Humor in der Psychiatrie

Die bekannte Sammlung Prinzhorn in der Universität Heidelberg zeigt jetzt die großartige Ausstellung „Wahnsinnig komisch - Follement drole - Humor in der Psychiatrie“. Die Ausstellung hat die Sammlung Prinzhorn zusammen mit dem Pariser Musée d´Árt et d´Histoire de l`Hopital Sainte-Anne erarbeitet.

Gezeigt werden Werke von Patienten in psychiatrischen Kliniken Frankreichs und Deutschlands zwischen 1880 und 1990, die die Gefühle der Patienten in psychiatrischen Einrichtungen besonders deutlich werden lassen. Wahnsinn ist nicht immer mit Tragik und Drama verbunden, und schon gar nicht ohne künstlerische Gestaltung. Im Gegenteil sind Humor und Satire oft anzutreffen und spiegeln die Sicht der Patienten. Die Ausstellung ist sehr übersichtlich in verschiedene Sachgebiete gegliedert, beginnend mit Karikaturen, die ihre Vorlagen in den illustrierten Satirezeitschriften wie Simplicissimus und Kladderadatsch fanden. Anschließend folgen die Tiersatiren, die auch vor den berühmten Psychiatern nicht haltmachen.

Närrisch-komisches schließt sich an, wenn ein Narr einem Arzt eine Puppe im Narrenkleid entgegen hält. Narrenzepter gegen Äskulapstab sind die Waffen in einem ungleichen komischen Kampf. Natürlich fehlt auch die Psychiatriekritik nicht. So packt ein Pfleger den Patienten am Kragen und schleppt ihn zur Behandlung. Kritik an Justiz, Klerus und Gesellschaft sind insbesondere in den französischen Werken präsent. Dort findet auch Schlüpfrig-obszönes und Groteskes häufig Ausdruck. Im deutschen Kaiserreich war besonders der Fall des Psychiaters und Schriftstellers Otto Panizza bekannt geworden. Panizza fühlte sich von Kaiser Wilhelm II verfolgt, wurde wegen Majestätsbeleidigung verhaftet und für unzurechnungsfähig erklärt.

► Sammlung Prinzhorn Klinik für Allgemeine Psychiatrie Universitätsklinikum Heidelberg, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg, www.sammlung-prinzhorn.de Information: shopprinzhorn.zpm(at)med.uni-heidelberg(dot)de
Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr. Eintritt: 8 €, ermäßigt 5 €

Die zahlreichen Gemälde und Skulpturen lassen den Besucher die Ausdruckskraft psychisch Kranker erkennen. Vieles erinnert an naive Kunst, wie sie in den Sammlungen in Neuss oder wie die der Art brut in Lausanne zu sehen sind. Besonders die Skulpturen sind voller Ausdruck, wie er in der modernen Kunst der afrikanischen und ozeanischen Plastik vorherrscht.

Der Besucher der Ausstellung sollte unbedingt auch die ständige Sammlung Prinzhorn besuchen, die von dem Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn (1886 bis 1933)  in  jahrzehntelangem Bemühen zusammengetragen wurde.
 

Quelle: Dr. Ernst Wanner