Berechnung von Hausbesuchen nach GOÄ

Im Gegensatz zu der Abrechnung von Hausbesuchen gemäß EBM gibt es in der GOÄ wesentliche Unterschiede.

Hinsichtlich des nicht angetroffenen Patienten und eventueller Probleme bei Ablehnung eines angeforderten Hausbesuchs gilt bei Privatpatienten dasselbe wie im GKV-Bereich. Die medizinische Notwendigkeit eines Hausbesuchs ist Voraus­setzung für eine Erstattungspflicht der privaten Kostenträger. Wenn der Patient einen medizinisch nicht notwendigen Hausbesuch verlangt, ist der Patient dafür zahlungspflichtig, aber ohne Erstattungsanspruch. In der Rechnung müssen die Leistungen dann als „auf Verlangen“ gekennzeichnet werden (§ 12 Abs. 3 GOÄ)

Kernziffer des Hausbesuches Nr. 50 GOÄ:

„Besuch, einschließlich Beratung und symptombezogener Untersuchung, 320 Punkte, 2,3fach 42,90 €.“

Für Hausbesuche zur „Unzeit“ sind zu Nr. 50 die Zuschläge E bis H (Unzeiten) bzw. ggf. eine Kombination von H mit F oder G ansatzfähig. K 2 ist zu jeder Zeit berechnungsfähig, auch wenn keine der Voraussetzungen für die Zuschläge E (dringend) oder F bis H vorliegt. Wenn doch, ist K2 zusätzlich ansatzfähig.

Zuschlag A

Eine Besonderheit in der GOÄ: Wenn zum Hausbesuch keiner der für ihn vorgesehenen Zuschläge berechnet werden kann, ist ggf. der Zuschlag A (4,08 €) ansetzbar. Zuschlag A ist anlässlich des Hausbesuchs dann berechenbar, wenn der Hausbesuch außerhalb der Sprechstunde stattfindet und zusätzlich zu Nr. 50 eine der Nrn. 4, 6, 7 oder 8 berechnet werden kann (die Nrn. 1, 3, 5, 48 und/oder 52 sind neben Nr. 50 nicht berechenbar).

Beispiel: Beim Hausbesuch erfolgt eine Untersuchung der Thoraxorgane nach Nr. 7 (Herz, Lunge, Blutdruck). Da außerhalb der Sprechstunde erbracht, ist dann zur Nr. 7 der Zuschlag A berechenbar.

wichtigWenn keiner der für Besuche vorgesehenen Zuschläge (E bis K2) berechnet werden kann, der Besuch aber außerhalb der Sprechstundenzeit erfolgte, kann dann, wenn neben der Nr. 50 GOÄ eine der Nrn. 6 bis 8 oder Nr. 4 berechnet wird, zu dieser Ziffer der Zuschlag A berechnet werden, ggf. zu den Nrn. 5 bis 8 auch K1

Nr. 51 setzt eine in derselben häuslichen Gemeinschaft berechnete Nr. 50 voraus.

Man sollte sich nicht davon irritieren lassen, dass manche Kostenträger und auch Ärzte­kammern das ablehnen („Zuschlag A ist nicht für die Aufwertung des Hausbesuches vorgesehen“). Mit dem Zuschlag A wird die Nr. 7 „aufgewertet“ und nicht die Nr. 50. Im Beschluss des Gebührenordnungsausschusses der Bundesärztekammer „Zuschlag A im Zusammenhang mit Besuchsleistungen“ vom 13.03.1996 heißt es ausdrücklich „z. B. am Mittwochnachmittag“.

► Deutsches Ärzteblatt 96 vom 10.09.1999, S. A 2244 – A 2244

Keineswegs schließt das zum Beispiel die sprechstundenfreie Zeit in der Mittags­pause an einem anderen Tag aus. Man sollte dann in der Rechnung den Zuschlag A – so wie die GOÄ das fordert – nicht nach der Nr. 50, sondern nach der Nr. 7 anführen.

Mitbesuch

Nr. 51 ist auf „eines weiteren Kranken in derselben häuslichen Gemeinschaft in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit der Leistung nach Nr. 50“ bezogen. Damit ist für die Nr. 51 vorausgesetzt, dass in derselben häuslichen Gemeinschaft schon ein Besuch mit Berechnung der Nr. 50 erfolgte. Ist das nicht der Fall, erübrigt sich jede Diskussion über den Charakter einer „häuslichen Gemeinschaft“ im Unterschied zur „sozialen Gemeinschaft“.

Wegegeld

► Zu Nr. 50 GOÄ wird obligat Wegegeld nach § 8 GOÄ berechnet.

Bei mehr als 25 km Entfernung wäre es die Reise­entschädigung nach § 9 GOÄ.

Für die Bemessung des Wegegeldes ist der Entfernungsradius ausschlaggebend. Wann das höhere Wegegeld „bei Nacht“ berechnet werden darf, ist im § 8 nicht definiert. Nach der GOÄ-Systematik (bei den Zuschlägen B und C bzw. F und G) muss von der Zeit zwischen 20 und 8 Uhr von „bei Nacht“ ausgegangen werden. Das Wegegeld ist nicht steigerungsfähig, auch wenn die Anfahrt unter widrigen Umständen stattfand. Das kann aber ggf. bei der Nr. 50 als Steigerungsgrund herangezogen werden („Umstand bei der Ausführung“ § 5 GOÄ). Der Grund für die Steigerung sollte aber nicht allein zeitbezogen sein, sondern etwa auf ein umstands- oder gefahrenerhöhendes Moment (z. B. Eisglätte). Bei einer Begründung wie nur „erheblicher zeitlicher Mehraufwand“ könnte eingewandt werden, dass nach § 7 GOÄ der zeitliche Mehraufwand mit dem Wegegeld abgegolten ist.

Werden mehrere Patienten in einer häuslichen Gemeinschaft besucht, darf das Wegegeld, auch wenn für den weiteren Patienten nicht Nr. 51 zum Ansatz kommt, nur anteilig berechnet werden.

► Beim Wegegeld ist nämlich gleich, wie Patienten versichert sind. Diese Regelung ist eigentlich unzumutbar und kaum kontrollierbar. Viele Ärzte gehen der Einfachheit halber hin und berechnen das Wegegeld nur einem Patienten.