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Allgemein- & Innere Medizin, Wirtschaft, Abrechnung Allgemein- & Innere Medizin Wirtschaft
Diagnostik

MASLD/MASH – Kosteneffiziente Erstdiagnose durch den Hausarzt

Die Bedeutung der MASLD/MASH für das deutsche Gesundheitssystem wird aufgrund ihres Bezugs zum metabolischen Syndrom und ihrer steigenden Prävalenz zunehmen. Eine frühe Diagnosestellung durch niedergelassene Haus- und Allgemeinärzte und eine leitliniengerechte Therapie können helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Diagnostik kann wirtschaftlich abgerechnet werden. 


17.10.2024
B. Hönscheid
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Die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)* ist eine chronische Erkrankung der Leber. Sie ist durch Einlagerungen von Triglyzeriden in der Leber und dem Vorliegen mindestens eines kardiometabolischen Risikofaktors charakterisiert.1 Einen Subtyp der MASLD stellt die metabolische dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis (MASH)* dar. Bei einer MASH findet sich zusätzlich eine Entzündung der Leberzellen, auf deren Basis sich eine Leberfibrose, eine Leberzirrhose und ein Leberzellkarzinom entwickeln können.1–4 

Komorbiditäten und Epidemiologie 

Die Prävalenz der MASLD ist bei Patienten mit metabolischem Syndrom, Diabetes, arteriellem Bluthochdruck, Hyperlipidämie oder Adipositas um ein Vielfaches erhöht, aber auch normalgewichtige Menschen können eine MASLD entwickeln.1,4,5 In einer Modellberechnung wird die Prävalenz der MASLD in Deutschland im Jahr 2016 mit 22,9 % und mit einem Anstieg auf 26,4 % im Jahr 2030 angegeben, für die MASH eine Prävalenz von 4,1 % im Jahr 2016 und eine berechnete Prävalenz von 6,0 % im Jahr 2030.2 Etwa jeder vierte deutsche Bundesbürger wird demnach unter einer MASLD/MASH leiden. Vorausberechnungen gehen von 171.000 prävalenten Fällen einer dekompensierten Leberzirrhose, 4.090 prävalenten Fällen eines Leberzellkarzinoms und 12.510 Todesfällen durch die MASH aus.2 

Diagnostik 

Ein generelles Screening von Erwachsenen auf MASLD/MASH wird in Deutschland nicht empfohlen.4 Allerdings sollte eine Diagnostik erfolgen, sobald Risikofaktoren für eine MASLD/MASH vorliegen oder wenn anhaltend oder wiederkehrend erhöhte Leberwerte festgestellt werden.4,5 Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch Normalgewichtige eine MASLD entwickeln können. Zur primären Diagnostik einer MASLD/MASH wird eine Ultraschalluntersuchung und eine Risikostratifizierung mittels eines Fibrosescores, z. B. der FIB-4 empfohlen.4,5 Der FIB-4 berechnet sich aus den Parametern Alter, GOT, GPT und der Thrombozytenzahl.4,5 

Abrechnung der Diagnostik 

Die Bestimmung der Laborparameter mag aufgrund des festgelegten Laborbudgets finanziell unattraktiv erscheinen. Allerdings stehen den Kosten für potenziell nicht vergütbare Laboruntersuchungen von 1,00 €, vergütbare ärztliche Leistungen altersabhängig zwischen 50,95 € und 61,22 € gegenüber (s. Tab.). Die Erstdiagnostik der MASLD/MASH kann in der hausärztlichen Praxis also durchaus kosteneffizient erbracht werden. 

GOPBezeichnungBetrag
Labor
32069Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)0,25 €
32070Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT)0,25 €
32120Mechanisiertes Blutbild0,50 €
Summe Labor 1,00 €
Weitere diagnostische Abrechnungsziffern  
03000Versichertenpauschale 
ab Beginn des 19. bis zum vollendeten 54. Lebensjahr13,60 €
ab Beginn des 55. bis zum vollendeten 75. Lebensjahr17,66 €
ab Beginn des 76. Lebensjahrs23,87 €
03220Zuschlag zur GOP 03000 für die Behandlung und Betreuung eines Patienten mit mindestens einer lebensverändernden chronischen Erkrankung15,51 €
03221Zuschlag zur GOP 03220 für die intensive Behandlung und Betreuung eines Patienten mit mindestens einer lebensverändernden chronischen Erkrankung4,77 €
33042Abdominelle Sonografie17,07 €
Summe weitere diagnostische Abrechnungsziffern (altersabhängig) 50,95 € bis 61,22 €
Tab.: Abrechnungsmöglichkeiten bei Erstdiagnostik auf MASLD/MASH. EBM Stand: 2024/Q3

Diagnostik im Rahmen bestehender Versorgungsstrukturen 

Der Autor geht davon aus, dass die abdominelle Sonografie und die Bestimmung der GOT als weiterführende Diagnostik im Rahmen des Disease Management Programms (DMP) Adipositas erbracht und abgerechnet werden können. Da die MASLD/MASH jedoch nicht nur adipöse Menschen betrifft, wäre eine Aufnahme der Bestimmung des FIB-4 und die abdominelle Sonografie in regionale Verträge der Krankenkassen hilfreich um auch nichtadipöse Menschen frühzeitig diagnostizieren zu können. 

*vormals als nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) und nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) bezeichnet



1 EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). J Hepatol. 2024 Sep;81(3): 492–542.

2 Estes C, Anstee QM, Arias-Loste MT, et al. Modeling NAFLD disease burden in China, France, Germany, Italy, Japan, Spain, United Kingdom, and United States for the period 2016–2030. J Hepatol. 2018;69(4): 896–904. 

3 Wong RJ, Kachru N, Martinez DJ, et al. Real-world Comorbidity Burden, Health Care Utilization, and Costs of Nonalcoholic Steatohepatitis Patients With Advanced Liver Diseases. J Clin Gastroenterol. 2021;55(10): 891–902. 

4 Roeb E, Canbay A, Bantel H, et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie nicht-alkoholische Fettlebererkrankung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Z Gastroenterol. 2022;60(9): 1346–1421. 

5 Teufel A, Geier A, Sarrazin C, et al. [Intersectoral management of patients with abnormal liver enzymes and non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD)]. Z Gastroenterol. 2023;61(8): 1028–1036. 

Autor

Dr. med. Bastian Hönscheid
Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, 
Ernährungsmedizin, Geriatrie, Köln
hoenscheid(at)netcologne.de