Kinesiotherapie zur Schmerzbehandlung

In der hausärztlichen Praxis wird Kinesio­taping zum Beispiel zur Behandlung von Rückenschmerzen, arthrosebedingten Schmerzen, haltungsbedingten Kopfschmerzen und Sehnenscheidenentzündungen eingesetzt.

Kinesiotaping kennt inzwischen fast jeder Patient. Bei vielen Sportlern sieht man am Knie oder wenn das Trikot ausgezogen wird, die „bunten Bänder“. Trotz der weiten Verbreitung ist Kinesiotaping eine IGe-Leistung. Manche Kranken­kassen erstatten aber auf Antrag einen Teil der Kosten. Darauf sollte man die Patienten hinweisen.

Wie ist das Prinzip der Anwendung?

Anders als beim herkömmlichen Tape-Verband wird beim Kinesiotaping statt festem Material ein elastisches Material verwendet. Die speziellen Bänder werden so über Muskelgruppen (z. B. an Rücken, Schulter, Arm oder im Kniebereich) geklebt, dass bei Bewegungen Spannungen und Entspannungen entstehen. Etwas vereinfacht: Es entsteht eine Art Massagewirkung mit Verbesserung von Durchblutung und Lymphabfluss. Hämatome und Entzündungen klingen schneller ab. Die Wirkung erfolgt dadurch über die gesamte Anwendungsdauer, nicht nur über eine kurze Zeit. 

Im Zweifel muss vor der Anwendung, ggf. auch mit bildgebenden Verfahren, eine nicht-muskuläre Ursache der Schmerzen ausgeschlossen werden. Die Diagnostik der muskulären Ursache erfolgt durch manualmedizinisch-physiotherapeutische Unter­suchung. Die Abklärung der Schmerz­ursache kann zu Lasten der GKV erfolgen.

Wie viele Behandlungen sind üblich?

wichtigKinesiotaping ist in der hausärztlichen Praxis eine vor allem zur Behandlung muskulär bedingter Schmerzen erfolgreich eingesetzte Behandlungsmethode

Die Therapie ist IGeL-Leistung. Entsprechend ist ein schriftlicher Behandlungsvertrag abzuschließen

Die Berechnung erfolgt oft mit der Nr. 207 GOÄ analog pro behandelter Körperregion, aber auch mit der Nr. 269 analog und dem Aufwand entsprechend gewähltem „krummen“ Faktor. Die Kosten für die Pflaster können nach § 10 GOÄ als Auslagen­ersatz berechnet werden

Bei Privatpatienten wird die Behandlung i. d. R. problemlos erstattet

Abhängig von der Art der Erkrankung und dem Körperbereich werden ein oder mehrere Tapes (bis zu 15) appliziert. Die Tapes bleiben meist einige Tage, am Rücken auch bis zu 14 Tagen kleben. Danach ist die Wirkung der Tapes erschöpft. Meist sind mehrere Behandlungen erforderlich (oft zwei bis drei), bei akuten Schmerzen kann aber auch eine einmalige Behandlung ausreichend sein. Die Behandlung ist schmerzfrei und in der Regel nebenwirkungsfrei. Hautreaktionen auf den Kleber sind aber nicht auszuschließen. Bei Haut­erkrankungen und Varizen sollte der Einsatz von Kinesiotapes sorgfältig abgewogen werden. Da durch falsches Kinesio­taping auch Schaden angerichtet werden kann, sollte die Anwendung nur durch dafür qualifizierte Anwender erfolgen.

Wie wird abgerechnet?

Als IGeL muss die Leistung nach der GOÄ berechnet werden. Da jedoch auch die GOÄ für diese Therapie keine direkt zutreffende Leistungsposition aufweist, kann die Abrechnung nur analog erfolgen. Nach § 6 Abs. 2 der GOÄ ist der Abgriff mit einer in „Art, Kosten- und Zeitaufwand“ vergleichbaren Leistung gefordert. Dies führt zur Nr. 207 GOÄ (Tape-Verband eines großen Gelenkes, 2,3-fach 13,41 €). Bei sehr großer Ausdehnung (z. B. an der Wirbelsäule) kann Nr. 207 bis 3,5-fach (resultierend sind dann 20,40 €) gesteigert werden. Häufig ist auch ein Preis von 15 bis 20 € pro Sitzung anzutreffen, gebildet mit der Nr. 269 (Akupunktur) und einem entsprechend „krummen“ Faktor. Vorteil ist dadurch die mögliche Bandbreite der Endbeträge.

Wie berechne ich die Materialkosten?

Die Kosten für das verbrauchte Tape sind als Auslagenersatz (nach § 10 GOÄ) berechenbar. Sehr korrekt ist eine Abrechnung der bei dem Patienten verbrauchten Menge (Umrechnung des Rollenpreises und deren Länge auf die verbrauchte Länge in Zentimetern). Einfacher ist, die Ergiebigkeit der Rolle für die Zahl an Behandlungen festzustellen und den Rollenpreis dann für die jeweilige Behandlung anteilig zu berechnen.

Da bei IGeL ohnehin ein schriftlicher Behandlungsvertrag mit vorheriger Benennung der Kosten geschlossen werden muss, sind auch höhere Preise, z. B. durch Berechnung der Nr. 207 statt pro behandelter Körperregion für jedes der angelegten Pflaster anzutreffen. Dabei gerät man aber ggf. in Konflikt mit der Forderung der GOÄ nach „Gleichwertigkeit“ des Honorars bei Analogabrechnung. Schließlich ist auch zu bedenken, dass die Akzeptanz des Angebots leiden könnte.

Erstattet die PKV die Kosten?

Bei Privatpatienten wird die Therapie in der Regel von der privaten Krankenversicherung und Beihilfe problemlos erstattet. Seltenen Erstattungsproblemen kann mit dem Hinweis, dass es sich um eine anerkannte Art der Schmerzbehandlung handelt, in der Regel erfolgreich begegnet werden.

► Stand: Dezember 2020

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