Vertretungen: Vorgaben beachten

Nehmen Vertragsärzte die Praxistätigkeit wegen Urlaub, einer Fortbildung oder Erkrankung nicht selbst wahr, ist ein Vertreter zu benennen. Dabei sind bestimmte Vorgaben zu beachten.

Übt ein Vertragsarzt die Praxistätigkeit über längere Zeit nicht persönlich aus, gelten eine ganze Reihe von Vorgaben, die häufig nicht ausreichend beachtet werden.


Meldung an die KV

§ 17, Abs. 3 Bundesmantelvertrag:  

„Wird die Praxistätigkeit länger als eine Woche nicht persönlich ausgeübt, ist dies der KV unter Benennung der vertretenden Ärzte mitzuteilen. Bei Urlaub, Krankheit, Teilnahme an ärztlicher Fortbildung oder an einer Wehrübung ist eine Vertretung innerhalb von 12 Monaten (nicht Kalenderjahr) bis zu einer Dauer von 3 Monaten ohne Genehmigung der KV möglich. Im Zusammenhang mit einer Entbindung ist eine Vertretung von bis zu 12 Monaten möglich.“ 
Längere Vertretungszeiten sind auf Antrag möglich, so zum Beispiel bei längerer Erkrankung.


Vertreter in der Praxis

Wird ein Vertreter in der Praxis tätig, werden die von dem Vertreter erbrachten Leistungen als Leistungen der Praxis abgerechnet und gewertet.

Qualifikation des Vertreters

WichtigWird die Praxistätigkeit länger als eine Woche nicht persönlich ausgeübt, ist dies der KV zu melden

Mit der Meldung bei der KV sind der oder die Vertreter namentlich zu benennen

Bei Vertretern in der Praxis ist die Qualifikation des Vertreters zu prüfen

Bei gegenseitigen Vertretungen in Gemeinschaftspraxen kann ein Vertreter genehmigungspflichtige Leistungen nur abrechnen, wenn er selbst die entsprechenden Genehmigungen hat

Der Vertreter muss alle Leistungen unter seiner Arztnummer abrechnen

Wird die Meldung einer längeren Abwesenheit unterlassen, könnte es problematisch sein, mit dieser Begründung im Folgejahr eine Anpassung der Vergütungsobergrenzen bei der KV zu beantragen

Nach der Berufsordnung für Ärzte kann sich ein niedergelassener Arzt grundsätzlich nur durch einen Arzt desselben Fachgebiets vertreten lassen. Dabei bedeutet „grundsätzlich“, dass Ausnahmen möglich sind, zum Beispiel wenn der Vertreter aufgrund seiner Weiterbildung die Leistungsbereiche der Praxis qualifiziert erbringen kann. Nervenärzte werden sich in der Regel durch andere Nervenärzte vertreten lassen.

Gemeinschaftspraxis

In Gemeinschaftspraxen vertreten sich die Ärzte in der Regel gegenseitig. Wichtig: Der Vertreter hat alle erbrachten Leistungen unter seiner Arztnummer abzurechnen auch die Leistungen, die er als Vertreter bei Patienten der anderen Ärzte der Gemeinschaftspraxis erbringt. Bei genehmigungspflichtigen Leistungen muss der Vertreter auch für die in Vertretung erbrachten Leistungen eine entsprechende KV-Genehmigung haben. Zum Beispiel: Hat der vertretene Arzt eine Genehmigung für sonographische Gefäßuntersuchungen, kann der Vertreter die entsprechenden Leistungen nur erbringen und abrechnen, wenn er auch die zutreffende Genehmigung hat.

Haftung

Gemäß § 14, Abs. 2 des Bundesmantelvertrags haftet der Vertragsarzt für die Erfüllung der vertragsärztlichen Pflichten durch seinen Vertreter in gleicher Weise wie für seine eigene Tätigkeit.

Beispiel: Unwirtschaftliche Leistungen

Ein Vertreter führt unwirtschaftliche Behandlungen durch, es kommt zu einer Prüfung der Wirtschaftlichkeit und einem Regress. Der Einwand, ein Vertreter habe die Leistungen in unwirtschaftlicher Weise erbracht, entlastet den Praxisinhaber nicht.

Vertretung durch andere Praxen

Lässt sich ein Vertragsarzt durch andere Praxen vertreten, bereitet diese Vertretungsform abgesehen von der erforderlichen Meldung an die KV keine Probleme. Die vertretenden Praxen rechnen die erbrachten Leistungen über Vertreterscheine als eigene Leistungen mit der KV ab.

Folgerungen

Insbesondere das Unterlassen der Meldung an die KV bei längerer Abwesenheit kann unangenehme Folgen haben. In den Honorarverteilungsmaßstäben (HVM) der KVen wird bei der Festlegung von Vergütungsobergrenzen in der Regel auf Vorjahresvergleichsquartale zurückgegriffen. Hat ein Vertragsarzt im Vorjahresvergleichsquartal seine vertragsärztliche Tätigkeit für längere Zeit nicht ausgeübt, kann mit dem Hinweis darauf bei der KV ein Antrag auf Anpassung der Vergütungsobergrenzen gestellt werden. Hat der Vertragsarzt eine längere Abwesenheit bei der KV nicht gemeldet, dürfte es im Nachhinein schwer fallen zu belegen, dass die Praxistätigkeit im Vorjahresvergleichsquartal für längere Zeit nicht ausgeübt wurde.

► Stand: Juli 2020