Allgemeine Untersuchungen in der GOÄ

Allgemeine Untersuchungen nach den Nrn. 5, 7 und 8 zählen zu den von Haus­ärzten in der Privatliquidation am häufigsten abgerechneten Leistungen.

Diese Untersuchungen erfolgen mit den Sinnen des Arztes, allenfalls unter Verwendung einfacher Hilfsmittel wie z. B. Glasspatel oder Stethoskop oder Reflexhammer.  Weitergehende oder spezielle Untersuchungen sind deshalb neben den allgemeinen Untersuchungen berechenbar – es sei denn, es gibt spezielle Abrechnungsausschlüsse wie z. B. in der allgemeinen Bestimmung Nr. 8 vor Abschnitt B zu den Nrn. 600, 601 usw. oder bei den Leistungen, z. B. die der Nrn. 5 bis 8 neben der Gesundheitsuntersuchung nach Nr. 29. Die Abrechnungsausschlüsse, sowohl ausdrücklich in der GOÄ angeführte und auch solche inhaltlicher Art sind in der Regel in der Praxissoftware berücksichtigt.

Nr. 8 GOÄ

Manche Hausärzte setzen die Nr. 8 zu selten an, weil sie dem Irrtum unterliegen, dafür sei eine sehr zeitaufwendige Untersuchung nötig. In der Anmerkung zu Nr. 8 ist der Inhalt der Untersuchung bestimmt („Untersuchung der Haut ...“). Das heißt, dass alle Bereiche, die in der Anmerkung angeführt sind, untersucht sein müssen, um Nr. 8 GOÄ berechnen zu dürfen. Das heißt aber nicht, dass alles Angeführte bis in jedes Detail untersucht sein muss. Nr. 8 fordert keine „vollständige“ Untersuchung wie die Nrn. 7 und 6. Wie detailliert der jeweilige Bereich untersucht wird, richtet sich nur nach den im jeweiligen Einzelfall gegebenen Notwendigkeiten.

wichtigDie Untersuchungen nach den Nrn. 5 bis 8 GOÄ unterscheiden sich in Inhalt, Umfang und Intensität der Untersuchungen. „Vollständige“ Untersuchungen verlangen nur die Nrn. 7 GOÄ (und die hausärztlich) eher seltene Nr. 6 GOÄ)

Um die Nrn. 6 und 7 berechnen zu dürfen, muss der unter dem jeweiligen Spiegelstrich verlangte Inhalt vollständig erbracht werden

Wenn in einer Sitzung mehrfach Untersuchungen nach jeweils Nr. 5, 6 oder 7 erbracht werden, ist das ein zulässiger Grund, diese Ziffer zu steigern. Hausärztlich häufig ist das bei Nr. 7 für die Untersuchung der Thorax- und Bauchorgane

Bei einem älteren Kind als bis zum 4. Lebensjahr kann anstelle des Zuschlags K1 ggf. der Faktor erhöht werden

Ein Ganzkörperstatus muss zwar alle bei Nr. 8 genannten Bereiche umfassen, in den Teilbereichen aber nicht unbedingt detailliert vorgenommen werden

Nr. 7 GOÄ

Nr. 7 heißt „vollständige Untersuchung“. Die unter den jeweiligen Spiegelstrichen aufgezählten Inhalte müssen vollständig erbracht werden, um die Nr. 7 ansetzen zu dürfen. Macht man nur einen Teil davon, ist das eine Untersuchung nach Nr. 5 GOÄ. Dann trotzdem die Nr. 7 anzusetzen und mit einem niedrigeren Faktor zu berechnen, ist nicht zulässig.

Werden zur Nr. 7 sowohl die „Brust“- (Thorax-) als auch die Bauchorgane untersucht, darf man die Nr. 7 steigern (3,5-fach). Erfolgt zusätzlich zu einer Untersuchung nach Nr. 7 eine symptombezogene Untersuchung in einem anderen Organgebiet, darf man weder die Nr. 5 zusätzlich ansetzen, noch die Nr. 7 steigern. § 5 GOÄ verlangt nämlich, dass zum Steigern die „einzelne Leistung“ aufwendiger gewesen sein muss (also die Nr. 7). Und die Nr. 7 selbst wird durch die zusätzliche Untersuchung ja nicht aufwendiger. Dasselbe gilt auch, wenn man die Nr. 1 erbringt, aber nicht berechnen darf.

Nr. 6 GOÄ

Die bei der Nr. 7 dargestellten Regeln gelten ebenso für Nr. 6. Der Unterschied ist nur, dass zu den Spiegelstrichen andere Organsysteme und andere Inhalte zutreffen.

Nr. 5 GOÄ

Sie heißt nur „symptombezogene Untersuchung“. Eine bestimmte Art oder Intensität ist damit nicht vorgeschrieben. Nr. 5 kann angesetzt werden z. B. für einen einfachen Blick auf eine Wunde, erfasst z. B. aber auch Untersuchungen mit Palpation, Ausmessen und Prüfung auf Beweglichkeit. Nr. 5 ist nur einmal je Sitzung berechenbar. Erfolgen mehrere symptombezogene Untersuchungen in einer Sitzung, kann bei deutlich höherem Aufwand der Faktor erhöht werden.

Zuschläge 

Zu allen Ziffern (5 bis 8) sind die „Unzeitzuschläge“ A bis D berechenbar und auch der Zuschlag K1, wenn das Kind noch nicht das 4. Lebensjahr vollendet hat. Die jeweiligen Zuschläge sind nur einmal je Sitzung berechenbar, können aber ggf. (nach den für die Zuschläge geltenden Regeln) kombiniert werden. Ist ein Kind älter als vier Jahre, kann die Untersuchungsziffer gesteigert werden. Kann der Zuschlag nach K1 berechnet werden, schließt das eine Steigerung der Untersuchungsziffer nicht aus, die Begründung muss dann aber nicht nur lapidar auf das Kindesalter abstellen. Gültig als Begründung wäre z. B. „situationsbedingt erschwerte Untersuchung“ oder „erschwerte Untersuchung bei akuten Schmerzen“.

► Stand: Juni 2021

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