Haben Sie korrekt „geigelt“?

Die gesetzlichen Krankenkassen stehen dem Angebot von IGeL in Vertragsarztpraxen durchweg ablehnend gegenüber, IGeL-Angebote werden sogar als „Abzocke“ bezeichnet. Mit dem IGeL-Monitor haben die Krankenkassen eine Internetplattform installiert, mit der sie über die Wertigkeit der angebotenen IGeL informieren. Nachfolgend eine Auswahl häufiger Fragen zu Problemstellungen im Zusammenhang mit IGeL.

Frage: Im IGeL-Monitor werden IGeL durchweg als „negativ“ oder als „unklar“ bewertet, so zum Beispiel Hirnleistungschecks zur Früherkennung von Demenz. Können im IGeL-Monitor negativ bewertete Leistungen als IGeL angeboten, erbracht und liquidiert werden?

Antwort:

„Ja! Für die Erbringung von IGeL in Vertragsarztpraxen ist der IGeL-Monitor nicht maßgeblich. Es steht Ihnen frei, auch im IGeL-Monitor negativ bewertete Leistungen als IGeL zu erbringen und zu liquidieren. Da davon auszugehen ist, dass sich Patientinnen und Patienten über den IGeL-Monitor informieren, ist es sinnvoll, Kenntnis davon zu haben, welche der in der eigenen Praxis angebotenen IGeL im IGeL-Monitor negativ bewertet werden, um sich so mit Argumenten zu wappnen, weshalb diese IGeL dennoch in Ihrer Praxis angeboten werden.“

Frage: Häufig erkundigen sich Patientinnen und Patienten bei Behandlungen, die zulasten der GKV erbracht werden, detailliert nach bestimmten IGeL, so zum Beispiel über Botulinumtoxin-Injektionen zur Beseitigung von Falten. Häufig werden nur die Beratungen zu IGeL in Anspruch genommen, auf deren Erbringung wird aber verzichtet. Können derartige Beratungen dennoch berechnet werden?

Antwort:

„Ja! Fragen zu IGeL sind als IGeL nach der GOÄ zu liquidieren, in der Regel mit Nr. 1 der GOÄ, bei Beratungen von mehr als 10 Minuten Dauer nach Nr. 3 der GOÄ. Ergibt es sich, dass bei einer Behandlung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen eine Beratung zu IGeL gewünscht wird, sollte vor der Beratung klargestellt werden, dass diese nur als IGeL erbracht und nach der GOÄ liquidiert werden kann. Empfehlung: Beratung Nr. 1 GOÄ, 80 Punkte, 2,15-fach, 10,00 €.

WichtigBeratungen zu IGeL sind als IGeL zu berechnen.

Im IGeL Monitor negativ bewertete Leistungen können angeboten werden.

Liquidation von IGeL immer gemäß den Vorgaben der GOÄ.

Bei IGeL immer vorab schriftlichen Behandlungsvertrag schließen.

Keine Pauschalliquidationen bei IGeL.

IGeL-Liquidationen können auch durch privatärztliche Verrechnungsstellen erstellt und das Honorar von diesen ggf. auf dem Rechtsweg beigebracht werden.

Bei der Erstellung von IGeL-Liquidationen durch Verrechnungsstellen ist – wie bei Privatversicherten – das schriftliche Einverständnis der Patientinnen und Patienten erforderlich, weil personenbezogene Daten weitergegeben werden und die Ärztin oder der Arzt auch gegenüber den Verrechnungsstellen von der Schweigepflicht entbunden werden muss.

Frage: Ist vor der Erbringung von IGeL immer ein schriftlicher Behandlungsvertrag abzuschließen? 

Antwort:

„Ja! Gemäß § 18 Abs. 8 Bundesmantelvertrag darf von Versicherten der GKV eine (private) Vergütung nur gefordert werden, wenn die oder der Versicherte vor der Behandlung ausdrücklich verlangt, auf eigene Kosten behandelt zu werden und dies schriftlich bestätigt. Ohne Beachtung dieser Vorgabe liefert man Patientinnen und Patienten ein willkommenes Argument, die Begleichung der IGeL-Liquidation zu verweigern, etwa weil man sich nicht bewusst gewesen sei, dass IGeL erbracht werden, sondern angenommen habe, die Behandlungen würden zu Lasten der GKV durchgeführt. Das gilt grundsätzlich auch für die von Nervenärztinnen und -ärzten am häufigsten erbrachten IGeL: Das Ausstellen von einfachen Attesten, zumeist zu berechnen nach Nr. 70 der GOÄ (Vorschlag für die Liquidation: Kurze Bescheinigung, Nr. 70 GOÄ, 40 Punkte, 2,15-fach 5,00 €). Aber: „Wo kein Kläger, da kein Richter“! Bei derartigen Bagatell-IGeL dürfte es auch ohne Behandlungsvertrag wohl kaum zu Beanstandungen kommen, eine Liquidation nach der GOÄ sollte aber ausgestellt werden.“

Frage: Können Liquidationen von IGeL durch privatärztliche Verrechnungsstellen (PVS) erstellt und das fällige Honorar ggf. auf dem Rechtsweg beigebracht werden?

Antwort:

„Ja! Weil aber personenbezogene Daten an die PVS weitergegeben werden, muss die Patientin oder der Patient die Ärztin oder den Arzt von der Schweigepflicht gegenüber der PVS entbinden.“

Frage: Kann man bei „suspekten“ Patientinnen und Patienten, bei denen Zweifel bestehen, ob sie die IGeL-Rechnung bezahlen, Vorkasse verlangen?

Antwort:

„Nein! Möglich ist, direkt nach der Behandlung eine Rechnung auszustellen und diese sofort einzufordern oder besser, wenn erhebliche Zweifel an der Zahlungsmoral bestehen, die Erbringung der gewünschten IGeL zu verweigern.“

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