Abrechnungsausschluss der Nummern 1 und/oder 5 GOÄ im „Behandlungsfall“

Wegen des Abrechnungsausschlusses der Nummern 1 und 5 GOÄ gilt es eventuell Überlegungen anzustellen, welche Abrechnungsmöglichkeit die günstigere ist.

Die Bestimmung betrifft die Nr. 1: Beratung auch mittels Fernsprecher, 80 Punkte, 2,3-fach 10,72 € und die Nr. 5: Symptombezogene Untersuchung, 80 Punkte, 2,3-fach 10,72 €. Die Bestimmung (Allgemeine Bestimmung Nr. 2 vor Abschnitt B der GOÄ) lautet: „Die Leistungen nach den Nummern 1 und/oder 5 sind neben den Leistungen nach den Abschnitten C bis O im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig.“

Nach den Abschnitten C bis O

„Nach den Abschnitten C bis O“ heißt, dass alle Leistungen von der Nr. 200 GOÄ an aufwärts die Bestimmung auslösen können. Wegen der Wirkung der Bestimmung erst von Nr. 200 an aufwärts sind die Ziffern des Abschnitts B der GOÄ neben den Nrn. 1 und/oder 5 unschädlich.

neben

„neben“ umfasst alle Leistungen innerhalb eines Arzt-Patienten-Kontaktes oder anders ausgedrückt: in derselben Sitzung. Durch die und/oder-Verknüpfung der Nrn. 1 und 5 kommt die Bestimmung dann zum Tragen, wenn entweder die Nr. 1 GOÄ alleine zum Ansatz kommt oder die Nr. 5 alleine zum Ansatz kommt oder auch, wenn die Kombination der beiden Ziffern zum Ansatz kommt. Das heißt aber nicht, dass die jeweils andere Ziffer bei Ansatz nur einer der Ziffern „mitverbraucht“ wäre. Ist dies gewollt, wird das in der Gebührenordnung durch ein einfaches „oder“ ausgedrückt.

Der „Behandlungsfall“ ist (in der allgemeinen Bestimmung Nr. 1 vor Abschnitt B der GOÄ) definiert als „für die Behandlung derselben Erkrankung der Zeitraum eines Monats nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes.“

Beispiel:

20.05.2019: Unterbauchbeschwerden, Diarrhoe, V. a. Nahrungsmittelunverträglichkeit, Ausschluss Appendicitis. Nr. 7 (Status Bauchorgane), Zuschlag K1, Nr. 1 (Beratung), Nr. 410 ff. (Sonografien), Nr. 250a (Kapillarblutentnahme). /

21.05.2019: Laborwerte sind eingetroffen. Die Symptomatik ist leicht gebessert. Nr. 5 (symptombezogene Untersuchung), Zuschlag K1, Nr. 3 (eingehende Beratung). / 24.05.2019: Inzwischen erhebliche Besserung. Nr. 410 (Kontroll-Sonografie), Nr. 5 (symptombezogene Untersuchung), Zuschlag K1, Nr. 4 (Unterweisung).

Beim zweiten Termin kann die Nr. 3 GOÄ berechnet werden, weil die Nr. 5 der Berechnung der Nr. 3 nicht entgegensteht. Nr. 5 wurde erstmals berechnet. Beim dritten Termin steht die (Kontroll-) Sonografie einer erneuten Berechnung der Nr. 5 nicht entgegen, denn sie wurde zuvor nicht „neben 200 aufwärts“ berechnet. Die Nr. 1 hingegen wurde schon beim ersten Termin neben der Sonografie berechnet. Zudem würde das Problem entstehen, dass bei Kindern unterhalb des Alters von sechs Jahren die Berechnung der Nr. 1 neben der Nr. 4 (hier berechnet für die Unterweisung hinsichtlich der Ernährung des Kindes) abgelehnt werden könnte.

Behandlungsfall

Da die Bestimmung auf den „Behandlungsfall“ abstellt, ist nach Ablauf der Monatsfrist (im Beispiel am 21.06.) die Sperre aufgehoben. Die Monatsfrist ist aber nur dann wirksam, wenn in dieser Zeit keine neue Erkrankung hinzutritt. Denn dann tritt ja ein neuer Behandlungsfall ein. Die GOÄ fordert es nicht, aber in der Rechnung sollte das zur Vermeidung von Einsprüchen kenntlich gemacht werden.

Beispiel:

20.05.2019: Unterbauchbeschwerden, Diarrhoe, V. a. Nahrungsmittelunverträglichkeit, Ausschluss Appendicitis. Nr. 7 (Status Bauchorgane), Zuschlag K1, Nr. 1 (Beratung), Nr. 410 ff. (Sonografien), Nr. 250a (Kapillarblutentnahme). /

21.05.2019: Laborwerte sind eingetroffen. Die Symptomatik ist erheblich gebessert. Nr. 5 (symptombezogene Untersuchung), Zuschlag K1, Nr. 3 (eingehende Beratung). / 24.05.2019: Das (6-jährige) Kind ist inzwischen fast beschwerdefrei, hat sich aber eine ausgedehnte, (stark) verunreinigte Schürfwunde am Knie zugezogen. Tetanusimpfung ist vorhanden. Nr. 5 (symptombezogene Untersuchung), Zuschlag K1, Nr. 1 (Beratung), Nr. 2003 (Versorgung stark verunreinigter Wunde). In der Rechnung steht zu diesem Datum: „neue Diagnose: stark verunreinigte Schürfwunde re Knie“.

wichtigDie Berechnung der Nr. 5 GOÄ in demselben Behandlungsfall ist dann noch möglich, wenn sie vorangehend nicht berechnet wurde, sondern stattdessen zum Beispiel die Nr. 7 GOÄ

Bei Hinzutritt einer neuen Diagnose entsteht ein neuer Behandlungsfall und die Berechenbarkeit der Nrn. 1 und 5 GOÄ ist auch innerhalb derselben Monatsfrist wieder möglich. Der Hinzutritt der neuen Diagnose sollte in der Rechnung ersichtlich sein

Es ist zulässig, auf die Berechnung einer oder mehrerer Nummern ab 200 GOÄ aufwärts zu verzichten, wenn diese geringer bewertet ist (sind) als die Nrn. 1 und 5 GOÄ

Bestabrechnung

Erfolgen neben den Nrn. 1 und 5 GOÄ Leistungen, welche einer erneuten Berechnung entgegenstehen, deren Honorar aber das der Nrn. 1 und 5 GOÄ unterschreitet, kann man auf deren Berechnung verzichten und stattdessen die Nrn. 1 und 5 ansetzen. Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn lediglich ein Verbandwechsel (Nr. 200 GOÄ) erfolgt.