Verbrauchtes Material: Darf ich das berechnen?

Die „Spielregeln“ dafür, ob bei der Erbringung ärztlicher Leistungen verbrauchtes Material berechnet werden darf oder nicht, sind für viele Ärzte undurchsichtig. Man kann das aber in der Art eines „Ja-Nein-Spiels“ selbst ermitteln.

 

Grundsätzlich sind „Praxiskosten“ gemäß § 4 Abs. 3 GOÄ mit den Gebühren (dem Honorar für die Leistung) abgegolten. Als Ausnahme steht da aber auch: „soweit nicht in dieser Verordnung etwas anders bestimmt ist.“ Die „anderen“ Bestimmungen findet man teils direkt bei den Leistungen (z.B. steht bei den Abstrich­entnahmen (Nrn. 297, 298 GOÄ), dass mit der Gebühr die Kosten abgegolten sind), teils in allgemeinen Bestimmungen des entsprechenden GOÄ-Abschnitts (z. B. steht vor dem Laborabschnitt in der Bestimmung Nr. 1 Satz 2, dass (mit wenigen Ausnahmen) die Kosten abgegolten sind).

§ 10 der GOÄ

Solche expliziten Regelungen sind aber nicht häufig. Die wichtigste „andere Bestimmung“ findet sich § 10 der GOÄ. 
► Bitte ziehen Sie hier Ihre GOÄ hinzu.

Bevor man sich mit dem § 10 auseinandersetzt, muss man noch bedenken, dass § 1 der GOÄ sagt, dass der Arzt nur Vergütungen für Leistungen (das impliziert nach dem § 3 auch die Sachkosten) berechnen darf, die medizinisch notwendig waren oder der Patient verlangt hat. Es ist deshalb nicht statthaft, wegen einfacherer Handhabung oder aus wirtschaftlichen Gründen mehrfach verwendbares Material durch Umstieg auf Einmalmaterialien von den (nicht berechenbaren) Praxiskosten in die berechenbaren Auslagen zu verlagern. 

Manchmal enthalten fertig gepackte „Einmalsets“ eine Mischung von berechenbaren Materialien und nicht berechenbaren Materialien. Macht man es korrekt, muss man den Lieferanten bitten, den Preis aufzugliedern.
Ganz oben im § 10 (Abs. 1 Nr. 1) steht, dass das verwendete Material mit der einmaligen Anwendung verbraucht sein muss oder der Patient es behält. Dann wird auf den Absatz 2 hingewiesen, der aufzählt, was trotzdem nicht berechnet werden darf.

WichtigWenn die Berechenbarkeit von Auslagen zu Leistungen nicht explizit geregelt ist, bestimmt sich das nach dem § 10 der GOÄ

Anhand des im Beitrag beschriebenen „Ja-Nein-Spiels“ lässt sich prüfen, ob ein verwendetes ­Material als Auslage in Rechnung gestellt werden darf oder nicht Paragraf 10 GOÄ

Kleinmaterial

Dort heißt es in Abs. 2 Nr. 1, dass „Kleinmaterial“ nicht berechnet werden darf. Die genannten Materialien sind als Beispiele genannt („Kleinmaterialien wie…“). Das heißt, dass auch dort nicht genanntes „Kleinmaterial“ nicht berechnet werden darf. Die Grenze dafür liegt bei einem Preis von einem Euro für das jeweilige Material. Was (deutlich) weniger kostet, darf nicht berechnet werden.

Die mancherorts genannte Grenze von 1,50 € bezieht sich lediglich auf ein Urteil aus dem Jahr 1991. Die Grenze von einem Euro hingegen bezieht sich auf die UV-GOÄ (dort genau: 1,02 €).
Danach werden unter den Nrn. 2 bis 5 Materialien explizit angeführt, die nicht berechnet werden dürfen. Diese dürfen durch die namentliche Anführung auch dann nicht berechnet werden, wenn das Material mehr als einen Euro kosten würde.

Das „Ja-Nein-Spiel“

Zusammengefasst kann man die Frage, ob ein verwendetes Material als Auslage berechnet werden darf oder nicht anhand folgender Frage-Antwort-Kette beantworten:

  1. Ist die Verwendung des Materials als Einmalmaterial medizinisch notwendig?
  2. Ist das Material mit der einmaligen Anwendung verbraucht oder behält der Patient das Material?
  3. Ist direkt zu der Leistung (Leistungs­legende oder in einer Anmerkung) oder in einer allgemeinen Bestimmung die Berechnung von Kosten ausgeschlossen?
  4. Fällt das Material unter die Bestimmung des nicht-berechenbaren Kleinmaterials (Preis unterhalb eines Euros)?
  5. Fällt das Material unter eines der in § 10 Abs. 2 Nrn. 2 bis 5 von der Auslagenberechnung ausgeschlossenen Materialien?

Ist das Ergebnis zu den Punkten 1 und 2 jeweils ein „Ja“ und zusätzlich zu den Punkten 3 bis 5 ein „Nein“, darf das Material als Auslage berechnet werden.

Auslagenberechnung oder Rezept?

Alternativ zur Berechnung als Auslage können manche Materialien auch rezeptiert werden. Auch dazu gilt aber das Gebot der medizinischen Notwendigkeit. Den ersten Punkt der Frage-Antwort-Kette darf man nicht durch Rezeptierung aushebeln.