26. Bonner Venentage – Aktuelle Entwicklungen aus Therapie und Forschung

K. Breitenborn

Zum 26. Mal eröffnete Prof. Eberhard Rabe (Bonn) als Kongresspräsident die Bonner Venentage, die am 28. und 29. Februar 2020 stattfanden, erneut im Maritim Hotel Bonn. Mehr als 300 Teilnehmer folgten der Einladung. Auf der Tagung präsentierten die Referenten aktuelle Forschungsergebnisse und Therapieoptionen aus Phlebologie und Lymphologie, und die Besucher konnten sich über Berufspolitik informieren und an Hands-on-Seminaren teilnehmen.

Mir gefiel die Sitzung ‚Orale Anti­koagulation heute‘ sehr gut, da sowohl der arterielle als auch der venöse Bereich thematisiert wurden. Auch die tumorassoziierte Thrombose wurde behandelt. “
Prof. Eberhard Rabe

Die Veranstaltung wurde wieder in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und dem Berufsverband der Phlebologen organisiert. Auf der angeschlossenen Indus­trieausstellung hatten die Besucher die Möglichkeit, sich neue medizinische und technische Entwicklungen anzusehen. Bei den Hands-on-Seminaren am Freitagvormittag schulten Dr. Dr. Dominic Mühlberger (Bochum) die Teilnehmer in der arteriellen Dopplersonographie und Prof. Rabe in der venösen Funktionsdiagnostik. Ebenso demonstrierten Dr. Karsten Hartmann (Freiburg) endovenöse Punktionsübungen am Modell und Falk Goedecke (Stuttgart) das richtige Anlegen von Kompressionsverbänden.

Moderne orale Anti­koagulationstherapie

Nach der offiziellen Eröffnung durch Prof. Rabe fand eine Sitzung zur intermittierenden pneumatischen Kompressionstherapie (IPK) statt (Vorsitz: Prof. Michael Jünger, Greifswald). Hier referierten Prof. Gerd Lulay (Rheine) über den Einsatz der IPK bei Lymphödem und Lipödem und Prof. Jünger über die Optimierung der IPK. Dr. Florian Lüders (Münster) beschrieb in seinem Vortrag die hyperspektrale Bildgebung zur Darstellung von Flüssigkeitsveränderungen im Gewebe.

Das nächste Symposium thematisierte die moderne orale Antikoagulationstherapie (Vorsitz: Dr. Horst Gerlach, Viernheim). Hier stellte Prof. Christine Espinola-Klein (Mainz) zuerst konservative Behandlungsoptionen bei pAVK vor, danach präsentierte Prof. Florian Langer (Hamburg) die praxisrelevante Antikoagulation bei tumorassoziierter Thromboembolie. Zum Schluss beschrieb Dr. Tom Schilling (Wernigerode) die verlängerte Sekundärprophylaxe nach venöser Thromboembolie (VTE). Aus terminlichen Gründen fand der Vortrag von PD Dr. Peter Waldenberger, Salzburg/Österreich, über venöse Low-flow-Malformationen nicht am Samstag, sondern bereits am Freitag statt. 

„Die Bonner Venentage schaffen regelmäßig Raum für die Dar­stellung wichtiger wissenschaftlicher Ergebnisse in Verknüpfung praxisnaher Medizin. “
Dr. Horst Gerlach

Die nächste Sitzung beschäftigte sich mit der Varikose (Vorsitz: PD Dr. Felizitas Pannier, Bonn; Dr. Uldis Maurins, Riga/Lettland). Hier stellte PD Dr. Pannier die Standards in der Diagnostik und Therapie vor. Anschließend referierte Dr. Maurins über die neuen Trends in der endovenösen Lasertherapie. Zum Schluss hielt Dr. Andreas Hildebrandt (Berlin) einen Vortrag über zehn Jahre Qualitätssicherung im Phlebsecure-Register und verglich dabei die endovenöse thermische Therapie mit offenen Operationen bei der Varikose.

Im anschließenden Symposium wurden die neuen Erkenntnisse aus der INSIGHTS-SVT-Studie zur Therapie der oberflächlichen Venenthrombose (OVT) thematisiert (Vorsitz: Prof. Langer). Hier stellten Dr. Gerlach das Risikoprofil des OVT-Patienten vor und Prof. Rabe die Behandlungspfade bei OVT. Prof. Langer beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der symptomatischen VTE oder Blutung bei OVT-Patienten nach drei Monaten Follow-up.

In der letzten Sitzung am Freitag ging es um das postthrombotische Syndrom (PTS) (Vorsitz: Prof. Rabe). Hier beschrieb Dr. Tobias Hirsch (Halle/Saale) die Probleme bei der Definition des PTS. Der Freitag endete mit der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes der Phlebologen (Vorsitz: Dr. Gerlach). Beim Festabend wurde nach einem guten Essen mit Tanz und intensiven Gesprächen bis spät in die Nacht gefeiert.

Der Samstagmorgen begann mit den Mitgliederversammlungen der AG Endovenöse Verfahren (Vorsitz: PD Dr. Pannier, Dr. Hartmann) und der AG Sklerotherapie (Vorsitz: Dr. Franz Xaver Breu, Gmund am Tegernsee; Dr. Stephan Guggenbichler, München). Beim Update Sklerotherapie (Vorsitz: Prof. Birgit Kahle, Lübeck; Dr. Renate Murena-Schmidt, Köln) ging es um die Technik der Besenreisersklerosierung (Prof. Kahle). Danach stellte Dr. Luc Moraglia (Bordeaux/Frankreich) die Empfehlungen der Société Française de Phlébologie zur Sklerotherapie „Choosing wisely“ vor. Dr. Breu beschäftigte sich später in seinem Vortrag mit technischen Fehlern bei der Schaumsklerosierung der C2-Varikose.

„Die Bonner Venentage sind neben der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie ein wichtiger Treffpunkt der deutschen Venenspezialisten.“
Prof. Markus Stücker

Schwangerschaft und Venensystem

In der Sitzung über Phlebologie und Schwangerschaft (Vorsitz: Dr. Gabriele Faerber, Hamburg) referierte Dr. Faerber selbst über hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und ihre Auswirkungen auf das Venensystem. Anschließend beschrieben Aleksandra Jawo­rucka-Kaczorowska (MD, PhD), Gorzów Wielkopolski/Polen, venöse Probleme und Dr. Erika Mendoza (Wunstorf) die Kompressionstherapie in der Schwangerschaft. Zum Schluss stellte Prof. Viola Hach-Wunderle (Frankfurt/Main) die Antikoagulationsbehandlung in der Schwangerschaft vor.

In der Sitzung zur endovenösen Therapie (Vorsitz: Dr. Markus Zoller, Rothenburg o.d.T.) berichtete Dr. Zoller über seine Erfahrungen mit endovenösen Verfahren. Danach trug PD Dr. Thomas Noppeney (Nürnberg) Zehn-Jahresergebnisse nach Radiofrequenzablation der Stammvarikose vor und Dr. Ulf-Thorsten Zierau (Berlin) berichtete über 91 Monate Cyanoacrylat-Therapie an mehr als 2600 Stammvenen. Anschließend referierte PD Dr. Severin Läuchli (Zürich/Schweiz) über venöse und kapilläre Gefäßtumoren. Zum Schluss präsentierten verschiedene Referenten noch interessante Fälle aus ihrer Sprechstunde (Vorsitz: Dr. Hirsch), und Dr. Gerlach stellte die Erwartungen an die neue GOÄ vor.

vasomed 2020;2(32):66-67