Geht nicht – gibt‘s nicht! Von der Vision zur Umsetzung

Der Kopf ist willig – das Fleisch ist schwach. Mit großen Schritten nähern wir uns dem Jahresende und wer kennt diese Situation nicht: Man formuliert die guten Vorsätze, die ab dem 1. Januar dann auch umgesetzt werden sollen, bereitet sich darauf vor, hat ein Bild vor Augen, wie es denn werden soll, ist mit großer Motivation dabei dem Umfeld diese guten Vorsätze zu vermitteln. Ja, im neuen Jahr wird alles anders und besser! Und schon nach wenigen Tagen wird man von der Realität eingeholt, die nichts anderes aussagt, als „Du hast es nicht geschafft!“. Und dann sucht man nach Erklärungen, Rechtfertigungen und Entschuldigungen und kommt dann immer wieder zu dem Ergebnis „Das ging ja gar nicht!“ Und irgendwie ist das auch ziemlich frustrierend. Im nächsten Jahr gibt es einen neuen Versuch und wir erleben das gleiche Spiel, denn ständig grüßt das Murmeltier. Das muss aber nicht so laufen.

Ich werde an mich glauben

Es gibt sie wieder, die vollen Hallen mit den Motivationstrainern, die jedem Teilnehmer vermitteln, dass alles zu schaffen ist. Der limitierende Faktor ist der Kleingeist, der immer wieder suggeriert, dass es nicht geht. Daher ist es die Aufgabe mit einer großen Motivation diesem Kleingeist zu zeigen, wer denn der Herr im Hause ist. Es gibt keine Grenzen so die Kernaussage. Natürlich gibt es die, aber der Schlüssel ist, dass ich eine innere Stärke entwickle, die mich an mich glauben lässt. Denn die Grenzen liegen sehr häufig weiter und viel weiter oben als vermutet. Aber wie entsteht dieser Glaube und wie wird er verursacht?

Ich möchte etwas verändern

Lassen Sie uns ein paar typische Szenarien vorstellen, die etwas mit Wünschen zu tun haben:

Ich möchte:
•    ein eigenverantwortlich arbeitendes Team, das sich gut versteht
•    zuverlässige Patienten, die meinen Empfehlungen folgen
•    eine spürbare Entlastung in meinem Arbeitsvolumen spüren
•    gute Umsätze und Erträge erwirtschaften, die es mir ermöglichen sorgenfrei zu leben
•    eine Praxis haben, die für bestimmte Behandlungen bekannt ist
•    ausreichend Zeit haben für ein erfülltes Privatleben usw.

Immer wieder wird versucht, das zu erreichen und immer wieder erlebt man Rückschläge, die dann dazu führen, dass man sich nach und nach von diesen Wünschen verabschiedet und zu dem Ergebnis kommt – das geht nicht! Das erleben wir oft.

Eine Vision fest vor Augen haben

Die Kernvoraussetzung ist ein klares Bild zu haben. Visionen und Wünsche so vor Augen zu haben, dass daraus der feste Wille entsteht diesen Zustand erreichen zu wollen. Je klarer dieses Bild erscheint, umso inspirierender wirkt es. Wir reden hier noch nicht von Zielen, die sehr konkret formuliert werden sollen, sondern von Bildern, die sich vor Ihrem geistigen Auge abspielen. Diese Bilder gilt es zu bewahren und sie als motivierendes Element immer wieder abzurufen. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass das Erreichen von Visionen ein durchaus langer Weg sein kann, der von Niederlagen und Rückschlägen gespickt sein könnte. Ähnlich wie das konkrete Bild vom gestählten und attraktiven Körper und dann steht die Sahnetorte auf dem Tisch. Aber beachten Sie, wenn Sie die Sahnetorte essen, tun Sie es mit Genuss, weil sie wissen, dass es die letzte für eine längere Zeit gewesen ist, es sei denn, sie haben Ihr Bild aus den Augen verloren – denn dann haben Sie verloren. Es ist somit die erste Regel diese Vision immer wieder abzurufen. Schreiben Sie sie sich auf einen Zettel, den Sie sich immer wieder anschauen, um ein diffuser werdendes Bild wieder scharf zu stellen.

Niederlagen machen stark

Es ist wie im Sport. Gewinnt man immer, fällt es schwer Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Der Erfolg vertuscht Schwachstellen und man verfällt in eine Art Lethargie – es ist alles gut! Niederlagen sind die wahren Türöffner für einen erfolgreichen Weg. Niederlagen zeigen die Schwachpunkte auf, die es anzunehmen gilt. Die Schwachpunkte liegen in diesem Falle in der eigenen Denke und dem daraus resultierenden Handeln, das sich entweder durch Unterlassen darstellt (ich trainiere heute nicht), was für eine fehlende Fokusierung steht oder durch Fehler, die von mir oder meinem Team verursacht werden (z. B. falsche Aufstellung). Und genau an dieser Stelle trennen sich die Wege. Die eine Fraktion sagt „das geht nicht besser“, bleibt stehen und verbringt den Rest des (Arbeits)lebens mit einer latenten oder offenen Unzufriedenheit und die andere Fraktion lernt, korrigiert und geht weiter. Das macht den Unterschied. Seien Sie deshalb dankbar für Fehler, denn jeder einzelne steht für eine durchzuführende Korrektur und Weiterentwicklung.

Visionen werden zu Zielen

Eine Vision, die ja nichts anderes darüber aussagt als, „Wie will ich mein (Praxis-)Leben gestalten?“, bedarf konkreter Ziele, aus denen sich eine Maßnahmenplanung ableitet, die nun systematisch umgesetzt werden muss. Wir haben dieses Thema in einem der vorherigen Beiträge ausführlich dargestellt und gehen an dieser Stelle nicht mehr auf die Systematik ein. Allerdings lohnt es sich aufzuzeigen, wo die Unterschiede im Handeln liegen, was sich als zweites konkretes Unterscheidungsmerkmal darstellt. Und bitte nicht vergessen – schauen Sie auf den Zettel, auf dem Ihre Vision steht, um Ihren Blick zu schärfen.

Die Umsetzung der Maßnahmen erfordert eine ständige Selbstreflexion, Führungsverantwortung und Konsequenz. Drei Eigenschaften, wir müssen das an dieser Stelle aus der Erfahrung festhalten, die nicht immer die Ausprägung genießen, wie es notwendig wäre. Ganz im Gegenteil – häufig sind genau diese drei Faktoren die Schwachpunkte.

Selbstreflexion bedeutet Ehrlichkeit

Die Aufgabe ist es sein eigenes Handeln immer wieder kritisch zu überprüfen. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist eine große Stärke, denn sie dokumentiert, dass Sie Ihre Schwachpunkte erkennen, zu ihnen stehen und aktiv werden, um sie abzustellen. Wie oft hören wir von den Mitarbeiterinnen in der Praxis, dass das, was von der Praxisleitung vorgegeben, selbst nicht umgesetzt wird. In der Umsetzung werden Sie sich mit Maßnahmen beschäftigen müssen, die in Ihrem Studium nicht gelehrt worden sind. Hierzu gehört letztendlich auch das „Chefsein“, das Ihnen eine exponierte Rolle gibt, in der Sie unter ständiger Beobachtung stehen. Das, was Sie predigen, müssen Sie vorleben.

Führungsverantwortung im Sinne des Coachings

Führungsverantwortung bedeutet klare Vorgaben und Ziele mit den Mitarbeiterinnen zu vereinbaren aber auch die Mitarbeiterin an die Hand zu nehmen. So wie der Fußballtrainer die Mannschaft trainiert und an der Seitenlinie coacht, ist es nun die Aufgabe mit den Mitarbeiterinnen zu klären, welche Hilfestellung notwendig ist, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ein laufendes Controlling und daraus resultierende Gespräche in Form von Lob und Kritik, stehen für eine Führungsrolle, die vom Team erlebt und mitgetragen wird. Der laufende konstruktive Dialog mit den Mitarbeiterinnen ist ein MUSS-Kriterium, das unbedingt zu erfüllen ist.

Konsequentes Handeln sorgt für Glaubwürdigkeit

Sie haben noch immer den Zettel mit Ihrer Vision in der Tasche und wissen, dass von allen Beteiligten konsequentes Handeln notwendig ist? Sie haben Ziele und Teilziele formuliert, diese gemeinsam mit ihrem Team verabschiedet und achten nun darauf, dass sie erreicht werden. Regel­mäßiges Überprüfen des Prozesses mit Feed­backgesprächen, zeigt Ihrem Team, dass Sie es ernst meinen. Was nicht überprüft wird, läuft Gefahr zu verschwinden. Ihre Aufgabe ist es dabei sich so zu organisieren und sich den zeitlichen Spielraum zu geben, dass Sie diese Anforderung erfüllen können. Und vor allen Dingen – seien sie selbst konsequent.

Es ist nicht schwer – es ist nur etwas anders

Wenn eine Vision zur Realität werden soll, heißt es sich mit Themen zu befassen, die eine unternehmerische Handlungsweise erfordern. Für die Umsetzung benötigen Sie ein Team, das die von Ihnen festgelegten Ziele mithilft zu erreichen. Das ist die Aufgabe, die für viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen immer wieder Hürden aufbaut, die unüberwindlich erscheinen und dann in der Aussage enden: „Das geht nicht!“

Wir wollen nicht im Tenor der großen Motivationstrainer argumentieren aber uns dafür stark machen, dass es sich lohnt eine Vision im Blick zu haben und dann den Weg zu finden, um diese zu erreichen. Es ist einfacher, als Sie denken. Der Weg dorthin führt über die innere Einstellung, die bestimmt wird durch die beschriebenen Faktoren und dem Willen etwas verändern zu wollen. Lassen Sie einfach das Stück Torte weg.

Uwe Zoske
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