Bei Konsilen die Abrechnung nicht vergessen

Ein Konsil nach Nr. 60 GOÄ wird häufig telefonisch „im laufenden Betrieb“ gemacht und dann in der Abrechnung eventuell vergessen.

Nr. 60 GOÄ

„Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidationsberechtigten Ärzten“, für jeden Arzt, 120 Punkte, 2,3-fach 16,09 €.

 

 

Was verlangt ein „Konsil“ inhaltlich?

Definitionsgemäß ist ein Konsil die Besprechung zweier oder mehrerer Ärzte zwecks Abstimmung in Diagnose und/oder Therapie bei einem Kranken. Bloße Befund- oder Diagnose-Mitteilungen an einen anderen oder durch einen anderen Arzt machen also noch kein Konsil aus. Zu einem Konsil nach Nr. 60 wird aber weder eine bestimmte Form verlangt, noch eine Mindestzeit. Ein Konsil kann auch telefonisch erfolgen. Es kann auch erfolgen, wenn der Patient nicht in der Praxis anwesend ist.
Allerdings gibt es in einer ausführlichen Anmerkung zu Nr. 60 GOÄ Abrechnungseinschränkungen. Diese sind sehr ausführlich. Bitte ziehen Sie dafür Ihre GOÄ hinzu.

Die wichtigsten Abrechnungs­einschränkungen

wichtigAuch für ein „schnell zwischendurch am Telefon“ gemachtes Konsil kann die Nr. 60 GOÄ berechnet werden

Die im Beitrag dargestellten Einschränkungen müssen allerdings beachtet werden

In der Rechnung müssen die Namen oder Fachbezeichnungen der Konsiliarpartner nicht angeführt werden

Im Text der Nr. 60 GOÄ steht, dass beide Ärzte liquidationsberechtigt sein müssen. Der andere Arzt darf aber auch durch seinen „ständigen persönlichen ärztlichen Vertreter“ vertreten werden. Das zielt vor allem auf den Chefarzt des Krankenhauses. Sie können meist aber nicht wissen, wer Ihrem Patienten als „ständiger Vertreter“ genannt ist oder wird. Sie können das nur berücksichtigen, indem Sie das Konsil mit einem Facharzt der Abteilung durchführen. Konsile können auch mit einem nach Psychotherapeutengesetz approbierten und liquidationsberechtigten Psychologischem Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten berechnet werden.

In der Anmerkung wird die persönliche Befassung mit dem Patienten vor oder nach dem Konsil in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang verlangt. Für das Befassen nur mit Unterlagen ist kein Konsil berechenbar. Für „unmittelbar“ gibt es keine feste Zeitgrenze, in der Regel sind das wenige Tage. Möglich ist auch, dass Sie das Konsil berechnen dürfen, der andere Arzt (z.B. der Laborarzt oder der Krankenhausarzt, wenn der Patient doch nicht aufgenommen wird) aber nicht.

Gemeinschaftspraxis

Die wichtigste Einschränkung betrifft die Gemeinschaftspraxis. Innerhalb einer Gemeinschaftspraxis sind Konsile überhaupt nicht berechenbar, ebenso nicht in einer Praxisgemeinschaft von Ärzten gleicher oder ähnlicher Fachrichtung. Dieser Ausschluss betrifft nicht den weder zur Gemeinschaftspraxis, noch zur Praxisgemeinschaft gehörenden Arzt. So sind z.B. Konsile mit einem vorbehandelnden Hausarzt berechenbar.

Mit Augenmaß vorgehen

Für routinemäßige Besprechungen ist die Nr. 60 GOÄ nicht berechenbar. Die Beispiele in der GOÄ (u.a. Röntgenbesprechung, Abteilungskonferenz, Teambesprechung, Patientenübergabe) zeigen, dass auch, wenn die Ärzte sich zu einer festgelegten Zeit treffen (z.B. in einer Konferenz niedergelassener Ärzte und Krankenhaus­ärzte), individuell für den Patienten nötige Abstimmungen von der Berechnung als Konsil nicht völlig ausgeschlossen sind. Hier sollte mit Augenmaß vorgegangen werden.

Ggf. sind Zuschläge berechenbar

Zur Nr. 60 GOÄ können ggf. auch die „Unzeitzuschläge“ nach E ff. berechnet werden. Allerdings nur dann, wenn das Konsil aus medizinischer Notwendigkeit dringend und sofort ausgeführt (Zuschlag E) wurde oder zur „Unzeit“ (Zuschläge F bis H) erfolgte. Organisatorische Gründe zählen hier nicht. Ausschlüsse zur Nr. 60 gibt es nur wenige. Vor allem sind das die Nrn. 2, 3, 55 oder 833, 61 und 62 GOÄ.

Dokumentation

Durchgeführte Konsile sollten immer dokumentiert werden: Wann, mit wem, worüber? Zum einem hilft das gegen das „Vergessen“ in der Abrechnung, zum anderen ist man so auch bei eventuellen Nachfragen von Kostenträgern gewappnet. Nachfragen gibt es häufiger, wenn an demselben Tag mehrere Konsile berechnet werden. Davor schützt weitgehend, die verschiedenen Uhrzeiten der Konsile in der Rechnung anzuführen. Die Namen der Konsiliarpartner müssen nicht angeführt werden.

► Stand: Mai 2021

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