Urologische Katheter in der Hausarztpraxis

Wir stellen die GOÄ-Ziffern und deren „Begleitumstände“ bei Harnblasenkatheterisierungen vor.

In der GOÄ muss man genau hinsehen, damit man nicht versehentlich die falsche Ziffer ansetzt. Für eine bloße Katheterisierung sind es die Ziffern Nr. 1728 bzw. Nr. 1730 (s. Infokasten). Erfolgt eine Spülung, sind es die Ziffern Nr. 1729 bzw. Nr. 1731. Nrn. 1729 und 1731 sind auch ansetzbar, wenn nur ein Arzneimittel instilliert wurde oder nur eine Spülung erfolgte. Erfolgt beides, bleibt die jeweilige Ziffer aber nur einmal berechenbar. Die Nrn. 1729 und 1728 bzw. 1731 und 1730 sind nicht nebeneinander berechenbar. Kosten für den Einmalkatheter sind nicht berechenbar (§ 10 GOÄ), wohl aber ggf. die Kosten für Medikamente oder Spüllösungen, sofern sie den Betrag von einem Euro erreichen oder überschreiten.

Bei bereits liegendem Verweilkatheter fallen Arzneimitteleinbringungen und/oder Spülungen unter die Nr. 1733. Nr. 1733 unterscheidet nicht nach Mann oder Frau. Kosten für Arzneimittel und Spüllösungen sind, sofern sie einen Euro oder mehr kosten, berechenbar.

GOÄ-Ziffern auf einen Blick

Nr. 1728 GOÄ: „Katheterisierung der Harnblase beim Mann, 59 Punkte, 2,3fach 7,91 €“ bzw.

Nr. 1730 GOÄ: „Katheterisierung der Harnblase bei der Frau, 37 Punkte, 2,3fach 4,96 €.“

Nr. 1729 GOÄ: „Spülung der Harnblase beim Mann und/oder Instillation von Arzneimitteln, einschl. Katheterisierung und ggf. Ausspülung von Blutkoagula, 104 Punkte, 2,3fach 13,94 €“ bzw.

Nr. 1731 GOÄ: „[s.o.] bei der Frau, 74 Punkte, 2,3fach 9,92 €.“

Nr. 1733 GOÄ: „Spülung der Harn­blase und/oder Instillation bei liegendem Verweilkatheter, 40 Punkte, 2,3fach 5,36 €“.

Nr. 1732 GOÄ: „Einlegung eines Verweilkatheters – ggf. einschl. der Leistungen nach Nr. 1728 oder 1730, 74 Punkte, 2,3fach 9,92 €“

Nr. 488 GOÄ: „Lokalanästhesie Harnröhre/Harnblase, 46 Punkte, 2,3fach 6,17 €.“

Nr. 2007 GOÄ analog: „Entfernen von Fäden oder Klammern, 40 Punkte, 2,3-fach 5,36 €.“

 

Anlage eines Dauerkatheters

wichtigBei Einmal-Katheterisierungen und Spülungen unterscheidet die GOÄ nach Mann und Frau, bei Dauerkatheter-Anlage und -Wechsel nicht

Kosten für Einmal-Katheter sind nicht berechenbar, die für Dauerkatheter aber doch

Beim Wechsel eines Dauer­katheters ist für das Entfernen des liegenden Dauerkatheters die Nr. 2007 analog zusätzlich zu Nr. 1732 berechnungsfähig

Das Legen von Verweilkathetern (DK) ist nach Nr. 1732 berechenbar. Anmerkung zu Nr. 1732: „Neben Nr. 1732 ist Nr. 1733 nicht berechenbar.“ Warum hier nicht wie bei den Nrn. 1728 und 1730 nach Mann oder Frau unterschieden wird, ist unerfindlich. Trotzdem darf die Nr. 1732 beim Mann wegen der „neutralen“ Fassung der Leistungslegende nicht generell mit einem höheren Steigerungsfaktor (bis 3,5-fach) berechnet werden. Individuell vorliegende Erschwernisse sind aber für eine Faktorerhöhung zulässig, beim Mann z. B. eine hohe Barre, bei der Frau z. B. ein ausgeprägter Deszensus.

Kosten für Verweil-(!)katheter sind als Auslage berechenbar (§ 10 GOÄ). Die Kosten für ein komplettes „DK-Set“ wären, strikt nach den GOÄ-Bestimmungen gesehen, zu mindern um die nach § 10 nicht berechenbaren Materialien, z. B. die Tupfer und die Bestandteile, die weniger als einen Euro kosten („Kleinmaterialien“).

In der Regel wird für das Einlegen des Katheters kein reines Gleitmittel verwendet, sondern ein Oberflächenanästhetikum. Dann ist Nr. 488 GOÄ berechenbar. Die Kosten für das Oberflächenanästhetikum sind nicht berechenbar (§ 10 GOÄ).

Wechsel eines Verweilkatheters (DKW)

Für die Entfernung liegender Verweilkatheter enthält die GOÄ keine Ziffer, sie wird analog nach Nr. 2007 GOÄ (Entfernen von Fäden oder Klammern) abgerechnet. Auch eine gesonderte Ziffer für den DK-Wechsel sieht die GOÄ nicht vor. Hier kann Nr. 2007 analog mit der Nr. 1732 kombiniert werden.

Auch wenn Kostenträger das manchmal nicht einsehen wollen: Die zusätzliche Berechnung der DK-Entfernung beim DKW entspricht exakt der GOÄ-Systematik. Nach § 4 Abs. 2a GOÄ ist mit der jeweiligen Gebührenposition nur das vergütet, was dort steht. Es sind nur „methodisch“ notwendige Bestandteile dessen oder das, was davon nur eine „besondere Ausführung“ ist, nicht zusätzlich berechenbar. Es heißt dort ausdrücklich: „einer Leistung nach dem Gebührenverzeichnis“. Und das Entfernen ist kein Einlegen, wie es in der Nr. 1732 allein enthalten und vergütet ist. Das sah auch die BÄK so: Für das Einlegen eines suprapubischen Harnblasenkatheters (SPFK) enthält die GOÄ die Nr. 1795 (Anlegung einer perkutanen Harnblasenfistel …), für den Wechsel ist im Analogverzeichnis der BÄK die Nr. A 1833a vorgesehen. Auch die GOÄ selbst unterscheidet beim Nierenfistelkatheter in den Nrn. 1832 (Anlage) und 1833 (Wechsel).

► Stand: August 2021

Interessiert an neuen Fortbildungen oder Abrechnungstipps?

Abonnieren Sie unseren Infoletter.
 

Zur Infoletter-Anmeldung

x
Newsletter-Anmeldung