Abrechnung bei Erkältungen

„Erkältung“ oder „grippaler Infekt“ sind Begriffe, unter denen Patienten mit typischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Temperaturerhöhung, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schnupfen und Husten den Hausarzt aufsuchen.

Am Anfang der Behandlung steht die Anamnese. Selbst, wenn sie zehn Minuten oder mehr erfordert, ist in der Regel Nr. 3 GOÄ nicht ansatzfähig, weil dem weitere Leistungen entgegenstehen. So bleibt dafür die Nr. 1 GOÄ.

Die körperliche Untersuchung der Thoraxorgane (Herz, Lunge, Blutdruckmessung) ist mit der Nr. 7 berechenbar. Angesichts der mehrere Organsysteme umfassenden Symptomatik ist häufig auch die Erhebung eines Ganzkörperstatus indiziert, so dass anstelle der Nr. 7 die Nr. 8 zum Ansatz kommt.

wichtigIm Beitrag werden ein „typischer“ Behandlungsverlauf bei grippalem Infekt und die dazu berechnungsfähigen GOÄ-Ziffern vorgestellt

Im Einzelfall können gegebenenfalls nicht alle angeführten Leistungen oder auch weitere Leistungen notwendig sein

Eine Blutabnahme ist angebracht (Nr. 250) und zum Ausschluss einer echten Grippe ein Nasenabstrich (Nr. 298). Der Schnelltest kann im eigenen Labor durchgeführt werden. Dafür kommt die Nr. 4644 analog zum Ansatz. Nr. 4644 ist nur einmal ansatzfähig, auch bei Differenzierung zwischen A- und B-Viren. Da der Test ein negatives Ergebnis zeigt, kann sich die Behandlung auf die ausführliche Erläuterung von Verhaltensregeln, eine Verordnung und die Vereinbarung der Wiedervorstellung in vier Tagen beschränken.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird ausgestellt (Nr. 70). Da die Erläuterung eine zu Nr. 1 überdurchschnittliche Zeit erfordert, kann sie mit höherem Faktor (bis 3,5-fach) bemessen werden. Die Begründung könnte z.B. lauten: „ausführliche Beratung zur Differentialdiagnostik und eigenaktiven Behandlung“. Eine Berechnung der Nr. 34 ist im Zusammenhang mit einem grippalen Infekt, selbst wenn die Beratung so lange  dauerte (Mindestdauer 20 Minuten), in der Regel nicht plausibel.

Die weiteren Laboruntersuchungen umfassen z.B. im Praxislabor Bestimmungen von BKS (Nr. 3501), C-reaktivem Protein (Nr. 3524) und ASL (Nr. 3523), weitere Untersuchungen in der Laborgemeinschaft z. B. Blutbild (Nr. 3550) und Immunglobuline (Nr. 3571 je für IGA, IgM und IgG).

Wiedervorstellung

Bei „normalem“ Verlauf zeigt der Patient sich bei der Wiedervorstellung deutlich erholt und die Symptomatik abgeklungen. Die Kontrolluntersuchung kann sich auf eine Kontrolle der Atemgeräusche, eine Untersuchung des Rachenraumes und der Lymphknoten beschränken. Dafür ist Nr. 5 berechenbar, weil bezogen auf die Nr. 5 (die nur eine Untersuchung voraussetzt) mehrere Untersuchungen mit einem höheren Faktor bemessen werden könnten. Als Begründung wäre z. B. zulässig: „mehrere symptombezogene Untersuchungen in verschiedenen Organsystemen“. Dem Patienten wird der zu erwartende Verlauf erläutert (Nr. 1). Für eine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist Nr. 70 berechenbar. Bei erwartungsgemäßem Verlauf ist eine weitere Konsultation nicht notwendig.