Psychometrische Tests richtig abrechnen

Als psychometrische Testverfahren werden von Kinder- und Jugendärzten insbesondere orientierende Testverfahren und Intelligenz- und Entwicklungstests eingesetzt.

In der GOÄ sind diese Tests mit den Nr. 857 und 856 angeführt. Diese Tests können von jedem Kinder- und Jugendarzt durchgeführt und berechnet werden. Sie sind in der Weiterbildung unter „Entwicklungsdiagnostik einschließlich Anwendung und Beurteilung von Testverfahren“ enthalten.

Nummer 857 GOÄ:„Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen (z.B. Fragebogentest nach Eysenck, MPQ oder MPI, Raven-Test, Sceno-Test...), mit Ausnahme des sogenannten Lüscher-Tests, insgesamt 116 Punkte.

Neben ... Nummer 857 sind die .... Nummern 716 und 717 nicht berechnungsfähig.“

Nummer 856 GOÄ:„Anwendung und Auswertung standardisierter Intelligenz- und Entwicklungstests (Staffeltests oder HAWIE(K), IST/Amthauer, Bühler-Hetzer...) mit schriftlicher Aufzeichnung, insgesamt 61 Punkte.

Neben ... Nummer 856 sind die .... Nummern 715 bis 718 nicht berechnungsfähig.“

Beim Vergleich der Leistungslegenden fällt auf, dass in der Nr. 856 GOÄ Tests abschließend, in der Nr. 857 GOÄ beispielhaft angeführt sind. Die Folge ist, dass ein in der GOÄ nicht aufgeführter standardisierter Intelligenz- und Entwicklungstest mit Nr. 856 GOÄ analog abgerechnet werden muss. Wenn man dies unterlässt, hat das in der Regel aber keine Konsequenz, denn die genaue Bezeichnung des jeweiligen Tests muss in der Rechnung nicht angegeben werden.

In Zweifelsfällen dazu, ob ein Test der Nr. 856 oder 857 GOÄ zuzuordnen ist, ist neben der Art des Tests auch der Aufwand zu berücksichtigen, der mit dem Test verbunden ist. Dabei ist die Zuordnung eines Tests, der kein „Intelligenz- oder Entwicklungstest“ ist, zu der Nr. 856 GOÄ nur möglich, wenn der Test seiner Art nach eine Zwischenstellung einnimmt und der Aufwand entsprechend ist.

Beispiele zur Nr. 856 sind:

  • Hyperkinese-Test (HKS)
  • Konzentrations-Leistungs-Test (KLT)
  • Sprach-Verständnis-Test für Kinder (MSVK)
  • Koordinations-Test für Kinder (KTK)
  • Aachener Aphasie-Test. (AAT)
  • SON-Tests

Zusatz „insgesamt“

Die Nummern 856 und 857 GOÄ enthalten den Zusatz „insgesamt“. Das heißt, dass für Tests derselben Art, die in einer Sitzung (in einem Arzt-Patienten-Kontakt) durchgeführt werden,Nr. 856 beziehungsweise 857 GOÄ nur einmal berechnet werden darf. Bei der Verwendung mehrerer Tests kann der Faktor höher bemessen werden (bis 2,5-fach). Das heißt aber nicht, dass alle im Verlauf einer Behandlung oder eines Behandlungsfalles (Monatsfrist) durchgeführten Tests mit der einmaligen Berechnung der Nr. 856 beziehungsweise 857 abgegolten sind. Ob dasselbe Testverfahren nach erstmaliger Durchführung wieder berechnet werden kann, richtet sich nach der medizinischen Notwendigkeit.

Beispiel: Änderung des Krankheitsbildes

Eine medizinische Notwendigkeit ist zum Beispiel gegeben, wenn sich das Krankheitsbild geändert hat oder eine Therapiekontrolle erforderlich ist. Aber auch die Erschöpfung des Patienten kann dazu zwingen, die medizinische Notwendigkeit damit zu begründen, verschiedene Testverfahren auf mehrere Sitzungen zu verteilen. Eine rein organisatorisch bedingte oder gar zum Zweck einer besseren Vergütung vorgenommene Aufteilung derselben Art von Tests auf verschiedene Termine begründet aber keine erneute Abrechenbarkeit. Für eine erneute Berechnung der Nr. 856 beziehungsweise 857 GOÄ nach bereitskurzer Zeit sollten für den Streitfall die Gründe aus der Dokumentation nachvollziehbar sein.

Delegation standardisierter Testverfahren

Zur Delegierbarkeit sagten Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung im Deutschen Ärzteblatt vom 10.10.2008: „Standardisierte Testverfahren: Mit Ausnahme der Indikationsstellung, der Bewertung des Testergebnisses und der diesbezüglichen Dokumentation ist die Durchführung von standardisierten Testverfahren (z.B. psychometrische Tests, Barthel-Index, geriatrisches Assessment nach LACHS) delegierbar.“  Ist bei komplexen Intelligenz- und Entwicklungstests (Nr. 856 GOÄ) die Berücksichtigung des Testverhaltens des Patienten von Bedeutung, ist die Durchführung aber nur möglich, wenn sie an entsprechend geschultes Personal delegiert wird. Mit zur (delegierbaren) Durchführung des Testverfahrens gehört auch die eventuelle Erstellung von „Punkten“ oder Scores, sofern dies standardisiert ist.

 

WichtigIn der GOÄ nicht aufgezählte orientierende Testuntersuchungen sind der Nr. 857 GOÄ direkt zuzuordnen. In der GOÄ nicht aufgezählte standardisierte Intelligenz- und Entwicklungstests sind mit Nr. 856 analog abzurechnen. Die Unterlassung der Analogkennzeichnung hat aber in der Regel keine Konsequenz

Die den Tests entsprechende GOÄ-Nummer kann nur einmal pro Arzt-Patienten-Kontakt berechnet werden. Bei Anwendung mehrerer Tests oder bei so genannten „Langformern“ kann der Faktor erhöht werden

Wann die GOÄ-Nummer erneut berechenbar ist, bestimmt sich nach der medizinischen Notwendigkeit

Die Durchführung der Tests ist delegierbar. Bei komplexen Intelligenz- und Entwicklungstests sollte das Praxispersonal aber entsprechend geschult sein