Bypass oder Stent?

Grundsätzlich kann eine „Myokardrevaskularisation“ auf zwei Arten geschehen. Was ist besser? Bypass-Operation oder Herzkatheter-Stent? Beim weltgrößten Kardiologenkongress in München wurden jetzt neue Leitlinien in Bezug auf diese Entscheidung veröffentlicht.

 

Die Neue LeitlinienLeitlinien sind im „European Heart Journal“ veröffentlicht und können auch auf der ESC-Website abgerufen werden: https://www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines

Sorgfältige Abwägung

„Die Leitlinien wurden unter Berücksichtigung und nach sorgfältiger Abwägung der aktuellsten Studiendaten formuliert“, sagt Prof. Dr. Volkmar Falk, Facharzt für Herz­chirurgie und ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, „sie sollen Ärzten und Patienten als wissenschaftlich fundierte Grundlage bei der gemeinsamen bestmög­lichen Entscheidung über die Art der Revaskularisation dienen.“ Prof. Falk gehört zum internationalen und fachübergreifenden Autorenteam der Leitlinien, die nicht nur von Ärzten, sondern auch von Behörden und Krankenversicherern als Standard für die Behandlung von Koronararterienerkrankungen herangezogen werden.


Wesentliche Punkte der neuen Leitlinien

  • Bei Patienten mit einfacherer Erkrankung, bei denen nur ein oder zwei der drei Hauptäste betroffen sind oder das Ausmaß der Verkalkungen und Engstellen in allen drei Gefäßen gering ist, bieten die Bypass­operation und die PCI ähnliche langfristige Erfolge.
     
  • Beim akuten schweren Herzinfarkt kommt aufgrund der sehr schnellen Verfügbarkeit meistens die PCI zum Einsatz.
     
  • Bei Patienten mit komplexen Erkrankungen wird dagegen zur Bypass-Operation geraten. „Eine ‚komplexe Erkrankung‘ liegt vereinfacht gesehen dann vor, wenn das Ausmaß der Verkalkung in allen drei Herzkranzgefäßen sehr hoch ist“, erläutert Prof. Falk, „hier zeigen uns die vorliegenden Studien, dass die Bypass-Operation langfristig einen Überlebensvorteil bietet.“
     
  • Auch Patienten mit Diabetes haben bessere langfristige Ergebnisse mit einer Bypass-Operation, dies auch bereits bei weniger komplexen Erkrankungen.
     
  • Unabhängig von der Methode sollten bei Vorliegen einer stabilen koronaren Herzkrankheit (Beschwerden treten regelmäßig, aber nur unter Belastung auf) und Befall mehrerer Gefäße alle schweren Engstellen behandelt werden können.

 

Entscheidung am besten interdisziplinär treffen

„Bei Patienten mit chronischer Koronararterienerkrankung und einer komplexen Koronaranatomie sollte stets ein interdisziplinäres Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten gemeinsam mit dem Patienten über die beste Art der Behandlung entscheiden“, so Prof. Falk, „in jedem Fall sollte der Patient laienverständlich, unvoreingenommen und ausführlich über Risiken und Vorteile der einzelnen Verfahren aufgeklärt werden“. Auch das Recht der Patienten auf Informationen über die Erfahrung von Arzt und Krankenhaus wurde in den Leitlinien festgehalten.

Quelle: Deutsches Herzzentrum Berlin