Gefordert und gefragt! Hausärzte und der Umgang mit Corona

Verantwortungsbewusstsein, Aufklärung und Vernunft als wichtigste Maßnahme.

Hausarztpraxen sind in der aktuellen Situation besonders gefordert. Gefordert und gefragt sind also gerade die Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren um das Bestehen und vor allem Nachwuchs kämpfen. Diejenigen, deren Image ein Problem hat. Es beruhigt, dass gerade Hausärzte für das Thema Coronavirus so entscheidend sind. Eine bessere Aufwertung kann der Beruf nicht erfahren – dies täglich und auf höchster politischer Ebene. 

Sensibilisierung für das Thema „Coronavirus"

Hausärzte erreichen die Patienten direkt, genießen Vertrauen. Nicht zuletzt durch das große Verantwortungsbewusstsein gegenüber der anvertrauten Patienten. Aufklärung und Erklärung sind die Basis des täglichen Handelns. Die Sensibilisierung für das Thema Coronavirus ist hier genau richtig. Hausärzte als erste Anlaufstelle zu nennen ist daher durchaus folgerichtig. Bewusst sollte aber auch allen Verantwortlichen sein, dass die „normale“ Praxis-Telefonnummer in Arztpraxen häufig auch ohne eine Corona-Situation schon überlaufen ist. Dass die Gesundheitsämter oder die bundeseinheitliche 116 117 aushilft ist da nur logisch – die 116 117 wird wiederum ebenfalls durch niedergelassene Ärzte unterstützt – zumindest in NRW.

6 Schutzmaßnahmen für die Praxis

1. Zusätzliche Telefonnummer

Maßnahmen, die in jeder Praxis aktuell leicht umzusetzen sind, wären die Einrichtung einer zusätzlichen Telefonnummer zur Meldung von Verdachtsfällen (bei uns bereits am 27.02.2020 unter 0 27 62 97 57 88 00 erfolgt) und ein Online-Meldeformular (wie z.B. www.spieren.de/virus). Hieraus kann dann nach Dringlichkeit reagiert werden.

2. Videosprechstunde

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Durchführung von Videosprechstunden. Hier sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen übergangsweise Sonderregelungen einführen, d.h. Praxen die Durchführung auf „kurzem Dienstweg“ erlauben. Eine Zertifizierung kann sicher auch nachgereicht werden. Zum einen wäre ein Kontakt mit den Patienten persönlicher möglich und die Videosprechstunde würde aufgewertet. Da wir bereits seit 2018 die Videosprechstunde einsetzen, setzen wir diese Möglichkeit selbstverständlich aktuell verstärkt ein. 

3. Homeoffice für MFA

Neben der Videosprechstunde kommt auch der Einsatz von Homeoffice-Arbeitsplätzen in der Arztpraxis infrage. Homeoffice ist in der Arztpraxis durchaus auch für Medizinische Fachangestellte möglich und sinnvoll – gerade in der aktuellen Situation. Anrufe, Terminierungen, etc. können auch außerhalb der Praxisräume erfolgen. Der Einsatz der entsprechenden Technik und die Beachtung des Datenschutzes sind natürlich eine unabdingbare Voraussetzung.

4. Abstand halten - Acrylglasscheibe

Zum Schutz der Mitarbeiter kann an den Empfangstheken z.B. eine Acrylglasscheibe installiert werden – diese ist unsichtbar wirksam (bei uns am 05.03.2020 erfolgt)! Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion. Die Scheibe schützt vor der Übertragung direkt von Mensch zu Mensch, die über die Schleimhäute der Atemwege geschehen kann. Die Installation der Acrylglasscheibe war im Vergleich zu den aktuellen Preisen zur Beschaffung von Schutzausrichtung gering. 

5. Händedesinfektion

Natürlich bleibt die Händedesinfektion bei Betreten und Verlassen der Praxis als eine wichtige Maßnahme bestehen, denn auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden, kann der Coronavirus übertragen werden. Die Patienten sollten dazu aktiv aufgefordert werden. 

6. Menschenansammlungen meiden

Den Besuch von Veranstaltungen und Menschenansammlungen oder Reisen zu überdenken und ggf. zu verschieben, ergibt sich schon aus der Empfehlung des Abstandhaltens. Natürlich sind Ältere oder chronisch Erkrankte einem größeren Risiko ausgesetzt, diese haben in der Regel selbst schon umgeplant.

Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern und vor allem die gemeinsame Abstimmung ist essentiell. Von der Möglichkeit einer zentralen Abstrichstelle bis hin zu einem Abstrich-Fahrdienst, gerade in ländlichen Gebieten, sind unterschiedliche Regelungen denkbar und werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen unterstützt. Allen bleibt gemeinsam, dass Hausärzte in dieser schwierigen Situation aktuell gefordert und gleichzeitig gefragt sind und vor allem werden. 

Fazit

Bei allen Maßnahmen geht es nicht um „Panikmache", sondern um Verantwortung und Vernunft. Denn es ist falsch Panik zu verbreiten, es ist aber genauso falsch von „Panikmache" zu sprechen. Durch Aufklärung und Erklärung sowie kleinen Maßnahmen wie

  • Telefonnummern
  • Online-Meldeformulare
  • Acrylglasscheibe
  • Homeoffice
  • Videosprechstunde

unterstreichen Hausärzte ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Vernunft und geben diese an die Patienten weiter.

Arztpraxis Spieren & Kollegen
Stefan Spieren
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