Beratungen zu IGeL: Kein Honorar verschenken

Jeder Gynäkologe kennt das: Patientinnen kommen zur Krebsvorsorge oder wegen einer Behandlung in die Praxis und bitten bei dieser Gelegenheit um Beratungen zu Leistungen, die nicht zu Lasten der GKV erbracht werden können. Zumeist wird um Auskünfte zu kosmetischen Operationen, vorwiegend zu Mammaplastiken gebeten. Die meisten Ärzte kommen dem Auskunftsbegehren der Patientinnen nach, oft aber ohne für derartige Beratungen ein Honorar zu verlangen. 

Beratungen zu IGeL sind auch in Frauen­arztpraxen von grundsätzlicher Bedeutung: Ohne Beratungen zu IGeL wäre ein Zusatzangebot von IGeL nicht vorstellbar. Vielfach lassen sich Patientinnen zu IGeL beraten, nehmen diese aber nicht in Anspruch oder nicht bei dem Arzt, der die Beratung durchgeführt hat. Nach ausführlicher Beratung zu dem Pro und Contra bestimmter IGeL, besonders dem Pro und Contra bei kosmetischen Eingriffen, wird die entsprechende kosmetische Behandlung – häufig aus Kostengründen – im Ausland durchgeführt. Die zahlreichen Berichte in der Laienpresse in der jüngeren Vergangenheit über Probleme bei Brust­implantaten bedingen einen vermehrten Beratungsbedarf. 

Hier sollte sich kein Frauenarzt scheuen, ganz unmissverständlich klar zu machen, dass jede Beratung zu kosmetischen Eingriffen nur gegen Privatliquidation erfolgen kann.

Abgrenzung der Beratungen zu IGeL

Zumeist werden Beratungen zu IGeL im Zusammenhang mit einer vertragsärztlichen Behandlung erbeten. Früher wurde häufig der Grundsatz der Unteilbarkeit einer Beratung in einer Sitzung vertreten, ist aber so nicht aufrechtzuerhalten. Im Rahmen einer Konsultation können sowohl Beratungen zu Lasten der GKV als auch als IGeL erbracht werden. Die strikte Trennung der beiden Beratungsformen voneinander ist detailliert in den Behandlungsunterlagen zu dokumentieren. Immer wieder reichen Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen Privatliquidationen von IGeL bei ihrer Krankenkasse mit der Bitte um Kostenerstattung ein. Wird dann festgestellt, dass an demselben Tag sowohl vertragsärztliche Leistungen als auch IGeL berechnet wurden, entsteht leicht der Verdacht auf eine Doppelabrechnung.

wichtigBeratungen zu beabsichtigten oder durchgeführten IGeL sind auch als IGeL zu liquidieren

Einfache Beratung: Nr. 1 GOÄ, 2,3-fach 10,72 €, 2,15-fach 10,00 €

Beratung länger als zehn Minuten: Nr. 3 GOÄ, 2,3-fach, 20,11 €, 2,29-fach 20,00 €

Mit individuellen Kommastellen beim Steigerungsfaktor runde Beträge erzielen

Auch für die Liquidation von Beratungen als IGeL ist pro forma ein Behandlungsvertrag erforderlich

Pauschalliquidationen sind auch bei Beratungen als IGeL nicht zulässig

Für Beratungen einfache Rechnungen ausstellen: Name, Anschrift und Geburtsdatum der Patientin, Nummer der GOÄ, Steigerungsfaktor und Endbetrag und mit dem Zusatz „auf Verlangen“

Zwar sind einfache Beratungen zu Lasten der GKV als Bestandteil der Grundpauschale nach dem EBM nicht gesondert berechnungsfähig, dennoch kann der Verdacht auf Doppelabrechnung insbesondere dann aufkommen, wenn zeitgleich mit der Abrechnung einer Grundpauschale eine Beratung als IGeL privat liquidiert wird.

Bei einer Prüfung muss der Frauenarzt unter Umständen anhand seiner Dokumentation zweifelsfrei belegen können, dass die Beratung zu IGeL getrennt von den Beratungen zu Lasten der GKV erfolgt ist.

Liquidation

Die meisten Beratungen zu IGeL sind nach Nr. 1 der GOÄ abzurechnen, bei längeren Beratungen auch nach Nr. 3. Auch bei Beratungen zu mehreren IGeL während einer Konsultation kann die Nr. 1 bzw. die Nr. 3 GOÄ nur einmal berechnet werden. Werden IGeL durchgeführt, kann die Nr. 1 GOÄ nur einmal im Behandlungsfall (im Verlauf eines Monats) zusätzlich zu Positionen aus den GOÄ-Abschnitten C bis O berechnet werden.

Längere Beratungen zu IGeL

Längere Beratungen von mehr als zehn Minuten Dauer können nach Nr. 3 GOÄ abgerechnet werden, mit Begründung häufiger als einmal im Behandlungsfall. Eine Begründung könnte zum Beispiel sein, dass im Laufe eines Monats verschiedene Beratungen zu verschiedenen IGeL stattgefunden haben, so zum Beispiel einmal wegen einer von der Patientin anvisierten Mammaplastik und ein anderes Mal zu einer Vorsorgesonographie der Eierstöcke.  
Kein Honorar verschenken

Auch wenn die IGeL selbst von einem anderen Arzt durchgeführt werden, sind Beratungen dazu sowohl vor deren Durchführung als auch danach nach der GOÄ zu liquidieren.

► Stand: Februar 2021

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