Liquidation: immer nach den Vorgaben der GOÄ

Obwohl Selbstzahlerleistungen von Vertragsärzten seit Jahren angeboten werden, scheint es bei deren Liquidation immer wieder Probleme zu geben.

Zitierweise: HAUT 2021;32(1):41

Die gesetzlichen Krankenkassen diskreditieren regelmäßig das Angebot von IGeL in Vertragsarztpraxen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bewertet Selbstzahlerleistungen im IGeL-Monitor im Internet, um auf diesem Weg die Versicherten der gesetz­lichen Krankenkassen über das IGeL-Angebot zu informieren. Keine der 59 bewerteten IGeL wird „positiv“ eingestuft, 20 als „unklar“, 26 „tendenziell negativ,“ 8 „ohne Bewertung“, 4 „negativ“ und nur eine als „tendenziell positiv“. Durch Umfragen wollen die Krankenkassen festgestellt haben, dass bei der Liquidation von IGeL die Vor­gaben der GOÄ nicht oder nicht ausreichend beachtet werden und dass in unzulässiger Weise IGeL pauschal berechnet werden. 

Gebührenspanne, auch Regelspanne genannt

Auch bei Selbstzahlerleistungen sind die nach der GOÄ abgerechneten Positionen mit einem Steigerungsfaktor zu berechnen, bei ärztlichen Leistungen mit einem Faktor zwischen dem 1- und 2,3-Fachen, bei technischen, delegierbaren Leistungen zwischen dem 1- und dem 1,8-Fachen.

Eine Unterschreitung des Faktors 1,0-fach ist nicht statthaft. Innerhalb der Regelspanne können individuelle Faktoren mit mehreren Stellen hinter dem Komma zur Erzielung eines runden Rechnungsbetrags gewählt werden, zum Beispiel der Faktor 2,15-fach bei der Nr. 1 GOÄ mit einem Rechnungsbetrag von 10,00 Euro.

wichtigRegelspanne: 1- bis 2,3-fach bzw. 1- bis 1,8-fach.

Innerhalb der Regelspanne freie Wahl des Steigerungsfaktors möglich.

Höchstsatz: 3,5-fach bzw. 2,5-fach, Begründung erforderlich.

Überschreitung des Höchstsatzes nur mit besonderer Vereinbarung (Abdingung) möglich.

Durch individuelle Steigerungsfaktoren mit Stellen hinter dem Komma bei IGeL für glatte Rechnungsbeträge sorgen.

IGeL in der Liquidation als Wunschleistungen kennzeichnen mit „auf Verlangen“.

Gebührensatz

Das ist der Betrag, der sich durch Multiplikation der Punktzahl einer GOÄ-Position mit dem Punktwert ergibt (5,8273 Cent). Der Punktwert mit vier Stellen hinter dem Komma hat sich bei der Umstellung von DM auf Euro durch den Euro-Umrechnungsfaktor ergeben, zu DM-Zeiten betrug der Punktwert 0,11 DM.

Höhere Steigerungsfaktoren

Auch bei IGeL muss bei Überschreitung der Regelspanne (2,3- bzw. 1.8-fach) eine Begründung in der Rechnung angegeben werden. Mit Begründung ist eine Steigerung bis zum 3,5-Fachen bzw. beim reduzierten Gebührensatz der delegierbaren Leistungen bis zum 2,5-Fachen möglich. 

Abdingung

Ein adäquates Honorar kann bei vielen IGeL auch durch Anwendung des nach der GOÄ regelhaft höchstmöglichen Steigerungsfaktors nicht erzielt werden. Soll über den 3,5- bzw. 2,5-fachen Satz liquidiert werden, ist vorab mit dem Patienten eine schriftliche Vereinbarung erforderlich (Abdingung gemäß § 2 der GOÄ).

Analoge Berechnung

Bei IGeL handelt es sich vielfach um Leistungen, für die sich in der GOÄ keine passende Position findet. Derartige Leistungen können gemäß § 6 der GOÄ nach einer in ihrer Art, dem Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistungsposition berechnet werden. Für Selbstzahlerleistungen ergibt sich häufig nur auf diesem Wege eine adäquate Honorierung.

Für eine ganze Reihe von Leistungen, die nicht in der GOÄ verzeichnet sind, gibt es Empfehlungen für Analogabrechnungen von der Bundesärztekammer, die bei der Liquidation von IGeL beachtet werden sollten.

Liquidation: IGeL kennzeichnen

Gemäß § 12 der GOÄ sind Wunschleistungen und damit gewünschte Selbstzahlerleistungen als solche in der Rechnung besonders zu kennzeichnen, am bestem mit dem Zusatz „auf Verlangen“.

Fazit

Die Vorgaben der GOÄ sind bei der Liquidation von IGeL unbedingt zu beachten. Häufig haben Patienten, besonders wenn sie mit dem Ergebnis von IGeL nicht zufrieden waren, die Begleichung der Liquidation mit dem Hinweis auf eine nicht ordnungsgemäß nach der GOÄ ausgestellte Rechnung verweigert.

► Stand: Februar 2021

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