Testosteron kann Männern mit Depression helfen

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Psychologen Dr. Andreas Walther liefert überzeugende Befunde dafür, dass eine Testosteron-Behandlung zur Reduktion von depressiven Symptomen bei Männern effektiv ist.

 

Lange Zeit herrschte große Unklarheit über die Effektivität von Testosteron bei der Behandlung depressiver Symptome bei Männern. Unterschiedliche Studien, die die Wirkung von Testosteron bei verschiedenen Gruppen von Männern (depressive Männer, ältere Männer, HIV-positive Männer etc.) untersuchten, lieferten bis dato widersprüchliche Ergebnisse.

Die aktuelle Studie führte die Befunde von 27 randomisierten Placebo-kontrollierten Untersuchungen bei insgesamt 1.890 Männern zusammen. Dr. Andreas Walther von der Professur für Biopsychologie der TU Dresden ist der Leiter der Studie. „Da die derzeitige Erfolgsquote bei der Therapie von depressiven Störungen ziemlich unbefriedigend ist, stellen neue Therapiemöglichkeiten für spezifische Subgruppen von Patienten vielversprechende Ansätze dar. Testosteron ist schon jetzt auf dem Markt verfügbar und wird über Umwege von zahlreichen Männern eingesetzt. Wir wollten mit der vorliegenden Meta-Analyse klären, ob Testosteron tatsächlich eine anti­depressive Wirkung aufweist“, erklärt Dr. Walther.

Die StudieFragestellung: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Testosteronbehandlung und Linderung depressiver Symptome bei Männern?

Analysiert wurden 27 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 1.890 Männern, die unter depressiven Symptomen litten und Testosteron oder Placebo bekamen.Ergebnis: Die Behandlung mit Testosteron im Vergleich zu Placebo ging insgesamt mit einer signifikanten Verringerung der depressiven Symptome einher (Effektstärke: Hedges g: 0,21; 95 % CI, 0,10–0,32). Dieser Effekt enspricht 2,2 Punkten beim BDI-II (Becks-Depressions-Inventar) und liegt damit im Bereich einer klinisch relevanten Symptom-Reduktion (3,0 und 2,0 Punkte).
Zudem zeigte sich ein Dosis-abhängiger Effekt: 200 mg/Woche Hedges g: 0,15 (SE = 0,18; 95 % CI, −0,21–0,51). 500 mg/Woche Hedges g: 0,52 (SE = 0,23; 95 % CI, 0,08–0,96).

Zusammenfassung: Die Behandlung mit Testosteron scheint depressive Symptome bei Männern zu verringern, insbesondere in höheren Dosierungen. Angesichts der Heterogenität der eingeschlossenen RCTs sind jedoch mehr Studien erforderlich, die eine Depression explizit als primären Endpunkt untersuchen.


Testosteron reduziert depressive Symptome

Die Analyse zeigte, dass eine Behandlung mit Testosteron im Vergleich zu Placebo depressive Symp­tome deutlich reduzierte. Testosteron-behandelte Männer  wiesen häufig eine Symptomreduktion um 50 Prozent oder mehr auf, was den klinischen Nutzen einer solchen Behandlung unterstreicht. Dabei erkannten die Forscher, dass höhere Dosen des Hormons die Effektivität der Behandlung steigerten, während Alter, Testosteronstatus oder die anfängliche depressive Symptomatik diese Effektivität nicht beeinflussten. Die Testosteron-­behandelten Patienten zeigten im Hinblick auf die Verträglichkeit keine Unterschiede zu der Placebo-Kontrollgruppe.


Grundlage für weitere Studien

Die Forscher betonen jedoch, dass derzeit das Risiko für Verzerrungen der Ergebnisse noch zu groß ist und es mehr hochqualitative randomisierte kontrollierte Studien mit Testosteron und Depression als primären Endpunkt brauche.

Die Ergebnisse bilden nun die Grundlage für weitere groß angelegte Studien, in denen langfristig  die Wirksamkeit, Sicherheit sowie die Einsatzgebiete von Testosteron bei Männern erforscht werden sollen. Derzeit läuft bereits eine große randomisierte kontrollierte Studie, die speziell bei älteren Männern mit niedrigen Testosteronspiegeln und lang­anhaltender depressiver Verstimmung den klinischen Nutzen und die Anwendbarkeit von Testosteron untersucht. Befunde dieser und ähnlicher Studien werden entscheiden, ob das Hormon als antidepressive Therapie bei Männern schließlich Eingang in den Markt finden wird.

Walther et al., Association of Testosterone Treatment with Alleviation of Depressive Symptoms in Men. JAMA Psychiatry, November 2018. DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2018.2734

Quelle: Technische Universität Dresden