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Potenzial

Abrechnung optimieren – wirtschaftlich stark durch schwierige Zeiten

Wie Arztpraxen versteckte Potenziale in Ihrer Kassenabrechnung heben können.


30.06.2025
M. Otto
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Der wirtschaftliche Druck auf Arztpraxen nimmt weiter zu: Steigende Personalkosten, inflationsbedingte Ausgaben und ein enges Korsett aus Budgetgrenzen stellen viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, bestehende Strukturen regelmäßig auf Optimierungspotenziale zu prüfen – besonders bei der Abrechnung. Denn häufig liegt genau dort der Schlüssel zu finanzieller Entlastung und mehr wirtschaftlicher Stabilität.

Abrechnung in der Praxis optimieren: Warum Potenziale oft ungenutzt bleiben

Im hektischen Praxisalltag bleibt wenig Zeit für strategische Überlegungen. Laut Michael Otto von KOCK CONSULTING ist Zeitmangel der Hauptgrund dafür, dass viele Praxen bares Geld verschenken. „80 % unserer Beratung beginnt damit, überhaupt erst Transparenz zu schaffen – denn die meisten wissen gar nicht, wo ihnen Honorar entgeht“, weiß der Berater mit langjähriger Erfahrung im Praxismanagement.

Ein häufiger Schwachpunkt liegt im Bereich Prävention. So zeigt sich etwa beim Recall-System ein deutlicher Unterschied: In allgemeinmedizinischen Praxen ohne Recall erhalten im Schnitt nur 5 % der Patienten eine Gesundheitsuntersuchung. Mit Recall-Strukturen steigt dieser Anteil auf 12 bis 15 %. Auch bei der Versorgung in Heimen bleibt viel Potenzial ungenutzt – etwa, weil Kooperationsverträge mit Pflegeeinrichtungen fehlen, die Zuschläge ermöglichen würden.

Neben dem Zeitproblem fehlt es zudem häufig an spezifischem Wissen rund um die geltenden Abrechnungsregelungen und deren optimale Nutzung. Genau hier setzt Otto an: mit individueller Analyse, strukturierter Optimierung und klaren Handlungsempfehlungen.

Offene Sprechstunde – Chance statt Pflicht

Ein Beispiel für solche ungenutzten Potenziale ist die „offene Sprechstunde“. Was ursprünglich als Verpflichtung durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt wurde, kann – richtig umgesetzt – zu einem echten wirtschaftlichen Vorteil werden. Die offene Sprechstunde wird extrabudgetär vergütet – die erbrachten Leistungen fließen nicht in das reguläre Praxisbudget – das heißt: 100 % des Honorars fließen direkt in die Praxis – ohne Budgetdeckelung.

Doch in der Praxis wird dieses Potenzial häufig nicht ausgeschöpft. Die Gründe: Unklare Dokumentation, fehlende Leistungsdifferenzierung und die falsche Einschätzung, wer in der offenen Sprechstunde überhaupt behandelt wird. Eine gezielte Analyse kann hier Licht ins Dunkel bringen.

Korrekt, vollständig, plausibel – der Weg zu mehr Honorar

Die Abrechnungsoptimierung folgt einem strukturierten Ablauf:

  1. Zuerst wird analysiert, wie die Praxis aktuell abrechnet – etwa über den Vergleich mit Häufigkeitsstatistiken der entsprechenden Fachgruppe. Dabei zeigt sich schnell, welche Leistungen unterrepräsentiert sind oder ganz 
    fehlen.
  2. Anschließend erfolgt die Optimierung: Die Leistungen werden im Team besprochen, gezielt gesteigert und korrekt dokumentiert.
  3. In der dritten Phase werden fehlerhafte Abrechnungen korrigiert, bevor die Abrechnung plausibilisiert und finalisiert wird.

Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass keine Leistungen „durch die Lappen gehen“. Gerade im laufenden Betrieb fällt es schwer, auf alle Details zu achten. Zwei Beispiele: In allgemeinmedizinischen Praxen werden psychosomatische Leistungen kaum abgerechnet, obwohl sie alltäglich erbracht werden. In der Orthopädie betrifft das etwa die Massagetherapie oder die Krankengymnastik, die trotz Indikation nicht systematisch dokumentiert und abgerechnet werden.

ePA: Mehr Budget durch Digitalisierung

Ein weiteres Beispiel für Optimierung im Detail: die elektronische Patientenakte (ePA). Wer die ePA zum ersten Mal beim Patienten korrekt befüllt, erhält von der Krankenkasse 11 € zusätzlich pro Patient. Für Hausärzte ebenso wie für viele Fachärzte ist das eine Möglichkeit, das Honorar gezielt zu steigern. Klingt wenig – summiert sich aber bei konsequenter Umsetzung schnell zu einem spürbaren Plus im Honorar. Dennoch bleibt dieses Potenzial vielerorts ungenutzt. Warum? Entweder fehlt das Wissen um die Möglichkeit oder schlichtweg die Zeit.

Strategisch denken – wirtschaftlich handeln

Was wie „Tricks“ klingen mag, sind in Wahrheit fest definierte Regelungen innerhalb des Kassensystems. Sie zu kennen und gezielt einzusetzen, ist kein Schlupfloch, sondern kluge Praxisführung. Entscheidend ist, die eigene Abrechnung nicht nur als lästige Pflicht, sondern als strategisches Instrument zu begreifen.

Otto bringt es auf den Punkt: 

„In der aktuellen Situation kann es sich keine Praxis leisten, auf zusätzliches Honorar zu verzichten. Umso wichtiger ist es, vorhandenes Potenzial sichtbar und nutzbar zu machen.“

Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

Die Rahmenbedingungen für ärztliche Tätigkeit verändern sich – und mit ihnen die Anforderungen an die Praxisführung. Wer den Überblick über seine Abrechnung behält, Lücken schließt und Potenziale konsequent nutzt, schafft sich mehr wirtschaftliche Sicherheit. Der erste Schritt ist meist ein strukturierter Blick von außen – und der lohnt sich.

RLV und QZV

Q1/2024

Q2/2024

Q3/2024

Q4/2024

2024 gesamt

RLV- und QZV-Budget

19.871,35 €

14.176,47 €

14.487,97 €

27.765,62 €

76.301,41 €

Summe Budgets

19.871,35 €

14.176.47 €

14.487,97 €

27.765,62 €

76.301,41 €

Abgerechnet

27.660,35 €

19.733,23 €

20.166,84 €

38.648,94 €

106.209,36 €

Summe RLV-relevant

27.660,35 €

19.733,23 €

20.166,84 €

38.648,94 €

106.209,36 €

Anteil in %

26,04 %

18,58 %

18,99 %

36,39 %

100,00 %

Über-/Unterschreitung

-7.789,00 €

-5.556,77 €

-5.678,87 €

-10.883,32 €

-29.907,96 €

Verrechnung

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Quote für Überschreitung

11,94 %

11,94 %

11,94 %

11,94 %

0,00 %

Anerkannt

20.801,36 €

14.839,94 €

15.166,03 €

29.065,09 €

79.872,42 €

Freier Bereich
Freie Leistungen inklusive Labor

27.472,43 €

26.608,68 €

21.181,73 €

42.238,68 €

117.501,52 €

TSVG

95,74 €

92,81 €

51,43 €

428,13 €

668,12 €

AOP-Leistungen (88115)

643,72 €

526,01 €

55,03 €

6.320,17 €

7.544,94 €

Belegärztliche Leistungen

0,00 €

0,00 €

0,00 €

4.925,48 €

4.925,48 €

Sonstige Kostenträger

234,85 €

932,42 €

43,78 €

331,00 €

1.542,05 €

Notdienst

140,55 €

0,00 €

219,70 €

0,00 €

360,25 €

Laborbonus (ohne veranlasste Leistungen)

436,87 €

330,90 €

303,64 €

565,14 €

1.636,55 €

ASV-Leistungen

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Gesamthonorar

49.825,51 €

43.330,77 €

37.021,34 €

83.873,69 €

214.051,31 €

Anteil Arztfälle

26,64 %

20,20 %

18,54 %

34,62 %

100,00 %

Scheine je Arzt

707

536

492

920

2.655

Honorarumsatz je Fall

70,47 €

80,84 €

75,25 €

91,17 €

80,62 €

Fachgruppendurchschn. Honorarumsatz je Fall

62,11 €

62,11 €

62,11 €

62,11 €

0,00 €

Tab. 1: Beispielhafter Auszug der KV-Abrechnung einer Hausarztpraxis vor Optimierung der KV-Abrechnung.
RLV und QZV

Q1/2024

Q2/2024

Q3/2024

Q4/2024

2024 gesamt

RLV- und QZV-Budget

18.092,08 €

11.962,14 €

13.549,03 €

23.245,91 €

66.849,15 €

Summe Budgets

18.092,08 €

11.962,14 €

13.549,03 €

23.245,91 €

66.849,15 €

Abgerechnet

22.142,18 €

14.639,99 €

16.582,12 €

28.449,76 €

81.814,05 €

Summe RLV-relevant

22.142,18 €

14.639,99 €

16.582,12 €

28.449,76 €

81.814,05 €

Anteil in %

27,06 %

17,89 %

20,27 %

34,77 %

100,00 %

Über-/Unterschreitung

-4.050,11 €

-2.677,85 €

-3.033,10 €

-5.203,85 €

-14.964,90 €

Verrechnung

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Quote für Überschreitung

11,94 %

11,94 %

11,94 %

11,94 %

0,00 %

Anerkannt

18.575,66 €

12.281,87 €

13.911,18 €

23.867,25 €

68.635,96 €

Freier Bereich
Freie Leistungen inklusive Labor

24.729,59 €

19.861,38 €

17.657,84 €

34.178,91 €

96.427,72 €

TSVG

12.299,20 €

12.946,84 €

8.266,20 €

22.957,52 €

56.469,76 €

AOP-Leistungen (88115)

707,30 €

885,14 €

55,03 €

6.842,70 €

8.490,17 €

Belegärztliche Leistungen

0,00 €

0,00 €

0,00 €

7.451,46 €

7.451,46 €

Sonstige Kostenträger

245,26 €

957,21 €

43,78 €

331,00 €

1.577,25 €

Notdienst

140,55 €

0,00 €

219,70 €

0,00 €

360,25 €

Laborbonus (ohne veranlasste Leistungen)

462,89 €

341,44 €

308,60 €

592,40 €

1.705,33 €

ASV-Leistungen

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Gesamthonorar

57.160,46 €

47.273,88 €

40.462,33 €

96.221,24 €

241.117,90 €

Anteil Arztfälle

27,08 %

19,99 %

18,07 %

34,86 %

100,00 %

Scheine je Arzt

751

554

500

966

2.771

Honorarumsatz je Fall

76,11 €

85,33 €

80,92 €

99,61 €

87,01 €

Fachgruppendurchschn. Honorarumsatz je Fall

62,11 €

62,11 €

62,11 €

62,11 €

0,00 €

Tab. 2: Beispielhafter Auszug der KV-Abrechnung einer Hausarztpraxis nach Optimierung der KV-Abrechnung.


Autor

Michael Otto
Partner der KOCK CONSULTING – Beratung für die Heilberufe
Wolfener Str. 32–34
Haus K, 12681 Berlin
info(at)kock-consulting.de
kock-consulting.de

Foto des Praxisberaters Michael Otto