Konstellationen, bei denen Telefonate berechnungsfähig sind

Viele Praxen richten spezielle Telefon­sprechstunden ein, um Telefonate zu regulieren. Dennoch lässt es sich nicht vermeiden, dass Patienten zu anderen Zeiten anrufen. Berechnungsmöglichkeiten für Telefonate gibt es nur unter eng begrenzten Voraussetzungen.

Gemäß 4.3.1 der allgemeinen Bestimmungen des EBM sind telefonische oder andere mittelbare Arzt-Patienten-­Kontakte (APK) Bestandteil der Pauschalen, die mit der Abrechnung einer Grundpauschale abgegolten sind. Aber es gibt Ausnahmen, wenn bei einem Versicherten im Quartal keine Grundpauschale abgerechnet wird oder wenn telefonische Beratungen zu Unzeiten stattfinden.

Telefonate in Folgequartalen

Eine Berechnungsmöglichkeit für Telefonate ist gegeben, wenn ein Patient im Quartal keinen persönlichen APK hat und somit keine Grundpauschale abgerechnet werden kann. Für eine alleinige telefonische Konsultation ist die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (haus-/fachärztliche Bereitschaftspauschale, 88 Punkte, 9,52 Euro) berechnungsfähig. In Einzelpraxen kommt somit eine Berechnung der GOP 01435 nur in Frage, wenn der Patient in demselben Quartal nicht persönlich in die Praxis kommt und keine Grundpauschale berechnet wird. Nachteil: Wird für einen telefonischen Kontakt in einem Folgequartal die GOP 01435 abgerechnet, erscheint der Patient aber dann später in demselben Quartal persönlich in der Praxis mit Abrechnung einer Grundpauschale, entfällt die zuvor berechnete GOP 01435.

Besonderheit in Gemeinschaftspraxen:

Die Berechnung der GOP 01435 ist nur in demselben Arztfall neben der Berechnung einer Grundpauschale ausgeschlossen. Hat in einer Gemeinschaftspraxis ein Patient im Laufe des Quartals einen persönlichen Kontakt mit Arzt A der Gemeinschafts­praxis mit Berechnung einer Grundpauschale und hat derselbe Patient zu einem anderen Zeitpunkt in demselben Quartal einen telefonischen Kontakt mit Arzt B der Gemeinschaftspraxis, kann dieser die telefonische Inanspruchnahme unter seiner Arztnummer mit der GOP 01435 abrechnen. Diese Berechnungsmöglichkeit der 01435 wird in vielen Gemeinschaftspraxen nicht wahrgenommen.

  • WichtigGOP 01100 und 01101: Unvorhergesehene Inanspruchnahme des Arztes zu Unzeiten
  • GOP 01102: Telefonische Inanspruchnahme des Arztes an Samstagen zwischen 07:00 und 14:00 Uhr, auch für vereinbarte Telefonate
  • Vorteil der GOP 01100, 01101 und 01102: Entfallen nicht, wenn bei demselben Patienten eine Grundpauschale berechnet wird
  • GOP 01435: Telefonische Inanspruchnahme des Arztes, nur berechnungsfähig wenn in demselben Arztfall keine Grundpauschale berechnet wird
  • In einer Gemeinschaftspraxis kann Arzt A eine Grundpauschale berechnen, Arzt B bei telefonischer Inanspruchnahme durch den Patienten die GOP 01435

Telefonat zu „Unzeiten“

Rufen Patienten unvorhergesehen an, so zwischen 19:00 und 22:00 Uhr oder an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen zwischen 07:00 und 19:00 Uhr
und werden ärztlich beraten, ist die GOP 01100 berechnungsfähig.

Berät der Arzt einen Patienten, der zwischen 22:00 und 07:00 Uhr anruft, oder an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen zwischen 19:00 und 07:00 Uhr ist die GOP 01101 berechnungsfähig. Voraussetzung für die Berechnung ist, dass die telefonische Inanspruchnahme unvorhergesehen erfolgen muss, das heißt, die Telefonate zu diesen Zeiten dürfen nicht zwischen Arzt und Patient vereinbart sein.

► Der Samstagszuschlag nach GOP 01102 dagegen kann auch für verabredete Telefonate berechnet werden, samstags zwischen 07:00 und 14:00 Uhr.

Sprechstunden am Samstag

Hautärzte, die Sprechstunden an Samstagen eingerichtet haben, können diese Option wahrnehmen und mit ihren Patienten vereinbaren, dass sie samstags zwischen 07:00 und 14:00 Uhr anrufen, etwa um Befunde zu besprechen, Untersuchungs­ergebnisse zu analysieren etc.

Sowohl die GOP 01435 als auch die GOP 01100, 01101 und 01102 setzen voraus, dass die Telefonate mit dem Arzt persönlich geführt werden. Telefonate mit Mitarbeitern sind nicht mit diesen Positionen berechnungsfähig.

Telefonate mit Mitarbeitern

Werden Telefonate ausschließlich mit Mitarbeitern geführt, wenn diese etwa im Auftrag des Arztes Befunde oder ärztliche Anordnungen weitergeben, ist die 01430 berechnungsfähig. Aber: Auch die 01430 entfällt, wenn – wie bei Berechnung der 01435 – im selben Arztfall eine Grundpauschale abgerechnet wird. Auch hier gilt in Gemeinschaftspraxen, dass Arzt A eine Grundpauschale berechnen kann und Arzt B die 01430. Dabei muss die Inanspruchnahme nicht vom Patienten ausgehen. Die 01430 ist auch berechnungsfähig, wenn die Initiative für die Telefonate von der Praxis ausgeht.