Frau Wällnitz,
was entscheidet im Arzt-Patienten-Gespräch über Vertrauen?
Laura Wällnitz: Vertrauen entsteht häufig, bevor Inhalte vollständig verstanden sind. Patientinnen und Patienten hören sehr genau, ob jemand ruhig, klar und innerlich sicher spricht oder unter Druck steht. Eine angespannte, hektische Stimme verunsichert, selbst bei fachlich korrekten Aussagen. Eine ruhige, strukturierte Sprechweise hingegen vermittelt Orientierung und Sicherheit.
Welche Rolle spielt die Stimme bei der Erklärung von Diagnosen oder Therapien?
Wällnitz: Gerade bei belastenden Themen reagieren Menschen sensibel auf Nuancen. Ein bewusstes Sprechtempo, klare Satzenden und gezielte Pausen helfen, Informationen besser aufzunehmen. Wer sehr schnell spricht oder am Satzende mit der Stimme nach oben geht, wirkt unsicher. Das schwächt die Wirkung der Botschaft.
Viele Ärztinnen und Ärzte stehen unter Zeitdruck. Wie lässt sich dennoch deeskalierend kommunizieren?
Wällnitz: Deeskalation beginnt bei der eigenen inneren Haltung. Zwei bewusste Atemzüge vor einem schwierigen Gespräch verändern sofort Klang und Präsenz. Auch eine klare, ruhige Begrüßung mit Blickkontakt erzeugt Vertrauen. Menschen orientieren sich stark an ihrem Gegenüber. Wer ruhig wirkt, reguliert häufig auch die Situation.
Was gilt, wenn Patientinnen oder Patienten emotional oder vorwurfsvoll reagieren?
Wällnitz: Wichtig ist, nicht im gleichen Tempo oder Lautstärkelevel zu antworten. Eine bewusst etwas langsamere Stimme signalisiert Stabilität. Zudem hilft es, Emotionen zunächst zu benennen: „Ich sehe, dass Sie sehr besorgt sind.“ Das nimmt Spannung heraus, bevor sachlich weitergesprochen wird.