„Notfall“-Patienten sollen per Software gesteuert werden

Patienten, bei denen ein medizinischer Notfall vorzuliegen scheint, sollen künftig mit einer neuen Software der adäquaten medizinischen Versorgung zugeordnet werden. Die Software SmED soll einschätzen, ob bei Patienten ein medizinischer Notfall oder eine Bagatellerkrankung vorliegt.

 

Patienten mit akuten Beschwerden können den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 anrufen. Der Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst soll künftig mehr Klarheit für Patienten schaffen und mit einer neuen Software noch zielgenauer Patienten weiterleiten können. Die Software SmED (Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland) stellt den Patienten Fragen, um die Beschwerden einzuschätzen. SmED soll die Disponenten unterstützen und überall dort eingesetzt werden, wo hilfesuchende Patienten vorstellig werden, so zum Beispiel auch in Bereitschaftspraxen.

Handlungsempfehlung geben

SmED sei ein wichtiger Baustein im Programm der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), um den Patienten rund um die Uhr eine Anlaufstelle bei akuten Beschwerden zu bieten, erklärte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung in Berlin.

Das standardisierte Verfahren ermögliche eine sichere Empfehlung, wer tatsächlich die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen müsse. Die übrigen ratsuchenden Patienten sollen direkt dorthin vermittelt werden, wo ihnen am besten geholfen werden könne. Dies könne auch eine abschließende telefonische ärztliche Beratung sein.

„Mit der Investition in eine verbesserte telefonische Erreichbarkeit leisten die KVen und die niedergelassenen Ärzte einen wichtigen zusätzlichen Beitrag zur Sicherstellung. Die Krankenhäuser und die Bereitschafts­praxen sollen so von den sogenannten unechten Notfällen entlastet werden“, sagt Hofmeister.

 

So funktioniert das Ersteinschätzungsverfahren

„SmED basiert auf einem bereits etablierten evidenzbasierten System, mit dem Patientenbeschwerden hinsichtlich ihrer Dringlichkeit und der richtigen Versorgungsebene zur weiteren Abklärung ihres Anliegens eingeschätzt werden können. Die Patienten erhalten eine gezielte Empfehlung. Zum Beispiel: „Sofort ins Krankenhaus“, „Termin beim niedergelassenen Arzt reicht aus“ oder „Hausmittel verschaffen Linderung“. Neben der Einordnung der Beschwerden bietet SmED auch eine Dokumentation für die anschließende Behandlung“, erklärt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

 

Patientensteuerung in der Schweiz macht es vor

Ein softwaregestütztes System aus der Schweiz dient als Basis für SmED, mit dem die Ersteinschätzung von Patienten vorgenommen wird. Die medizinischen Inhalte des Systems beziehen sich unter anderem auf das Projekt und die Publikation „Red-Flags“ des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern, bei dem mehr als 250 wissenschaftliche Arbeiten berücksichtigt wurden. Die medizinischen Inhalte werden fortwährend aktualisiert.
Für die Anwendung in Deutschland haben das Zi, das aQua-Institut und die in4medicine AG bereits eine erste SmED-Version erstellt.

Test in elf Kassenärztlichen Vereinigungen

Die Software wird ab dem ersten Quartal 2019 im Alltagseinsatz auf dem Gebiet von elf KVen evaluiert und kontinuierlich verbessert. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert ein entsprechendes Evaluationsprojekt. SmED wird darüber hinaus allen KVen zur Verfügung stehen, die es in ihren Telefonvermittlungszentralen und in den Bereitschafts­praxen einsetzen können.

 

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Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)