Abrechnungsempfehlungen zu telemedizinischen Leistungen

In Heft 26 des Deutschen Ärzteblatts vom 26.06.2020 wurden Abrechnungsempfehlungen der Bundesärztekammer (BÄK) zu telemedizinischen Leistungen wie der Videosprechstunde veröffentlicht. Tipps für Ärzte zur Abrechnung nach GOÄ.

wichtigDie BÄK gibt im Deutschen Ärzteblatt vom 26.06.2020 (Heft 26) mit privaten Kostenträgern konsentierte Empfehlungen zur Abrechnung telemedizinscher Leistungen

Auch wenn einige Fragen aufgeworfen werden, sollte man die Leistungen wie in den Empfehlungen beschrieben abrechnen. Ablehnungen von Kostenträgern und Rückfragen von Patienten sind dann sehr unwahrscheinlich

Diese Empfehlungen sind mit der privaten Krankenversicherung und der Beihilfe abgestimmt, sodass, wenn man nach den Empfehlungen vorgeht, keine Erstattungsschwierigkeiten und Nachfragen beim Hausarzt zu erwarten sind. Die Empfehlungen finden Sie in der Tabelle.

Dort, wo die GOÄ-Positionen als „originär“ angesetzt werden (ohne „analog“-­Kennzeichnung) beruht das darauf, dass die Leistungsbeschreibung im Sinne der GOÄ (§ 4 Abs. 2a) nur eine „besondere Ausführung“ der GOÄ-Leistungslegende ist und deshalb eine Analogabrechnung nicht erforderlich ist. Bei der Rechnungserstellung sollte auch beim „originären“ Ansatz der GOÄ-Ziffer die Leistungsbeschreibung wie in der Tabelle angeführt erfolgen. Bei den als „analog“ gekennzeichneten Ziffern ist das nach § 12 Abs. 4 GOÄ ohnehin erforderlich.

GOÄ-Nr.

Beschreibung

Punkte

Euro*

1 analog

Beratung durch den Arzt mittels E-Mail
(Chat und SMS ausgeschlossen)

80

10,72

1

bzw.
3 originär

Beratung durch den Arzt mittels Videoübertragung
(z. B. Videosprechstunde)

80
bzw. 150

10,72 bzw. 20,11

5 analog

Visuelle symptomatische klinische Untersuchung mittels Videoübertragung (z. B. Videosprechstunde)

80

10,72

2 analog

Ausstellung von Rezepten und/oder Überweisungen und/oder Übermittlung von Befunden oder ärztlichen Anordnungen mittels Videotelefonie, E-Mail (Chat und SMS ausgeschlossen), durch Medizinische Fachangestellte

30

3,15

70 analog

Erstellung oder Aktualisierung und ggf. elektronische Übersendung eines Medikationsplans

40

5,36

76 analog

Verordnung und ggf. Einweisung in Funktionen bzw. Handhabung sowie Kontrolle der Messungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen

70

9,38

60 originär

Vorstellung eines Patienten und/oder Beratung über einen Patienten in einer interdisziplinären und/oder multi­professionellen Videokonferenz, zur Diagnosefindung und/oder Festlegung eines fachübergreifenden Behandlungs­konzepts

120

16,09

60 analog

Gemeinsame ärztliche telekonsiliarische Fallbeurteilung im Rahmen diagnostischer Verfahren (z. B. bildgebender Verfahren wie CT-, MRT-, Röntgenaufnahmen, Video­endoskopie etc. und/oder z. B. histologischer Befundungen wie Schnittdiagnostik, Ausstrich) („Telekonsil“)

120

16,09

661 analog

Telemetrische Funktionsanalyse eines Herzschrittmachers, eines Kardioverters bzw. Defibrillators und/oder eines implantierten Systems zur kardialen Resynchronisations­therapie (CRT), wenn die Daten über eine größere räumliche Entfernung übertragen werden (z. B. aus der häuslichen Umgebung des Patienten heraus)

530

55,61

Tab.: Abrechnungsempfehlungen der BÄK zu telemedizinischen Leistungen vom 14./15.05.2020.
*die angeführten Euro-Beträge beziehen sich auf den Ansatz des 2,3- bzw. 1,8-fachen Faktors

Warum bei der Nr. 1 analog Chats und SMS ausgeschlossen wurden, erschließt sich aus der Veröffentlichung nicht. Bei der Nr. 5 analog heißt „Videoübertragung“ nicht, dass der Patient ein Video übertragen muss. Fotos reichen auch. Ebenso erschließt sich nicht, warum der Medikationsplan (einer, der inhaltlich etwa der GOP 01630 EBM entspricht) nur der Nr. 70 und nicht der Nr. 76 analog zugeordnet wurde.

Zuschläge

Unzeitzuschläge“ (A ff. bzw. E ff.) gelten auch bei der telemedizinischen Leistungserbringung. Allerdings muss dafür eine medizinische Notwendigkeit gegeben sein (z. B. Dringlichkeit). Organisatorische Notwendigkeiten allein reichen nicht.

► Stand: Oktober 2020

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