitalen Facharzt- und Gesundheitszentrums (DFGZ), Olpe