Digitale Praxis-Services: Ältere Patienten nutzen Online-Angebote stärker als gedacht
Eine aktuelle Auswertung von über sechs Millionen Online-Anfragen zeigt: Fast jede dritte digitale Anfrage in deutschen Arztpraxen stammt von Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren. Ihre Nutzung wächst zudem schneller als die jüngerer Altersgruppen.
Dass Terminvereinbarungen, Rezeptbestellungen oder AU-Anfragen zunehmend digital eingehen, ist in vielen Praxen längst Alltag. Überraschend ist jedoch, wer diese Angebote besonders intensiv nutzt: Laut einer Datenanalyse des Praxissoftware-Herstellers 321 MED kamen im Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 31,7 % aller Online-Anfragen von Menschen ab 60 Jahren. Im Jahresvergleich stieg die Nutzung in dieser Altersgruppe um bemerkenswerte 45 % – deutlich stärker als bei jüngeren Patientinnen und Patienten (18–29 Jahre: +35,4 %).
Besonders dynamisch wächst die Nutzung bei den 70- bis 79-Jährigen (+47,9 %), gefolgt von den 60- bis 69-Jährigen (+44,2 %) und Menschen ab 80 Jahren (+40,8 %).
Fachrichtungen mit besonders hohem Anteil älterer Online-Nutzer
Der Anteil älterer Patienten an den digitalen Terminanfragen unterscheidet sich erheblich nach Fachrichtung – auch aufgrund der unterschiedlichen Altersstruktur der jeweils behandelten Patienten. Von Juli 2025 bis Juni 2026 zeigte sich folgendes Bild:
- Kardiologie: 49,1 % der Online-Terminanfragen von Patienten ab 60
- Augenheilkunde: 40,4 %
- Urologie: 39,0 %
- Radiologie: 34,3 %
- Orthopädie: 32,4 %
- Allgemeinmedizin: 25,2 %
Gerade in Praxen mit einem hohen Anteil älterer Patientinnen und Patienten kann sich daher ein genauer Blick auf die digitale Erreichbarkeit lohnen.
Verschiedene Zugangswege bleiben wichtig
Die Ergebnisse stellen die pauschale Annahme infrage, ältere Menschen würden digitale Praxisangebote grundsätzlich meiden. Gleichzeitig bleibt es wichtig, unterschiedliche Zugangswege anzubieten. Für Patientinnen und Patienten, denen nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung steht oder die ihr Anliegen außerhalb der Sprechzeiten übermitteln wollen, kann sich der unkomplizierte digitale Weg eignen. Ebenso sollten telefonische und persönliche Kontaktmöglichkeiten für Menschen erhalten bleiben, die digitale Angebote nicht nutzen können oder wollen.
„Digitalisierung funktioniert im Praxisalltag dann, wenn sie Patienten zusätzliche Möglichkeiten eröffnet und gleichzeitig das Praxisteam entlastet“, sagt Dr. med. Magnus Baringer, Gründer und Geschäftsführer von 321 MED.
Hintergrund zur Auswertung
Ausgewertet wurde ein repräsentativer Auszug von über sechs Millionen Online-Anfragen mit erfasstem Geburtsjahr aus zwei saisonal vergleichbaren Zwölfmonatszeiträumen: Juli 2024 bis Juni 2025 sowie Juli 2025 bis Juni 2026. Für den Jahresvergleich wurden ausschließlich Daten berücksichtigt, die über den gesamten Zeitraum auf einer gleichbleibenden Grundlage vorlagen. Die Auswertung zählt abgeschlossene Anfragen, nicht einzelne Personen – nutzt eine Patientin oder ein Patient die Online-Rezeption mehrfach, werden diese Vorgänge als mehrere Anfragen erfasst.
Quelle: 321 Med