11 Fragen zur Menstruationstasse

Menstruationstassen werden immer beliebter. Viele Frauen erwarten, dass sich auch ihr Frauenarzt/ihre Frauenärztin mit dem Thema auskennt und hierzu beraten kann. Auch Dr. Eva Neunhoeffer, niedergelassene Gynäkologin aus Tübingen, wird in ihrer Praxis immer häufiger mit Fragen zur Tampon-Alternative konfrontiert. Die Expertin hat auf dem FOKO 2019 ihre Erfahrungen zur Beratung der Menstruationstasse zusammengefasst. Hier sind ihre Antworten auf 11 häufige Fragen.

1. Was ist eine Menstruationstasse?

Die Menstruationstasse wird zum Auffangen des Menstruationssekrets verwendet. Sie wird wie ein Tampon in die Scheide eingeführt, aber nach dem Entnehmen nicht entsorgt, sondern geleert, ausgewaschen und wiederverwendet. Einige Hersteller sprechen bei richtiger Anwendung von einer Lebensdauer von bis zu zehn Jahren.

Der Gedanke der Menstruationstasse ist nicht neu. Schon 1867 gab es in den USA die Idee des Menstruationsbechers. 70 Jahre später hat Leona Chalmers ein Patent eingereicht, welches man als „Ur-Tasse“ ansehen kann. Die Tasse fand damals wenig Akzeptanz, wahrscheinlich aus gesellschaftlichen Gründen, aber auch weil das Material noch nicht ausgereift war.

Mittlerweile gibt es einige Firmen, auch in Deutschland, die den wiederverwendbaren Menstruationsartikel vertreiben. Die Tassen sind im Internet und mittlerweile auch in Drogerien und Apotheken erhältlich.

2. Wie ist eine Menstruationstasse aufgebaut?

Die meisten Tassen haben im oberen Bereich einen verstärkten Rand. Dieser hilft dabei, dass die Tasse nach dem Zusammendrücken in ihre ursprüngliche Form zurück gelangt. Zudem weisen einige Tassen kleine Luftlöcher auf, die helfen das Vakuum beim Entfernen zu lösen. Am unteren Rand befindet sich ein „Stiel“, der dabei hilft, die Tasse wieder zu entfernen. Insgesamt erinnert die Form an eine umgedrehte Zipfelmütze.

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Formen, Größen, Farben und Materialien. Die meisten bestehen aus medizinischem Silikon, aber es gibt auch Produkte aus Latex oder anderen Kunststoffen.

3. Wie wird sie angewendet?

Die Tasse hat einen relativ großen oberen Durchmesser und muss erst scheideneingängig gemacht werden. Dazu gibt es verschiedene Falttechniken. Die netteste heißt Origami-Technik. Hierdurch kann man den Durchmesser deutlich verringern.

Nachdem sich die Tasse in der Scheide wieder entfaltet hat, sollte man prüfen, ob sie richtig sitzt. Hierzu kann man mit dem Finger um die Tasse herumfahren oder sie leicht drehen. Die Tasse sollte im unteren bis mittleren Scheidengewölbe sitzen. Wenn man sie nicht mehr spürt und der Stiel nicht mehr sichtbar ist, sitzt sie richtig. Die Tragedauer ist abhängig von der Blutungsstärke und der Größe der Tasse (Volumen von 15 ml bis 50 ml). Zum Herausnehmen wird die Tasse am unteren Drittel etwas zusammengedrückt, um das Vakuum zu lösen und nach unten herausgezogen.

4. Welche Hygienemaßnahmen  sollten beachtet werden?

Während der gesamten Anwendung ist auf sorgfältige Händehygiene zu achten. Die Reinigung im Alltag erfolgt mit lauwarmem Wasser und einer milden Seife. Vor der Anwendung und nach jeder Blutungsperiode sollte die Tasse sterilisiert werden. Dies kann z.B. im Kochtopf mit Hilfe eines Schneebesens (so berührt die Tasse nicht die Wand) oder in extra dafür zu kaufenden Bechern erfolgen.

5. Worauf sollte man achten?

Ich bin für das Thema sehr offen und spreche die Patientinnen darauf an, wie sie sich das Entleeren und Reinigen auf einer öffentlichen Toilette vorstellen. Hierzu findet man eine Reihe fragwürdiger Tipps im Internet z.B. eine Wasserflasche zum Ausspülen mit auf die Toilette zu nehmen oder ein Feuchttuch oder Toilettenpapier zu verwenden. Da die Tasse eine lange Liegedauer hat, kann bei Frauen mit nicht sehr starker Periode der „Tassenwechsel“ außerhalb von zu Hause meist vermieden werden.

Zudem kann es Zeit und Mühe kosten bis man die richtige Tasse gefunden hat und damit zurecht kommt. Das Handling erfordert mehr Kenntnis über den eigenen Körper und mehr Geschicklichkeit als die Anwendung von Tampons. Nicht alle Frauen kommen damit gleichermaßen gut zurecht.

6. Welche Tasse ist die richtige?

Die Auswahl der Tasse hängt von der Blutungsstärke ab, dem Körperbau und der Parität. Im Internet gibt es sogenannte Tassenfinder, die verschiedene Parameter abfragen und eine Tassengröße vorschlagen. Viele Frauen probieren zwei bis drei Tassen aus, bis sie die richtige Größe gefunden haben.

7. Was ist mit Virgo intacta?

Die kleinsten Tassen lassen sich maximal auf die Größe des größten Tampons zusammendrücken. Im Internet heißt es, Virgo intacta dürfen sie benutzen. In einigen Beipackzetteln wird auf die Möglichkeit der Defloration aufmerksam gemacht (die meisten greifen dieses Thema gar nicht auf). Für eine zierliche 14- bis 15-Jährige eignet sich die Tasse eher nicht so gut, außer vielleicht für Mädchen, die sich gut entspannen können.

8. Warum werden Menstruationstassen immer beliebter?

In den letzten 10 bis 15 Jahren verzeichnen sie deutlich steigende Marktanteile und Verkaufszahlen. Einen Teil dazu beigetragen haben wahrscheinlich die sozialen Medien. Hier tauschen sich Frauen über die Tampon-Alternative in Blogs oder bei Facebook aus. Zudem nutzen Hersteller Influenze­­­­rinnen, um die Verkaufszahlen zu steigern.

Auch der ökologische und ökonomische Aspekt spielt für viele Frauen eine immer größere Rolle. Auf einigen Herstellerseiten finden sich Angaben, dass Frauen im Laufe ihres Lebens 12.000 Mens­truationshygieneartikel verbrauchen, was natürlich entsprechende Kosten und eine hohe Müllproduktion mit sich bringt. Ob die Tasse wirklich auf längere Sicht günstiger ist, hängt natürlich vom Verhalten der Frauen ab, z. B. wie viele Tassen getestet werden. Zudem gibt es in Drogerien mittlerweile viele Pflegeprodukte wie Waschgels, Tücher oder Bürstchen, für die man Geld ausgeben kann.

9. Wie hoch ist das Risiko für das Toxic Shock Syndrom (TSS)?

Es gab einen gesicherten Fall, über den in einem kanadischen Journal berichtet wurde.1 Hier zeigte eine Frau zehn Tage nach Erstanwendung das Vollbild eines TSS. Ursache war vermutlich eine Läsion, die die Frau beim Einführen der Tasse selbst verursacht hat.

Im Sommer 2018 hatte eine französische Arbeitsgruppe verschiedene Tassen und Tampons im Hinblick auf toxinbildendes Staphylococcus aureus untersucht.2 In den Tassen war ein höheres Bakterienwachstum und eine erhöhte Toxinproduktion nachweisbar. Insgesamt gibt es aber momentan keinen Anhaltspunkt für ein erhöhtes Risiko für ein TSS bei den Tassen. In diesem Zusammenhang gilt die gleiche Menstruationshygiene wie für Tampons. Die Tassen sollten regelmäßig „gewechselt“ und die Hände gründlich gewaschen werden.

10. Kann es zu Problemen mit der Spirale kommen?

Es gibt Berichte, dass bei Tassenanwende­rinnen die Spirale nach unten gezogen werden (dislozieren) oder sogar herausrutschen kann. Ein Zug am Spiralenfaden kann entstehen, wenn die Tassen zu tief eingeführt werden. Unsere Konsequenz ist, die Patientinnen beim Legen der Spirale aufzuklären und zumindest bei Tassenanwenderinnen den Faden sehr kurz abzuschneiden.

11. Können Tassen „verloren“ gehen?

Ja, es kommt immer mal wieder vereinzelt vor. Wir hatten in den letzten drei Monaten drei „lost moon cups“. Zwei der Patientinnen hätten mit etwas Mut und Probieren die Tasse bestimmt selbst entfernen können. Sie haben sich als Anfängerinnen aber nicht getraut. Die dritte Patientin hatte eine auch von uns schwierig zu entfernende Tasse, die keine Löcher zum Lösen des Vakuums hatte (die Firma wirbt mit gutem Sitz auch bei Aktivität und Sport). Alle diese „lost moon cups“ waren zu tief eingeführt.

Zusammenfassung

Menstruationstassen...

  • sind geeignet für Frauen, die ein gutes Körpergefühl haben und die es nicht abschreckt, blutige Finger zu bekommen.
  • sind eher nicht geeignet für Virgo intacta, die schmal gebaut sind.
  • können auch beim Sport oder in der Sauna getragen werden.

Darauf aufmerksam machen, dass...

  • möglichweise verschiedene Tassen getestet werden müssen und der Umgang erlernt werden muss.
  • eine Reinigung auf öffentlichen Toiletten stattfinden kann und hier die Hygiene eingehalten werden muss.
  • generell auf eine gute Hygiene zu achten ist.
  • der Sitz der Spirale beeinträchtigt werden kann (Faden kürzen).
  • Momentan ist kein erhöhtes TSS-Risiko bekannt, daher kann der Patientin empfohlen werden, die Tasse auszuprobieren.

1 Mitchell MA et al., Can J Infect Dis Med Microbiol. 2015 Jul-Aug; 26(4): 218–220.
2 Nonfoux L et al., Appl Environ Microbiol. 2018 Apr 20. pii: AEM.00351-18. doi: 10.1128/AEM.00351–18.

Dr. Daniela Busse

Quelle: FOKO 2019, 21.02.19, 3. Hauptthema: Laientrends im Fachgebiet, Menstruationstassen, Eva Neunhoeffer